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Gesellschaft

Jugendliche und Corona: die Nase voll

maedchen-am-schreibtisch
am Samstag, 05.02.2022 - 07:00 (Jetzt kommentieren)

Die junge Generation bekommt die Corona-Pandemie mit am härtesten zu spüren – nur dass das den wenigsten auffällt. Dabei verlieren gerade junge Menschen die vielleicht wertvollste Zeit ihres Lebens. 4 Fragen an Anne-Kathrin Meister vom Bundesvorstand der Deutschen Landjugend, die sagt: Onlinetreffen sind kein Ersatz für das echte Leben.

Anne, wieso leidet gerade die junge Generation so sehr unter der Pandemie?

Statt die Welt, sich und die erste Liebe zu entdecken, sich auszuprobieren und nochmal etwas Verrücktes zu erleben, heißt es: Quarantäne, Kontaktbeschränkungen und Sport und Ausgehen gestrichen. Und viel Empörung, wenn man sich doch mal trifft oder Party feiert. Dabei vergessen Erwachsene schnell, wie unendlich lang zwei Jahre sein können, wenn man noch so viel vorhat.

Findest du, dass die Jugend ungerecht behandelt wird?

Schon ein bisschen. 2020 hieß es: Bitte bleibt daheim, schützt die Eltern und Großeltern, schützt die Risikogruppen. Beim Impfen war die Warteschlange lang, die U-25-Jährigen mussten sich hinten anstellen. Viele aus meinem Umfeld hätten sich gerne schnell impfen lassen. Aber sie haben keinen Termin bekommen. Als dann mehr und mehr 2G statt 3G eingeführt wurde, wurden junge Menschen zunehmend ausgeschlossen.

Geht es den Teenagern und jungen Erwachsenen auf dem Land besser als denen in der Stadt?

Auch auf dem Land müssen sich die Jugendlichen stark einschränken. Landjugendfete, Osterfeuer, Bezirkspflügen, Festzelte, Maibaumstellen, Grüne Woche – alles abgesagt. Dennoch geht es den jungen Menschen auf dem Land besser als den Gleichaltrigen in der Stadt. Wer auf dem Dorf wohnt, der kann mal schnell zum See fahren oder sich am Gartenzaun treffen. In den Städten mussten die Jugendlichen im Lockdown in ihren Wohnungen bleiben und haben auch jetzt nur wenige Möglichkeiten, sich zu treffen. Im ersten Lockdown haben wir manchmal auf dem Gartenstuhl im Schnee gesessen und so unseren Stammtisch abgehalten – jeder in seinem Garten. Das war zumindest ein Ersatz.

Deine Forderung an Politik und Gesellschaft?

Dass die an die jungen Menschen denken, denn die verlieren gerade eine extrem wichtige Zeit ihres Lebens. Wir von der Landjugend fordern großzügige Förder- und Aufbauprogramme für Jugendfreizeiten und außerschulische Aktivitäten, um die Kinder und Jugend-lichen wieder zu motivieren. Und bitte, bitte: Endlich mehr impfen, damit der ganze Mist vorbei ist!“

Forscher bestätigen: Jugendliche leiden unter Corona-Bedingungen

Anne-Kathrin-Meister-Gondel

Was Anne-Kathrin Meister selbst erlebt und wahrnimmt, wird auch von der Forschung bestätigt: „Die Lebensphase Jugend schien teilweise fast ,unsichtbar‘ geworden zu sein“, heißt es in der Studie „Jugend ermöglichen – auch unter den Bedingungen des Pandemieschutzes“ des Deutschen Jugendinstituts von 2021. „Zum einen waren sie in ihrer Lebenssituation in öffentlichen und medialen Debatten insgesamt selten Thema.“ Andere Altersgruppen hätten dagegen deutlich im Fokus gestanden: jüngere Kinder aufgrund möglicher „Folgen der Schließung von Kindertageseinrichtungen“, ältere Menschen als „besonders vulnerable und durch die Besuchsbeschränkungen von Isolation bedrohte Gruppe“ und Familien als überlastet durch das Aufeinanderprallen von Homeoffice, Homeschooling und alltäglichem Wahnsinn.

„Die junge Generation ist am Ende ihrer Geduld“, schreibt auch Jugendforscher Simon Schnetzer in seiner Studie „Jugend und Corona in Deutschland“ Mitte 2021. Schlecht organisiertes Homeschooling, ständige Maskenpflicht im Unterricht, allerletzte Gruppe beim Impfangebot und damit diejenigen, die im vergangenen Jahr am wenigsten Freiheiten genießen durften, das ist die „Generation C“ – C wie Corona.

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