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Umwelt

IVA: Studie belegt die Bedeutung der Neonikotinoide

von , am
16.01.2013

Eine gemeinsame Pressekonferenz von Industrieverband Agrar e.V. (IVA) und Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP) war am 15.1. der aktuellen Diskussion um die Neonikotinoide gewidmet.

© Mühlhausen/landpixel
Pflanzenzüchter und Pflanzenschutzmittelhersteller haben sich in einer eher ungewöhnlichen Allianz zusammengetan, um auf die Bedeutung dieser Insektizide hinzuweisen und klarzustellen, welche Auswirkungen ein Verlust haben würde.
 
Dazu wurde eine wissenschaftliche Studie vorgestellt, die in den nächsten Tagen veröffentlicht wird und die Nachhaltigkeit der Neonikotinoide und ihre soziale und wirtschaftliche Bedeutung zum Inhalt hatte. Dr. Steffen Noleppa, agripol, und Thomas Hahn, a-connect, haben die Studie verfasst und in der Publikationsreihe des Humboldt Forum for Food and Agriculture e. V. (HFFA) veröffentlicht. Gefördert wurde sie von Bayer CropScience und Syngenta.
 
Dr. Thomas Hahn präsentierte die wichtigsten Ergebnisse der Studie. Untersucht wurden dabei sowohl ihr kurz- bzw. mittelfristiger Nutzen und die Folgen eines Verbotes auf Landwirte und Produzenten.

Highlights der Studie

Hahn präsentierte drastische Zahlen - bei denen allerdings immer von einem ersatzlosen Wegfall der Wirkstoffe ausgegangen wird. Danach leistet die Saatgutbeizung mit Neonikotinoiden einen unverzichtbaren Beitrag zur Nachhaltigkeit der europäischen Landwirtschaft. Ihr kurzfristige Nutzen beträgt in Europa sechs Milliarden Euro, in Deutschland 1,5 Milliarden. Der mittelfristige (fünf Jahre) sozio-ökonomische Wertbeitrag beläuft sich auf bis zu 17 Milliarden Euro; 50 000 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und in den von ihr abhängigen Wirtschaftsbereichen wären im selben Zeitraum ohne diese Technologie gefährdet. Zugleich leiste die Saatgutbeizung mit Neonikotinoiden einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasen aus der landwirtschaftlichen Produktion.

Hot-Spot-Analysen zeigen Auswirkungen eines Verbots

Die Beizung von Saatgut ist ein besonders schonendes und effizientes Verfahren im Pflanzenschutz - sie infrage zu stellen durch den Wegfall von Wirkstoffen, sei angesichts der Debatten um einen umweltverträglichen Pflanzenbau geradezu absurd. Doch die Autoren haben sich nicht nur mit der gesamteuropäischen Perspektive befasst, sondern zu einigen europäischen Regionen sogenannte Hot-Spot-Analysen durchgeführt.
 
In Deutschland haben sie dabei Raps und Zuckerrübe eingehender untersucht. Sie fanden heraus, dass ohne Einsatz von Neonikotinoiden beispielsweise im Rapsanbau bei einem starken Befall bestimmter Schädlinge Ertragsverluste von zehn bis 15 Prozent zu erwarten sind. In zentralen Rapsanbaugebieten in Deutschland würden die Netto-Margen der Produzenten um 60 Prozent schrumpfen. Ähnliche Annahmen lassen sich auch auf weitere Kulturen übertragen, deren Ertragsfähigkeit ohne Neonikotinoide gefährdet wäre.

Das sagen Züchter und Firmen

Diese Erfahrungen bestätigten bei der Pressekonferenz auch Züchter und Landwirte. Dietmar Brauer, Geschäftsführer der Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG machte deutlich, dass es aus seiner Sicht "zu Neonikotinoiden, die als Beizmittel angewendet werden, in Bezug auf die Ertragssicherheit und die Schonung von Nützlingen keine wirksame Alternative gibt. Die Saatgutbeizung ist der Königsweg des Pflanzenschutzes hinsichtlich der benötigten Wirkstoffmenge, der zielgenauen Anwendung und des Anwenderschutzes."
 
Hans-Christian Koehler, Aufsichtsratsvorsitzender der Nordzucker AG und aktiver Zuckerrübenanbauer aus Uelzen, bestätigte diese Worte für den Zuckerrübenanbau: "Als Zuckerrübenanbauer stehe ich jedes Frühjahr unter einem immensen Zeitdruck, weil ich viele Dinge auf dem Acker gleichzeitig erledigen muss. Die Saatgutbehandlung mit Neonikotinoiden schützt meine jungen Rübenpflanzen vor Insekten und Virusinfektionen bis zum Reihenschluss, ohne dass ich zusätzliche Spritzungen durchführen muss. Die punkt- genaue Wirkung spart Zeit und lässt mir genügend Raum für andere notwendige Pflege- maßnahmen auf dem Feld."
 
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