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Kommunikation

Kommentar: 'Angriffe dürfen Landwirte nicht zum Schweigen bringen'

Dialog auf einem Traktor
Sabine Leopold, agrarmanager
am
26.04.2017

Eine gezielte Kommunikation ist für Landwirte unverzichtbar, auch wenn die Anfeindungen manchmal schwer zu ertragen sind. Ein Kommentar von Sabine Leopold, Redakteurin beim agrarmanager.

Sabine Leopold, agrarheute

Wir alle möchten geachtet werden. Am wohlsten fühlen wir uns unter Menschen, die uns mögen. Das liegt an unserem sozialen Wesen. Die Anerkennung der Gesellschaft gibt uns Sicherheit und Selbstwertgefühl. Sie sorgt dafür, dass wir unsere Kompetenzen entwickeln und unsere Talente entfalten. Soziale Ausgrenzung ist also weit mehr als ein bisschen Missvergnügen. Sie macht die Betroffenen über kurz oder lang seelisch kaputt.

Gerade Landwirte müssen sich mit diesem Thema immer häufiger auseinandersetzen. Unreflektierte Verurteilung ihrer Arbeit, aber auch widerliche persönliche Angriffe gehören für viele mittlerweile zum Alltag. Dabei müssen die Urheber nicht einmal mehr Gesicht zeigen. Die - oft so gar nicht - sozialen Medien bieten Hetzern und Petzern eine anonyme Plattform mit enormer Reichweite. So kann ein milchtrinkendes Kind binnen weniger Stunden einen Tierrechtler-Shitstorm auslösen, der eine Bauernfamilie an den Rand ihrer nervlichen Kraft treibt.

"Besonders bedrückend ist, dass die Schmähung auch Kinder betrifft"

Besonders bedrückend ist, dass die gesellschaftliche Schmähung längst nicht mehr nur die Landwirte selbst betrifft. Wir haben uns in dieser Ausgabe auch mit dem Thema Schulmobbing von Bauernkindern befasst. Die Recherchen dazu zeigen, wie sehr betroffene Eltern die Ausgrenzung ihrer Kinder umtreibt und wie hilflos sie sich fühlen, wenn nicht nur Mitschüler, sondern sogar Lehrer zu Mobbingtätern werden.

Solche Vorgänge lassen einen am Sinn einer landwirtschaftlichen Kommunikation zweifeln. Doch sich von Krakeelern zum Schweigen bringen zu lassen, wäre fatal. Im Gegenteil: Wir müssen reden, heute mehr denn je. Das beginnt beim klärenden Gespräch mit dem Nachbarn und geht bis zum treffsicheren Schlagabtausch im Internet. Nicht alle Kritiker werden sich überzeugen lassen, aber manches festgefasste Vorurteil beginnt vielleicht ein bisschen zu wanken. Und damit ist schon viel gewonnen.

Und wenn Ihr Sprössling in der Schule gemobbt wird, laden Sie die kleinen Stänkerer und deren Lehrer doch mal auf Ihren Hof ein und lassen Sie Ihr Kind den neuen Trecker oder den imposanten Zuchtbullen präsentieren. Wir wollen doch mal sehen, ob Landwirtschaft dann immer noch „uncool“ ist ...

Dieser Kommentar erscheint im agrarmanager 5/2017. Hier agrarmanager-Probeheft bestellen!

Umfrage-Ergebnisse: Die Zahlen zu Mobbing von Bauernkindern

Umfrageergebnis zu Mobbing-Erfahrung von Landwirten
Umfrageergebnis zu Alter von gemobbten Kindern
Umfrageergebnisse zu Maßnahmen gegen Mobbing
Umfrageergebnisse zu Verhalten bei Mobbing
Ort an dem Kinder gemobbt werden
Person, die Bauernkinder mobbt
Betriebsausrichtung von Landwirten mit Mobbing-Erfahrung
Gründe für Mobbing gegen Bauernkinder
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