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Umwelt

Konkurrenz um den Hektar

von , am
19.05.2011

München/Berlin - Straßen- und Siedlungsbau, Platzbedarf für Nawaro - Konkurrenz für landwirtschaftliche Produktionsflächen. Das beschäftigt DBV und Bayerns Landwirtschaftsminister Brunner.

Clearfield Raps stand im Jahr 2014 auf 26.000 Hektar © Moonlight/aboutpixel
16 Hektar landwirtschaftliche Produktionsfläche fallen in Bayern täglich dem Bau von Straßen und Siedlungen zum Opfer. Deutschlandweit sind es täglich rund 95 Hektar. Alleine durch den Verlust von rund 800.000 Hektar durch Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen (1992-2009) fehlt nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes in Deutschland alle zehn Jahre eine komplette Getreideernte. Gleichzeitig wächst stetig der Flächenbedarf für die Erzeugung von Nahrungsmitteln sowie Biomasse für erneuerbare Energien.
 
"Wir brauchen ein intelligentes Flächenmanagement, das sinnvolle Siedlungs- und Erschließungsmaßnahmen, Lebensmittelversorgung, Energieproduktion und Naturschutz unter einen Hut bringt", sagt der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner. Um zu praktikablen, ausgewogenen Lösungen zu kommen, will er alle Betroffenen ins Boot holen: Politik, Kommunen, Grundbesitzer, Naturschützer, Wirtschaft und Wissenschaft. 
 
Sie sollen am 7. Juni beim Fachkongress mit dem Thema "Entziehen wir unserer Lebensgrundlage den Boden" Lösungsansätze für einen schonenderen Umgang mit der wertvollen Ressource Boden diskutieren. Nach Ansicht Brunners besteht dringender Handlungsbedarf nicht allein bei den Infrastrukturmaßnahmen selbst, sondern auch bei den dafür zu leistenden Ausgleichsflächen und Ersatzmaßnahmen.

DBV fordert Schutzprogramm für landwirtschaftliche Nutzflächen

Das Präsidium des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hat ein "Schutzprogramm für landwirtschaftliche Nutzflächen" gefordert. In einer Erklärung fordert das Präsidium, Acker und Grünland zu schützen. Fortschritte bei der Reduzierung des Flächenverbrauchs durch Bautätigkeiten seien kaum erkennbar, kritisier der Verband.
 
Es bestehe die Gefahr, dass die Landwirtschaft die anstehenden Herausforderungen der Versorgungssicherheit bei Nahrung und Energie dauerhaft nicht meistern könne. Eine wachsende Weltbevölkerung und die Abkehr vom Verbrauch fossiler Rohstoffe haben einen rasant wachsenden Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten auf begrenzter landwirtschaftlicher Nutzfläche zur Folge. Gleichzeitig schränkten steigende Umweltanforderungen die Bewirtschaftung auf den verbleibenden landwirtschaftlichen Flächen zunehmend ein. Die Ausweisung von Schutzgebieten im Natur- und Gewässerschutz nehme tendenziell weiter zu.

Verband legt 5-Punkte-Plan vor

Im Einzelnen fordert der Deutsche Bauernverband:
  • Einführung einer wirksamen Schutzklausel für landwirtschaftliche Nutzflächen in einem novellierten Landwirtschaftsgesetz.
  • Reduzierung des Flächenverbrauchs durch die konsequente Umsetzung des Prinzips "Innenentwicklung vor Außenentwicklung" bei Siedlungsmaßnahmen sowie "Ausbau vor Neubau" bei Verkehrswegen. Die Instrumente der Städtebau- und Eigenheim­förderung müssen auf die Nutzung innerörtlicher Potenziale fokussiert werden.
  • Priorisierung des Schutzes landwirtschaft­licher Flächen im Rahmen der Bauleitplanung und der Naturschutzkompensation. Agrarstrukturelle Belange und Flächenschonung müssen anderen Belangen im Rang vorgehen. Der Ausgleich für Eingriffe durch Bautätigkeiten muss vorrangig durch Entsiegelung, alternativ durch flächenneutrale Maßnahmen (Pflege und Aufwertung vorhandener Biotope, produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen) erfolgen. Auch die von der Regierungskoalition bei der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung zugesagte Gleichstellung des Ersatzgeldes mit Kompensations­maßnahmen muss jetzt in diesem Sinne tatsächlich umgesetzt werden.
  • Für die, dem Netzausbaubeschleunigungsgesetz unterliegenden Leitungstrassen muss die bestehende Ausgleichsregelung außer Kraft gesetzt werden.
  • Die Förderung von großvolumigen Biogasanlagen im Erneuerbare Energiengesetz muss drastisch reduziert werden, um den Zugriff der Bauern auf die Flächen nicht zu gefährden. Bei der Anwendung des Grundstücksverkehrsgesetzes muss dieses Ziel ebenso sichergestellt werden.
 
Der Fachkongress zum Thema "Entziehen wir unserer Lebensgrundlage den Boden" findet am 7. Juni in der Münchner Residenz statt. Detailinformationen zum Ablauf und zur Anmeldung gibt es im Internet unter www.landwirtschaft.bayern.de. Die Teilnehmerzahl ist auf 200 begrenzt. Anmeldeschluss ist der 27. Mai.
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