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Wirtschaft

Kommentar: Der Milchmarkt funktioniert

Externer Autor
am
07.10.2015

Die Verknappung des Angebotes bei der Milch führt zu steigenden Preisen, die hoffentlich auch bald beim Landwirt ankommen. Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur vom agrarmanager, ist optimistisch.

Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarheute
Endlich kommen positive Signale vom Milchmarkt: Die Exportpreise für Milchprodukte haben auf der internationalen Handelsplattform GlobalDairyTrade einen Riesensprung nach oben gemacht. Sollte sich der Aufwärtstrend verstetigen, dürfte sich davon bald auch etwas im Geldbeutel der Milchviehhalter bemerkbar machen.
 
Der rasante Preisanstieg am Weltmarkt zeigt, dass die Marktmechanismen bei der Milch greifen. Begründet wird die Preishausse nämlich mit der Verknappung des Angebotes in Neuseeland und der Drosselung des Exportangebots. Gleichzeitig ist die Nachfrage internationaler Einkäufer nach Milchpulver und Käse angesprungen.

"Discounter nur scheinbar bauernfreundlich"

Aus Deutschland erreichte die Branche Mitte September eine weitere positive Nachricht: Der Discounter Lidl hebt seine Einkaufspreise für Trinkmilch um 5 Cent pro Liter an. Damit setzte er den Erzrivalen Aldi gehörig unter Zugzwang. Keine Frage, das ist ein schöner Erfolg für DBV-Präsident Joachim Rukwied, der die Gespräche mit Lidl zur Chefsache gemacht hatte. Die Einkaufspolitik der Discounter ist aber nur scheinbar bauernfreundlich geworden. In der Zentrale der Handelsriesen hat man lediglich die Zeichen vom Weltmarkt gedeutet und stellt sich PR-wirksam auf ohnehin steigende Molkereiabgabepreise ein.

Keine Mehrheit für "Quote durch die Hintertür"

Machen wir uns nichts vor, die Milcherzeuger haben noch eine längere Durststrecke vor sich. Die von den EU-Agrarministern bewilligten 500 Mio. Euro sind angesichts der massiven Finanzprobleme auf den Höfen kaum der Rede wert. In dem Hilfspaket ist wohlweislich kein Budget für angebotsreduzierende Maßnahmen vorgesehen, wie sie mit Vehemenz der BDM fordert. Denn auch in Brüssel weiß man, dass eine einseitige Mengenreduzierung im Krisenfall eine Abkopplung der EU vom Weltmarkt voraussetzen würde. Selbst glühende Anhänger einer solchen "Quote durch die Hintertür" werden einräumen müssen, dass sich für eine neuerliche Abschottung der EU kaum politische Mehrheiten organisieren lassen.

TTIP bietet auch Chancen für die Milchwirtschaft

Die Zeichen stehen auf Handelsliberalisierung, nicht auf Abriegelung. Die Verhandlungen zum transatlantischen Freihandelsabkommen gehen in die heiße Phase, was TTIP zum Titelthema der Oktoberausgabe des agrarmanagers macht. Bei allen Risiken und Neben­wirkungen böte TTIP gerade für die europäische Milchwirtschaft Chancen, den kaufkräftigen US-Markt besser zu erschließen und sich damit unabhängiger von un­sicheren Kantonisten wie China oder Russland zu machen.
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