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Umwelt

Kommentar zur BUND-Aktion: Populistischer Rundumschlag

von , am
02.11.2013

Vor einigen Tagen hat der BUND Deutschland seine neue Anti-"Pestizid"-Kampagne online gestellt. Eine Art Kriegsfilm in Werbespotlänge zeigt niedliche, spielende Babies, sorgfältig aufgereiht auf einem - übrigens unkrautfreien - Feld.

Catrin Hahn, Redakteurin joule © dlv
Sie schauen angstvoll auf, die Musik wird bedrohlich, die Kamera fährt in die Totale, ein Flugzeug stürzt vom Himmel und nebelt die Babies ein. Schlussbemerkung: "Pestizide - hergestellt, um zu töten". Der Wucht dieser Bilder kann sich niemand entziehen, sie wecken finsterste Assoziationen und schüren pure Angst. Der populistische Rundumschlag richtet sich gegen den herbiziden Wirkstoff Glyphosat, der im nächsten Jahr zur Wiederzulassung ansteht. Mit dem Film soll Druck auf Verbraucher, Politiker und die EFSA als zulassende Behörde gemacht werden - eine Masche, mit der der BUND offenbar gute Erfahrungen gemacht hat. Nach den Neonikotinoiden ist das gleich der nächste Wirkstoff, dem der Garaus gemacht werden soll. Erste Stimmen im EU-Parlament fordern die Einrichtung einer komplett pflanzenschutzmittelfreien Landwirtschaft in Europa. Passend zu der in einigen Gesellschaftsschichten verbreiteten fortschritts- und forschungsfeindlichen Grundhaltung gegenüber der Branche.

Bei Wiederzulassung von Glyphosat genau hinsehen

Es ist keine Frage, dass bei der Wiederzulassung von Glyphosat genau hingeschaut werden muss. Das Totalherbizid ist alt, gut erforscht und galt immer als umweltfreundlich. Das sich bei diesen Voraussetzungen die eine oder andere unnötige Indikation eingeschlichen hat, ist klar.
 
Aber mal ganz abgesehen von der ungeheuer bösartigen Verknüpfung von Pflanzenschutz und Kindermord - natürlich töten Herbizide. Das ist ihr Job. Wie auch der von Fungiziden oder Insektiziden. Antibakterielle Handseifen oder Antibiotika töten - wenn man den Begriff Leben auf Bakterien ausdehnen möchte. Ganz zu schweigen von Mückenspray, Mottenkugeln oder dem beliebten Unkraut Ex für den porentief reinen Vorgarten. Oder - ganz chemiefrei - Fliegenklatschen.

Schutz der Nahrungsgrundlage

Der Mensch schützt sich und seine Nahrungsgrundlage mit diesen Produkten, um sein gesundes und ungestörtes Dasein zu sichern. Weil er sich herausnimmt, seine Existenz und sein Wohlbefinden gegen andere Organismen zu verteidigen. Wer möchte, kann die Moral dahinter anzweifeln - der muss dann aber auch die Nerven haben, Leben und Gesundheit im Überlebenskampf aufs Spiel zu setzen. Indem er Schaderregern dabei zusieht, wie sie die Kulturpflanzen genüsslich niedermachen - und dann den kümmerlichen, mit Pilzgiften verseuchten Rest von Lagerschädlingen auffressen lässt.
 
Viele Jahrhunderte haben die Menschen ohne diesen Schutz leben müssen. Ich möchte das nicht zurückhaben. Auch die Leute vom BUND nicht, da bin ich mir einigermaßen sicher. Dennoch versuchen sie, mit dieser eklig selbstgerechten, populistischen Kampagne Stimmung gegen die Landwirtschaft zu machen. Und nicht nur das: direkt unter dem Film wird gleich auch um Spenden gebeten. Was für ein kümmerliches, unreifes Geschäftsmodell: "Bezahl mich fürs Dagegen-sein". Stellt euch vor, Landwirte würden so handeln!

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