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Digitale Welt

Kommentar: Lasst das wahre Leben toben

Tierhaltungsredakteurin Maren Diersing-Espenhorst
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Maren Diersing-Espenhorst, agrarheute
am
30.11.2017

Bevor ich morgens wach bin, liebe Leserinnen und Leser, werde ich bereits von der digitalen Welt eingenommen. Mein Smartphone ist mein Wecker. Der erste, schlaftrunkene Griff geht zu dem kleinen Gerät, um Colin Hay auszuschalten. Ja, lachen Sie nur: Ich lasse mich von der Schnulze „Waiting for my real life to begin“ wecken. Passender geht es doch nicht, oder?

Ein bisschen fies

Mein Handyklingelton ist übrigens „Basket Case“ von Green Day. Die erste Songzeile lautet: „Do you have the time to listen to me whine”. Grob übersetzt: „Hast Du Zeit, Dir meine Heulerei anzuhören.“ Ich halte das für einen perfekten Rufton – und ja, es ist ein bisschen fies.

Mails, Melkroboter und Co.

Damit ist das digitale Leben lange nicht zu Ende: Ich checke das Wetter online, lese die ersten Nachrichten, schreibe einige Zeilen über irgendeinen Messenger und überfliege meine Mails, alles bevor ich den ersten Kaffee getrunken habe.

Bin ich verrückt? Wie ist es bei Ihnen? Checken Sie auch als Erstes das Wetter? Bei vielen Landwirten ist es so. Danach werden E-Mails kontrolliert und dann vielleicht noch die Listen der Melkroboter oder Tränkeautomaten.

Schöne Adventszeit

Diese Errungenschaften machen unser Leben bequemer – und hektischer. Ich bin selber schuld. Ich mache schließlich mit – um nichts zu verpassen, nicht abgehängt zu werden, dabei zu sein. Aber ich sage Ihnen: Ich freue mich auf die Feiertage. Dann lege ich das Handy weg und genieße die Ruhe. Na gut, ruhig wird es bei meiner Familie nie, aber wenigstens ist es das wahre Leben, das um mich herum tobt! Ihnen wünsche ich das auch: eine ruhige Weihnachtszeit, Freude miteinander und ein frohes neues Jahr!

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