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TV-Tipp

Kleines Dorf, große Ideen – Wie ein Dorfladen das Leben verändert

Dörfersterben und Landflucht sind Themen, die in den letzten Jahren immer mehr an Präsenz und Brisanz gewonnen haben. Die EU stellt Fördergelder in Milliardenhöhe für die Entwicklung des ländlichen Raums zu Verfügung, doch wohin fließen die Gelder? Am Beispiel eines kleinen Dorfes zeigt der WDR im Beitrag am 17.02.21 um 22:15, wie engagierte Bürgerinnen und Bürger ihren Dorfkern retten wollen.

am Mittwoch, 17.02.2021 - 15:15

Im Sauerland, genauer gesagt in Ottfingen, sind die Auswirkungen vom Dorfsterben schmerzlich zu spüren. Wo früher Metzgerei, Schuhgeschäft, Blumenladen, Elektrobedarf und Post standen, herrscht heute gähnende Leere– alles weg. Die mitten im Dorf gelegene Grundschule wurde trotz heftiger Proteste nach 240 Jahren geschlossen. Die ortseigene Volksbank musste schließen. 

Ende 2019 folgten die letzte Gastwirtschaft und das einzig verbliebene Lebensmittelgeschäft im Ort. Gab es 1990 deutschlandweit noch über 66.400 kleine Lebensmittelgeschäfte, waren es 2017 nur noch 8.650. 

Der Beitrag läuft heute, am 17. Februar, von 22:15 bis 23:00 im WDR. Den 40-minütigen Beitrag "Kleines Dorf, große Ideen: Wie ein Dorfladen das Leben verändert" können Sie auch in der ARD-Mediathek ansehen.

Ottfingen: Der Kampf gegen das Dorfsterben

Einige mutige Bürgerinnen und Bürger Ottfingens wollen die Verödung ihres Dorfes nicht hinnehmen und setzten sich mit kreativen Ideen zur Wehr. 

Sie wehrten sich gegen die Schließung der Grundschule und gründeten die „Zukunfts-Werkstatt Ottfingen“. Das Ziel: Menschen zusammenzubringen, die sich über Partei- und Vereinsgrenzen hinweg für bessere Lebensqualität in ihrem Dorf engagieren und das ehrenamtlich. Aus der ehemaligen Grundschule soll ein Kulturzentrum entstehen.  

Gründung eines Dorfladens

Ein weiteres Projekt der Zukunfts-Werkstatt: Die Gründung eines genossenschaftlich organisierten Dorfladens. Der Dorfladen diente jahrelang als „Meeting Point“, eine Art analoges soziales Netzwerk. Der Laden in mediterranem Landhausstil mit Bistro, regionalen und Bioprodukten, einer großen Frischetheke, Schreibwaren, Getränkemarkt und Bargeldausgabe war Treffpunkt, ein Ort zum Reden und gerade für die ältere Bevölkerung ein fußläufiger Lebensmittelladen. Mit Schließung 2019 fiel das alles weg und geht vielen Bewohnern schmerzlich ab. Das “Facebook” von Ottfingen soll nun reanimiert werden, durch die genossenschaftliche Organisation des Ladens, bei der Bürgerinnen und Bürger Anteile des Geschäftes erwerben können, diesen aktiv mitgestalten und einen kleinen Teil des Dorflebens wiederbeleben können. 

Doch einen genossenschaftlich organisierten Dorfladen aufzubauen, das macht man nicht mit links: Förderungen beantragen, Business- und Baupläne erstellen, die Prüfung des Genossenschaftsverbandes bestehen, Menschen finden, die Verantwortung im Vorstand und im Aufsichtsrat übernehmen und das alles ehrenamtlich. 

WDR begleitete fast ein Jahr die Gründung des Dorfladens

Fast ein Jahr lang begleitet WDR-Autorin Erika Fehse die Aktivistinnen und Aktivisten beim Aufbau ihres Dorfladens. Über 400 Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner sind durch ihre Genossenschaftsanteile am Laden beteiligt. Doch werden die Einwohnerinnen und Einwohner von Ottfingen jetzt wirklich in ihrem Dorfladen anstatt im nächsten großen Supermarkt einkaufen? Kann das Projekt auf Dauer bestehen? Und wäre Ottfingen damit vielleicht ein Vorbild für viele andere kleine Dörfer? 

Der Beitrag vom WDR ist am 17.02.21 um 22:15 Uhr um WDR zu sehen und schon vorab in der ARD-Mediathek.