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Politik national

Italien: Mafia in der Agrarbranche aktiv

© Rainer Sturm
von , am
07.02.2012

Rom - 5,6 Prozent, jährlich 12,5 Milliarden Euro, verdient die Mafia mit Geschäften in der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Die "Agrarmafia" bereichert sich nicht nur unmittelbar in der Landwirtschaft.

Die Mittel für den Agrarhaushalt im kommenden Jahr sind um rund 140 Millionen Euro höher als 2015. © Rainer Sturm
In Italien ist die Mafia auch in der Agrar- und Lebensmittelbranche aktiv. Das hat kürzlich wieder einmal die gerichtlich angeordnete Beschlagnahmung von illegal erworbenen Immobilien und Agrarflächen im Wert von 25 Millionen Euro in der sizilianischen Provinz Trapani gezeigt.
 
Wie der italienische Bauernverband Coldiretti bestätigte, manifestiert dieser Fall erneut das kriminelle Interesse der Mafia, das in der Agrar- und Ernährungswirtschaft mit jährlich 12,5 Milliarden Euro mittlerweile 5,6 Prozent sämtlicher Machenschaften der international agierenden Verbrecherorganisation ausmache.

'Unerträgliche kriminelle Übergriffe'

Nach einem Treffen zwischen Landwirtschaftsminister Mario  Catania, dem Antimafia-Staatsanwalt Pietro  Grasso  und Coldiretti-Präsident  Sergio  Marini hieß es dazu in Rom, Agrarbetriebe und Verbraucher seien in der Nahrungsmittelbranche unerträglichen kriminellen Übergriffen ausgesetzt, wobei die Abnahmepreise in vielen Fällen unter den Produktionskosten lägen.
 
Qualität und Nahrungsmittelsicherheit stehen auf dem Spiel
 
Die "Agrarmafia" bereichere sich seit langem nicht nur unmittelbar in der Landwirtschaft, sondern auch in der Verarbeitung und im Handel, was wiederum die freie Marktwirtschaft einschränke und eine unlautere Konkurrenz bedeute. Die direkte Folge für den Verbraucher seien höhere Nahrungsmittelpreise. Zugleich stünden Qualität und Nahrungsmittelsicherheit auf dem Spiel, da im Rahmen der mafiösen Praktiken Lebensmittel als "Made in Italy" angeboten würden, die in Wirklichkeit meist aus billig importierten Rohstoffen hergestellt worden seien, beklagte Coldiretti.
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