Login
Ernährung und Gesundheit

Insekten und In-vitro-Fleisch? So essen wir in Zukunft

Thumbnail
Katharina Krenn, agrarheute
am
17.04.2015

Algen-Pizza, In-Vitro-Fleisch und Insekten-Burger online bestellt und tiefgekühlt geliefert - so sollen Menschen 2030 Lebensmittel konsumieren. Eine Zukunftsstudie skizziert das Ess- und Konsumverhalten von morgen.

Wie und was die Menschen in 2030 essen, beschreibt die Zukunftsstudie "So is(s)t Deutschland 2030", die Experten im Auftrag des Lebensmittelriesen Nestle für das Zukunftsforum erstellt haben. Laut der Ergebnisse des Marktforschungsinstitut Infratest zeigte sich in einer Umfrage die Mehrheit der Verbraucher ausgesprochen offen und positiv gegenüber den gezeichneten Szenarien. Insgesamt halten es sechs von zehn Verbrauchern für wahrscheinlich, dass Versorgungseinkäufe spätestens in 15 Jahren größtenteils online erfolgen.

1. Ideologisierung von Essen

Essen gewinnt in einer hochtechnisierten Welt immer mehr an Bedeutung, die Gemeinschaft wird künftig immer wichtiger. Doch auch der Wunsch nach einem verantwortungsvollen Umgang mit knappen Ressourcen und die damit verbundene Ideologisierung des Essens haben für die Mehrheit der Befragten in Zukunft einen hohen Stellenwert. Dies zeigt sich auch darin, dass Verbraucher künftig stärker darauf achten wollen, Produkte zu kaufen, die ihren eigenen Werten entsprechen. Die Verbraucher werden auf Qualitätsmerkmale wie die ressourcenschonende Herstellung und die optimale Nutzung der immer knapper werdenden Ressourcen achten.
 

2. Algen und Insekten als Proteinlieferanten

52 Prozent der Befragten könnten sich mit der Vorstellung anfreunden, als Ergebnis einer ressourcenschonenden Ernährung Algen und Insekten in ihren Speiseplan aufzunehmen. Zwar gibt es heute in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung noch kulturelle Vorbehalte gegen den Verzehr von Insekten, die in manchen Regionen Afrikas und Asiens gern gegessen werden. Doch 2030 soll dies auch hierzulande möglich sein, solange die Produkte eine Darreichungsform haben, die an bekannte Speisen und nicht an Insekten erinnert.

3. 2030 ist das Essen personalisiert und individuell

Personalisierung ist ein Trend, der schon heute ersichtlich ist und sich bis 2030 weiter verstärken wird: In Zukunft wird es ein großes Angebot an Ernährungsprodukten geben, die individuell auf das eigene persönliche Gesundheitsprofil zugeschnitten sind. Neue Technologien und bessere Vernetzung werden den vermehrten Einsatz von Apps, den aktuellen Kenntnisstand über unsere Gesundheit und die Kombination mit unserem Essen möglich machen. So wird es Restaurants geben, die im Vorfeld ein Gesundheitsprofil eines Gasts erhalten und ein personalisiertes Menü zubereiten. Auch in Imbissen und Kantinen wird es so schnell und unkompliziert für jeden gesundes Essen geben.
 

4. Gekauft wird online oder im Kollektiv

Die Studie ergibt, dass die Grundversorgung mit Lebensmitteln künftig zum größten Teil online erfolgen wird. Manche schließen sich auch in Food-Communities zusammen und kaufen gemeinsam in großen Mengen zu kleineren Preisen. Der Einzelhandel wird hingegen ein Ort sein, wo sich die Menschen inspirieren und beraten lassen. Geschulte Mitarbeiter werden neue Lebensmittel vorstellen oder erläutern, wie sich diese verarbeiten und zubereiten lassen.
 

5. Kochen wird zum gemeinschaftlichen Event

In Zukunft ist Küche nicht mehr gleich Küche: Die Nestlé Zukunftsstudie zeigt, dass die Küchen in den Wohnungen der Menschen, vor allem in Ein-Personen-Haushalten, tendenziell immer kleiner werden, denn der Wohnraum wird in den Metropolen immer knapper und teurer. Der Trend geht in den Städten zur reduzierten Versorgungsküche. Dem gegenüber steht der Wunsch nach Kochen als Gemeinschaftserlebnis: Die Befürworter des Gemeinschaftlichen Essens glauben, dass die Menschen 2030 große, gut ausgestattete Küchen in der Nachbarschaft anmieten werden, um gemeinsam zu kochen und zu essen.
 

6. Ressourcenschonende Ernährung

Die Zukunftsvision, die eine Mehrheit mit 52 Prozent für am wahrscheinlichsten hält, ist eine - ressourcenschonende Ernährung in einer werteorientierten Gesellschaft. Diese Variante vereint sowohl ökologische Aspekte als auch die Möglichkeit, das Essen selbst zuzubereiten. Die Befragten sind der Meinung, dass unsere Ernährung künftig stark von ethischen Aspekten beeinflusst und vom Wunsch abhängig sein wird, eigenverantwortlicher mit anderen und mit
 

7. Die Zukunft wird von Frauen gestaltet

Die Studie unterscheidet drei Zukunftstypen: den Zukunftsgestalter, den Zukunftsbegleiter und den Traditionalisten. Während letzterer eher männlich und älter als 50 Jahre alt ist sowie mehrheitlich über einen niedrigen Schulabschluss verfügt, ist der Zukunftsgestalter überdurchschnittlich oft mittleren Alters, weiblich und besser gebildet. Als Zukunftsgestalter gelten 12 Prozent der Verbraucher. Sie sind der Zukunft besonders aufgeschlossene Menschen und zeigen sich offen für innovative Techniken, Ernährungsformen und Kochpraktiken.
 

8. Leistungsdruck fördert Selbstoptimierung

2030 wird es Menschen geben, die durch ihre Ernährung und entsprechende Produkte versuchen werden, ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. 25 Prozent der Befragten sahen das Szenario einer Ernährung zur Selbstoptimierung in einer leistungsorientierten Gesellschaft als positiv an. Demnach wird es Produkte wie Brain Food oder eine Detox-Pille geben, die einen solchen Zusatznutzen haben. Zudem sind ob des medizinischen Fortschritts persönliche Krankheitsrisiken bekannt. Entsprechende technische Hilfsmittel, wie Apps und Gesundheitsarmbänder, werden uns dabei unterstützen, die eigene Leistungsfähigkeit und Gesundheit zu kontrollieren.
 
Auch interessant