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Umwelt

Klimawandel: Chance auf höhere Erträge

von , am
13.09.2012

Berlin - Um nicht zu den Verlierern des Klimawandels zu gehören, müssen sich die Landwirte jetzt auf neue Herausforderungen aber auch große Chancen vorbereiten.

"Deutlich steigende Bodentemperaturen, ein früherer Vegetationsbeginn und ein Wandel der Niederschlagsverteilungen im Jahresverlauf bergen Chancen auf höhere Erträge. Das setzt jedoch voraus, dass die Landwirte hohe Summen in Bewässerungssysteme und Drainagen investieren. Auch sind erhebliche Anstrengungen in der Pflanzenzüchtung notwendig, um die Kulturpflanzen an die sich änderten Witterungsbedingungen anzupassen." Dies erklärten Dr. Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und Werner Schwarz, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), gestern auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von DWD und DBV in Berlin.
 
Hohe Investitionen in Bewässerungssysteme - vor allem im Osten des Landes
 
Um nicht zu den Verlierern des Klimawandels zu gehören, müssen sich die Landwirt jetzt vorbereiten. In Brandenburg anders als in Schleswig-Holstein. Die Chancen, sich den Anforderungen anzupassen, sind so groß wie nie zuvor. "Denn heute wissen wie viel mehr als noch vor einem Jahr", betonte Becker. Der Rückgang der Niederschläge im Sommer bei gleichzeitiger Verdunstung werde in vielen Regionen Deutschlands, vor allem aber im Osten des Landes zu Problemen bei der Bewässerung führer. Standorte mit leichten Böden, wie in Teilen Niedersachsens, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg müssen künftig häufig beregnet werden.
 
Das erfordere aber hohe Investitionen in Bewässerungssysteme und eine optimierte Beregnungssteuerung. Die erwartete Zunahme der Niederschläge im Herbst und Winter führe zudem dazu, dass dann zu nasse Böden maschinell nicht wirkungsvoll bearbeitet werden können. Es komme deshalb darauf an, Drainagesysteme zu erhalten oder neu zu bauen.

Chancen für die Landwirtschaft:

Neue Auswertungen des DWD zeigen, dass in Deutschland für den Zeitpunkt Ende April die Bodentemperatur von 1962 bis 2012 im Mittel um fünf Grad auf heute 16 Grad Celsius zugenommen hat. "Wir rechnen damit, dass sich dieser Trend bis 2100 fortsetzt", berichtet Becker. Viele Pflanzen wüchsen deshalb früher. Der Vegetationsbeginn gemittelt über verschiedene Pflanzen findet heute etwa sieben Tage früher statt als vor 50 Jahren.
Dies werde sich positiv auf den Ertrag und die Anbaumöglichkeiten von wärmeliebenden Pflanzen wie Mais oder Hirse auswirken. Der Mais dürfte damit hierzulande zu den Gewin-ner-Pflanzen im Klimawandel gehören.
 
Im Jahr 2100 könnte er laut DWD im Vergleich zu den 1960er Jahren sogar drei Wochen früher beginnen. Zugleich ermöglicht die Abnahme der Spätfröste eine verstärkte Nutzung von Zweitkulturen auf derselben Fläche. "In Deutschland kann die immer knapper werdende Ressource Ackerfläche dann durch mehrere Ernten effektiver genutzt werden."

Risiken für die Landwirtschaft:

"Die Erfahrungen der letzten Jahre aber auch die Schwierigkeiten eines Klimawandels sehr deutlich gezeigt hätten", erklärte Schwarz. Dazu gehörten längere Trockenzeiten im Frühjahr und Frühsommer, obwohl die Getreidepflanzen in dieser Zeit eigentlich eine gute Bodenfeuchte benötigen. Hinzu kämen Extremsituationen wie Hagel kurz vor der Obst- oder Maisernte, Starkregen, der zur Erosion von wertvollem Boden und zur Unbefahr-barkeit der Äcker führen kann. Auch die Kahlfröste in diesem Jahr hätten gezeigt, wie risikoreich der Ackerbau sein kann.
 
Selbst unsere Tierhalter spüren den Klimawandel, betonte Schwarz. "Unsere Nutztiere erleiden plötzlich Tierkrankheiten, die wir früher nur aus südeuropäischen Regionen kannten. Dazu gehören die Blauzungenkrankheit und das Schmallenbergvirus."

Anpassungsstrategien:

Sortenspektrum nutzen: mit der Sortenwahl auf die sich verändernde Witterungsbedingungen und den jeweiligen Standorte reagieren
 
Anpassung bei der Auswahl der Kulturpflanze: Mais und Zuckerrüben versprechen bei einer zunehmend guten Wasserversorgung in den Sommermonaten bessere Erträge, Fruchtfolge anpassen, Hirse oder Soja könnten mit in die Fruchtfolge aufgenommen werden
 
Pfluglose Bodenbearbeitung: Mulchsaat, Direktsaat oder Strip Tillage verringern die Gefahr der Bodenerosion und der Austrocknung des Bodens
 
Anbau von Zwischenfrüchten: Durch ganzjährige Bodenbedeckung können die Nährstoffe besser genutzt werden, die Auswaschung von Stickstoff ins Grundwasser vermindert und das Risiko von Bodenerosin gemindert werden
 
Bewässerung: Nicht flächendeckend, aber an bestimmten Standorten wird die Möglichkeit zur Bewässerung wichtiger
 
Ernteversicherungen: Hagelversicherung, Mehrgefahrenversicherung gegen Verluste durch Trockenheit, Starkregen Überschwemmung oder Spätfröste 


 

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