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Lebensmittelsicherheit

Insektizid Fipronil in Eiern: Eine Chronologie

Eier in Schachteln
von , am
17.08.2017

Der Skandal um die mit Fipronil belasteten Hühnereier aus den Niederlanden verunsichert Verbraucher auch in Deutschland. Wir fassen zusammen, was bisher geschah.

Juni 2017: Erster Fipronil-Verdachtsfall

Anfang Juni: Die belgische Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK wird bereits Anfang Juni über einen ersten Fipronil-Verdachtsfall informiert, wie sie am 05. August bestätigt. Die Behörde hatte jedoch erst am 20. Juli Informationen über die EU-Kommission an andere europäische Länder weitergegeben. Eine Sprecherin erklärte, man habe die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht stören wollen.

22. Juli: Eierskandal entfacht in Belgien und den Niederlanden

22. Juli: In den Niederlanden wird Fipronil in Eiern von sieben Betrieben entdeckt. Die Höfe werden gesperrt. Zuvor war das Insektizid in Belgien aufgetaucht. Die niederländische Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen gegen ein Putz- und Desinfektionsunternehmen in Barneveld bei Apeldoorn auf wegen des Einsatzes eines Anti-Milbenmittels, dem unerlaubter Weise Fipronil beigemischt wurde. Auf der Kundendatei wurden 180 Höfe in den Niederlanden aufgeführt und vier deutsche. Unklar ist, ab wann das toxische Mittel in den Ställen eingesetzt worden war.

26. Juli: Die niederländische Lebensmittelaufsichtsbehörde NVWA sperrt die 180 Höfe. Die NVWA informiert auch die Behörden von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Ende Juli 2017: Fipronil-belastete Eier auch in Deutschland

  • 30. Juli: Das NRW-Landwirtschaftsministerium gibt bekannt, dass 2,9 Millionen mit Fipronil belastete Eier aus Belgien und den Niederlanden nach Nordrhein-Westfalen geliefert wurden.
  • 31. Juli: Die ersten Testergebnisse in den Niederlanden ergeben: Eier aus einem Stall sind so stark belastet, dass eine "akute Gesundheitsgefahr" besteht. Kinder sollten die Eier von 27 weiteren Höfen nicht essen.
  • 31. Juli: Niedersachen empfiehlt die Rückgabe von Eiern aus Belgien und den Niederlanden, die mit Fipronil belastet sein könnten.
  • 2. August: In Niedersachsen wird ein Betrieb gesperrt, der das unerlaubt Mittel benutzt hat. Einen Tag später werden zwei weitere Betriebe in dem Landkreis gesperrt.
  • 3. August: Die NVWA veröffentlicht die Liste mit allen Prüfnummern. Bilanz bisher: 1 Fall mit akuter Gefahr. 59 Fälle mit Risiken für Kinder. Der Rest waren Spuren unter den Grenzwerten.
  • In Deutschland wird bis 06. August von 12 Bundesländern berichtet, in denen mit Fipronil-belastete Eier geliefert wurden.

Anfang August: Discounter nehmen Eier aus dem Programm

Am 03. August haben große deutsche Discounter den Verkauf von Eiern aus Betrieben unter Fipronil-Verdacht gestoppt. Am Tag darauf wurden alle möglicherweise belasteten Eier aus den niederländischen Supermärkten entfernt. Außerdem nehmen Aldi Nord und Aldi Süd deutschlandweit sämtliche Eier aus dem Verkauf.

Weitere Betriebe in den Niederlanden geschlossen

  • 5. August: In den Niederlanden werden weitere 14 Betriebe vorübergehend geschlossen, in denen mit dem Insektizid Fipronil verunreinigte Eier gefunden wurden. Laut NVWA waren die Betriebe keine registrierten Kunden des Reinigungsbetriebes, der das Insektizid verbotenerweise verwendete. Sie hatten aber dennoch Geschäftsbeziehungen mit ihm.
  • 6. August: Die niederländischen Lebensmittelüberwacher veröffentlichen eine Liste von 170 Codes für mit dem Insektizid Fipronil belastete Eiern. Dies bedeute nicht, dass 170 Herstellerbetriebe geschlossen seien, sagte ein Sprecher der Kontrollbehörde NVWA in Utrecht. Oft hätten Produzenten mehrere Ställe mit unterschiedlichen Identifizierungscodes. Zudem würden ständig einzelne Ställe wieder freigegeben.

Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auch

  • 07. August: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg leitet gegen niedersächsische Landwirte ein Ermittlungsverfahren ein. Betroffen sind die Verantwortlichen niedersächsischer Eierbetriebe, in denen Eier positiv auf Fipronil getestet wurden. Bislang ist von drei Legehennenbetrieben im Landkreis Grafschaft Bentheim bekannt, dass ihre Eier Fipronil-belastet waren. Hinzugekommen ist inzwischen auch ein Betrieb mit 25.000 Legehennen im Landkreis Leer.
  • 08. August: Auch in Luxemburg sind mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier aufgetaucht.
  • 08. August: Der belgische Agarminister Denis Ducarme erhebt in der Fipronil-Krise schwere Vorwürfe gegen die Niederlande. Seinem niederländischen Kollegen habe schon im November 2016 ein Bericht zu Fipronil in Eiern im Land vorgelegen, sagte Ducarme in Brüssel bei einer Sondersitzung der Ausschüsse für Landwirtschaft und Gesundheit im belgischen Parlament.
  • 08. August: Die Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK gibt bekannt, dass bei einer am 18. Juli entnommenen Probe ein Fipronil-Wert von 0,92 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) gemessen wurde. Ab 0,72 mg/kg geht die EU von einer Gesundheitsgefahr aus.
  • 09. August: Die EU-Kommission hat entgegen erster eigener Angaben schon Anfang Juli Informationen zu Fipronil-Eiern erhalten. Dies geht aus dem Bericht der belgischen Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK vom Mittwoch hervor, der der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel vorliegt. Die EU-Kommission bestätigte die Meldung an die EU-Plattform auf dpa-Anfrage.

Verdächtige werden festgenommen

  • 10. August: In Großbritannien weitet sich der Skandal um die mit dem Insektizid Fipronil belasteten Eier aus. Es seien 700.000 betroffene Eier importiert worden - also etwa 33 Mal so viel wie bislang vermutet. Bis zu diesem Zeitpunkt wird aus 15 EU-Ländern berichtet, dass verunreinigte Eier und daraus hergestellt Lebensmittel entdeckt wurden.
  • 10. August: Niederländische und belgische Fahnder durchsuchen an verschiedenen Orten in beiden Ländern mehrere Häuser und Büros von Personen, die mit dem Fipronil-Skandal in Verbindung stehen sollen. Die niederländische Polizei nimmt dabei zwei Manager des Unternehmens ChickFriend fest, das im Zentrum der Ermittlungen steht.
  • 11. August: Die EU beruft eine Krisensitzung in dem Fall ein. EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis sagte, er habe ein Treffen der zuständigen Minister sowie Behördenvertreter der betroffenen Länder vorgeschlagen. Die Gespräche sollen am 4. oder 5. September am Rande eines Agrarministertreffens in Estland stattfinden. Teilnehmen sollen die Minister der betroffenen Staaten sein. Die EU-Kommission hatte kurz zuvor mitgeteilt, dass ein offizielles Sondertreffen erst am 26. September stattfinden soll. Um alle relevanten Informationen bewerten zu können, habe die Kommission bewusst einen Termin mit zeitlichem Abstand gewählt, hieß es zur Erklärung. Ziel des Treffens sei es, aus dem aktuellen Fall zu lernen und die Koordinierung und das Frühwarnsystem zu verbessern.

Weitere Betriebe gesperrt

  • 15. August: In Belgien sind in sieben weiteren Legehennenbetrieben mit dem Insektengift Fipronil verunreinigte Eier entdeckt worden. Wie die Aufsichtsbehörde FASNK am Dienstagabend berichtete, wurden die Unternehmen sofort vorübergehend gesperrt. In Belgien sind nach den jüngsten Tests mittlerweile alle Legehennen- und Aufzuchtbetriebe auf Fipronil getestet. Insgesamt seien noch 21 Unternehmen gesperrt, teilte die FASNK mit.
  • 16. August: Die Zahl der nach Niedersachsen gelieferten Eier, die mit dem Pflanzenschutzmittel Fipronil verunreinigt waren, ist deutlich größer als zuvor bekannt. Nach Aussage des niedersächsischen Agrarministers Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) sollen insgesamt 35,3 Millionen Eier belastet gewesen sein.
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