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Interview

Wie ein junger Landwirt Rehkitze mit der Drohne rettet

Ein Landwirt haelt ein gerettetes Rehkitz
am Freitag, 18.06.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Junglandwirt und CeresAward-Gewinner Christian Bug hat den Verein Rehkitzrettung Osthessen e.V. ins Leben gerufen, um Kitzvermähungen vorzubeugen. Unser Junglandwirteportal Hofheld hat nachgefragt, was es damit auf sich hat.

Christian, seit wann engagierst du dich in Sachen Kitzrettung?

Wir haben vor etwa sieben Jahren mit der hessischen Landjugend die Aktion „Mäh kein Reh“ ins Leben gerufen. Wir haben zusammen mit dem hessischen Jagdverband eine Checkliste gemacht, was der Landwirt tun kann, um das Risiko zu minimieren, ein Rehkitz anzumähen. Die werden seitdem zusammen mit Flatterbändern verteilt – das findet reißenden Absatz.

"Mäh kein Reh"

Hier gibt es den Flyer "Mäh kein Reh" der Rehkitzrettung Osthessen e.V. zum Anschauen.

Wie effektiv waren Flatterbänder und Checklisten?

Von der Sache her ist das mit den Flatterbändern zwar gut, aber nicht so effektiv, wie ich das gerne hätte. Sie vertreiben nicht alle Kitze aus dem Feld und auch beim Ablaufen muss der Jäger quasi über das Kitz stolpern, um es zu finden. Und der Landwirt hat beim Mähen gar keine Chance, sich im Gras duckende Rehkitze zu sehen. Daher wollte ich das Vertreiben von Rehkitzen in diesem Jahr etwas professionalisieren und habe zunächst eine Wärmebilddrohne angedacht.

Wärmebilddrohnen sind ja nicht so ganz günstig …

Genau. Daher habe ich mit dem Landkreis Fulda gesprochen und um Unterstützung gebeten. Die Idee stieß auf Begeisterung, das Budget dafür hat leider gefehlt. Doch meine Ansprechpartner haben mir den Tipp gegeben, dass das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Anschaffung solcher Drohnen fördert – allerdings nur für Vereine, bei denen entsprechend in der Satzung steht, dass sie die Kitzrettung als Ziel haben.

Förderprogramm für Drohnen

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unterstützt Anschaffung und Einsatz von Drohnen für die Kitzrettung mit bis zu 4.000 Euro je Drohne und bis zu 8.000 Euro pro Verein. 

Und deshalb hast du einen entsprechenden Verein gegründet?

So ist es. Zuerst habe ich überlegt, ob es bereits einen passenden Verein gibt, mit dem man diesbezüglich zusammenarbeiten kann. Doch der Jagdgenossenschaftsverband hatte leider kein Budget, um das Geld für eine Drohne erstmal vorzustrecken. Außerdem hätten wir dann keine freie Verfügung über das Gerät gehabt. Also habe ich mir ein paar Mitstreiter gesucht und wir haben einen eigenen Verein gegründet.

War es leicht, Gleichgesinnte für dein Vorhaben zu finden?

Ja total. Wir waren sehr schnell sieben Männer und Frauen. Damit konnten wir alle Ämter, die so ein gemeinnütziger Verein braucht, besetzen. Einen Verein zu gründen ist nämlich gar nicht so einfach. Vereinsregistereintrag, Finanzamt, Ortsgericht, … Doch letztendlich haben wir es geschafft und sind seit knapp fünf Wochen ein eingetragener gemeinnütziger Verein mit zwei Hightech-Drohnen für jeweils 7.000 Euro und der Förderbescheid des BMEL ist bereits bewilligt.

Wer fliegt denn die Drohnen?

Das machen wir selbst. Während wir uns um den Papierkram gekümmert haben, haben wir alle den Drohnenführerschein beim Luftfahrtbundesamt abgelegt und uns eine Spielzeugdrohne zugelegt, um das Fliegen schonmal zu üben. Mit unseren Wärmebilddrohnen sind wir nun seit zwei Wochen im Einsatz und haben schon knapp 200 ha abgeflogen und 16 Rehkitze aus den Wiesen geholt. Wir sind alle total motiviert und die Jagdpächter freuen sich, dass wir sie unterstützen. Und wenn man dann auch noch was findet und ein Rehkitzleben retten kann, das macht dann schon Spaß.

Seid ihr alles Landwirte?

Nein. Zum Verein, der momentan noch ausschließlich aus den Gründungsmitgliedern besteht, gehören zwei Landwirte, ein Unternehmensberater, eine Grundschullehrerein, eine Osteopathin, ein Großhandelskaufmann und ein Polizist.

Wie läuft das ab, wenn ihr mit der Drohne loszieht?

Entweder rufen die Landwirte selbst bei uns an oder wir bekommen von den Jagdpächtern Bescheid, welche Flächen gemäht werden sollen. Dann starten wir am Mähtag meistens gegen 5 Uhr morgens mit unserer Drohne und fliegen die Flächen ab. Da ist der Temperaturunterschied zwischen Boden und Kitz noch hoch, somit können wir die Tiere besonders gut erkennen. Beim ersten Mal, als ich mit der großen Drohne losgezogen bin, war ich noch total aufgeregt, aber mittlerweile bin ich schon etwas eingegroovt.

Warum engagierst du dich überhaupt für die Rehkitzrettung?

Im Grunde genommen läuft das für mich ein Stück weit unter Öffentlichkeitsarbeit. In den letzten Jahren war die Kitzvermähung ja auch gesamtgesellschaftlich immer wieder ein Thema. Und es ist ein Thema, bei dem es keine zweite Meinung gibt: der Landwirt will nicht, dass ein Tier vermäht wird, die Gesellschaft will es nicht und der Jagdpächter auch nicht. Es ist einfach ein Hobby, das Spaß macht und alle geil finden.

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