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Politik national

Kommentar: Beten für Trittin

von , am
17.09.2013

Detlef Steinert, Chefredakteur des dlz agrarmagazins, hat sich anlässlich der Bundestagswahlen mit dem Grünen Spitzenkandidaten, Jürgen Trittin, beschäftigt.

Detlef Steinert, Chefredakteur des dlz agrarmagazins © dlv
Was haben Drogenhandel und Pädophilie gemeinsam? Beides sind nach deutschem Recht Straftatbestände. Und noch eines haben sie gemeinsam: Beides sind Aspekte, die geradezu wie Kletten derzeit am Spitzenkandidaten der Grünen, Jürgen Trittin hängen.
 
Nicht, dass er derlei Vergehen selbst begangen hätte; das wissen wir nicht. Aber: Während er einen ganzen Berufstand, die Landwirte, des Drogenhandels bezichtigt, war er selbst Mittäter bei einem Wahlprogramm, das für sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern Straffreiheit gefordert hat.

Man stelle sich vor ...

Man stelle sich vor, irgendein Politiker verlangte heute die Straffreiheit für den unkontrollierten Einsatz von Medikamenten im Tierstall. Der Aufschrei wäre zu Recht verheerend. Der Politiker könnte einpacken, weil ihm in den Augen der Verbraucher nichts an deren Schutz liegt.
 
Man stelle sich weiter vor, der Chefredakteur zum Beispiel einer Tageszeitung ließe es zu, dass einer seiner Redakteure einen Beitrag platziert, in dem er Straffreiheit für die Diskriminierung von Mitbürgern mit Migrationshintergrund fordert. Der Chefredakteur könnte seinen Hut nehmen, weil er presserechtlich verantwortlich zeichnet, was in seinem Blatt erscheint - auch wenn er es selbst nicht geschrieben hat.
 
Gerne gefallen sich die Grünen darin, als Partei des moralischen Gewissens bezeichnet zu werden. Diesen Moralanspruch können sie sich spätestens jetzt abschminken - auch wenn sie es selbst angepackt haben, die Pädophilie-Vorwürfe in den eigenen Reihen aufarbeiten zu lassen. Mit es sei damals eine "falsche Position" gewesen oder "falsch verstandene Liberalität" darf sich Jürgen Trittin und seine Partei heute nicht aus der Verantwortung stehlen. Die moralische Unschuld ist dahin und die Doppelzüngigkeit, ja Bigotterie der Grünen tritt deutlich zutage.

Trittin ist presserechtlich verantwortlich

Gerade zu paradox wirkt da, dass auch die grüne Spitzenkandidatin, Katrin Göring-Eckardt ihrem Kollegen Trittin zur Seite springt. Dieser habe gar nicht gewusst, dass er presserechtlich verantwortlich für das fragliche Wahlprogramm gewesen sei. Konnte Trittin damals nicht lesen?
 
Laut Politikwissenschaftler Franz Walter habe dort nur Trittin hinter dem Kürzel V.i.S.d.P. (Verantwortlich im Sinne des Presserechts) gestanden. Oder hat Trittin einfach gar nicht genauer hingeschaut? Beide Antworten sind keinesfalls hinreichend, Trittin heute die Absolution für sein damaliges Vorgehen oder damalige Versäumnisse zu erteilen; ein Mitwirken, auch wenn nur passiv, an der Forderung verabscheuungswürdiges Handeln an Kindern zu legalisieren, kann er nicht abstreiten.
 
Wie heißt es doch in der Bibel: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein! Seine Parteikollegin Göring-Eckardt, die gleichzeitig Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ist, mag Trittin kurz vor dem Wahlsonntag in Schutz nehmen, aber sie sollte ihn als Vertreterin der Kirche auch ins Gebet nehmen, dass er nicht weiter verantwortungsbewusste Tierhalter zu Unrecht kriminalisiert, solange er selbst nicht frei von Sünde ist. 
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