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Land Grabbing

Investoren kaufen weltweit mehr Agrarflächen

Palmöl-Plantage in Indonesien
Alex Niedermayr, agrarmanager
am
18.10.2016

Seit dem Jahr 2000 sind 26,7 Mio. ha der weltweiten Agrarflächen in die Hand internationaler Investoren übergegangen. Insgesamt besitzen sie nun rund zwei Prozent der globalen landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Weltweit nimmt der Anteil des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens in der Hand internationaler Investoren zu. Mit zwei Prozent der gesamten Agrarfläche bewegt sich der Wert aber noch auf einem niedrigen Niveau. Die Fläche entspricht etwa jener des Vereinigten Königreichs plus Slowenien, erklärt die Landmatrix-Initiative in ihrem Bericht. Die Landnahme durch Investoren — sogenanntes Land Grabbing — betrifft vor allem den afrikanischen Kontinent.

Die Landmatrix-Initiative erfasst Daten zu großflächigem Landerwerb in Staaten mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Der Bericht berücksichtigt seit dem Jahr 2000 den länderübergreifenden Grunderwerb von mindestens 200 ha.

Mehr Flächen aktiv bewirtschaftet

Landgrabbing

„Wir beobachten, dass immer mehr Agrarflächen nicht nur den Besitzer gewechselt haben, sondern zunehmend aktiv bewirtschaftet und genutzt werden, zum Beispiel für den Anbau von Getreide, Ölpalmen und Zuckerrohr“, erklärt Dr. Kerstin Nolte von der Landmatrix-Initiative. Seit Beginn der Untersuchung im Jahr 2000 sind 1.004 länderübergreifende Kaufverträge über Agrarflächen geschlossen worden. Dabei wechselten 26,7 Mio. ha landwirtschaftlich nutzbarer Boden in den Besitz internationaler Investoren. Betroffen sind überwiegend Gebiete, die bereits zuvor landwirtschaftlich genutzt wurden. Dies führt dem Landmatrix-Bericht zufolge zu einer verstärkten Konkurrenz um Land und potenziell zu Konflikten mit der lokalen Bevölkerung.

Afrika besonders betroffen

Die Investoren stammen hauptsächlich aus Malaysia, den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Singapur und Saudi-Arabien. Am meisten betroffen von ausländischer Landnahme ist mit 10 Mio. ha der afrikanische Kontinent. Weitere stark betroffene Regionen sind Osteuropa und Südostasien. Die erworbenen Flächen dienen vorwiegend der Nahrungsmittel-, Palmöl-, Kautschuk- oder Biokraftstoffproduktion.

Die größte Investor-Region ist Westeuropa mit 315 Geschäftsabschlüssen und entsprechenden 7,3 Mio. ha. Deutsche Anleger sind an 26 Abschlüssen mit einer gehandelten Fläche von 433.000 ha beteiligt.

Landmatrix-Initiative

Die Landmatrix hat das Ziel, den weltweiten Landerwerb transparenter und nachvollziehbarer zu machen. Die Initiative wird von internationalen Forschungseinrichtungen und Organisationen koordiniert. Das Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien (GIGA) in Hamburg ist für das Management und die Pflege der globalen Datenbank verantwortlich. Der vollständige Bericht steht unter folgendem Link als Download zur Verfügung (nur in englischer Version): Bericht Landmatrix-Initiative

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