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Wirtschaft

Konferenz zur Welternährung: 'Agrarromantik fehl am Platz'

pd/Rebecca Kopf
am
22.03.2014

Berlin - Wie können neun Milliarden Menschen ernährt werden? Die Welternährungskonferenz von Grain Club und F.A.Z.-Forum suchte Antworten. Der Schlüssel ist eine moderne Landwirtschaft.

Zur Sicherung der Welternährung gehört eine funktionierende Infrastruktur. © kede/aboutpixel
Die Weltbevölkerung wächst. In Berlin suchten am Donnerstag der Grain Club und das Forum der Frankfurter Allgemeinen (F.A.Z.) Antworten auf die Fragen: "Wie können auf unserer Erde bald neun Milliarden Menschen ernährt werden? Können die natürlichen Ressourcen bei Anbau und Verarbeitung tatsächlich geschont werden, wenn gleichzeitig Millionen vom Hungertod bedroht sind?"
 
Der neue Bundesagrarminister Christian Schmidt setze sich auf der Konferenz "Ernten, Handeln, Weiterdenken: Wie kann die Welt ernährt werden?" vor Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft für die moderne Landwirtschaft ein. Er hielt seine erste Grundsatzrede zur Bekämpfung von Armut und Hunger in der Welt.

Kleinbauern vor Ort fit machen

Nach Ansicht des Grain Clubs ist der Schlüssel zur Sicherung der Welternährung eine produktive Landwirtschaft vor Ort. Dazu gehöre eine funktionierende Infrastruktur als Voraussetzung für Marktzugang und Agrarhandel. "Agrarromantische Vorstellungen sind fehl am Platz", betonte Prof. Matin Qaim, Lehrstuhl für Welternährungswirtschaft und ländliche Entwicklung der Georg-August- Universität Göttingen.
 
Bundesagrarminister Christian Schmidt unterstrich die Schlüsselfunktion der Landwirtschaft. Das Kleinbauerntum in Entwicklungsländern könne nicht per se zum Leitbild erklärt werden. "Und das heißt, dass man Bauern stärken muss, Landrechte stärken muss und verschiedene andere Dinge - neue Technologien, Produktionsmittel - und nicht so tun kann, als ob man die Welt ernähren könnte mit den romantischen Vorstellungen von vor 200 Jahren." Vielmehr gelte es, Kleinbauern vor Ort fit für den Markt zu machen.
 
Durch globale Partnerschaften könne das deutsche Agribusiness hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten, von dem beide Seiten profitieren. Genossenschaften können einen Modellcharakter auch für Entwicklungsländer haben. "Wo Genossenschaften sich in besonderer Weise bewähren, das ist in Afrika", sagte Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes. Dieser weiter: "Zum Beispiel, weil wir dort mit unserer Rechtsform der Genossenschaft erst einmal die Struktur schaffen, damit Landwirte erfolgreich Landwirtschaft betrieben können. Und dazu sind wir auch bereit, mit zu investieren."

'Industrieländer müssen Konsum hinterfragen'

Deutlich wurde zudem, dass Schwarz-Weiß-Malerei zu häufig den Blick auf die Kernprobleme der Welternährung verstellt. Hunger sei ein Verteilungs- und mit Blick auf Vor- und Nachernteverluste in Entwicklungsländern und Lebensmittelverschwendung in Industrienationen auch ein Mengenproblem. Das macht laut Grain Club deutliche Ertragssteigerungen durch Innovationen beispielsweise in Form moderner Produktionsmethoden erforderlich.
 
"Um die Welt zu ernähren braucht man vor allen Dinge neue Pflanzen, die produktiver sind, die auf die speziellen klimatischen Bedingungen vor Ort eingehen. Und da kann man mehr erreichen als durch Dünger", sagte Wilhelm Thywissen, Präsident des Verbandes der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID) in Berlin. Eine andere Perspektive brachte die mexikanische Botschafterin und UN-Beraterin ein. I.E. Patricia Espinosa Cantellano betonte: "Es geht um die Entwicklung nicht nur der unterentwickelten Länder oder Schwellenländer, sondern um die der ganzen Welt." Auch die Industrieländer müssten ihre Konsum- und Verhaltensmuster kritisch hinterfragen.

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