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Politik EU

Kroatien: Das neue EU-Mitglied

von , am
02.07.2013

Zagreb/Brüssel - Am späten Sonntagabend hat Kroatien mit einem Festakt in der Hauptstadt Zagreb den Beitritt zur Europäischen Union gefeiert. Die hiesige Landwirtschaft ist von Klein- und Kleinstbetrieben geprägt.

Kroatien ist in weiten Teilen ein sehr karges Land. Im Bild: Die vorgelagerte Inselgruppe Kornaten. © Ziegler/agrarheute.com
Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Vizepräsidentin Viviane Reding sowie europäische Staats- und Regierungschefs waren am Sonntag in Zagreb dabei, um das 28. Mitgliedsland der Europäischen Union zu begrüßen.
 
"Kroatiens Beitritt zur Europäischen Union ist ein historisches Ereignis, das das Land wieder zu seinem angestammten Platz im Herzen Europas zurückführt. Ich freue mich auf seinen Beitrag. Dies wird eine Erfolgsgeschichte zum Wohle der Union, der kroatischen Bevölkerung und Südeuropas als Ganzes", erklärte Barroso.
 
Der bisherige stellvertretende Premierminister Kroatiens, Neven Mimica, trat gestern sein Amt als EU-Kommissar für Verbraucherschutz an. Das neue EU-Land wird zudem mit zwölf Abgeordneten, die im April gewählt wurden, im Europäischen Parlament vertreten sein und sieben Stimmen im Rat haben.

Viele Kleinbetriebe, wenig marktbeherrschende Großbetriebe

Die Landwirtschaft Kroatiens ist geprägt von vielen Klein- und Kleinstbetrieben sowie wenigen, aber marktbeherrschenden Großbetrieben. Von den mehr als 400.000 Familienbetrieben produziert der überwiegende Teil nur für den Eigenbedarf. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Zagreb erbringen rund 190.000 Betriebe eine Marktleistung. Davon bewirtschaften etwa 7.000 dieser Höfe nahezu die Hälfte der landwirtschaftlich verfügbaren Fläche in Kroatien. Dabei handelt es sich zu einem erheblichen Teil um Pachtflächen. Der Staat ist der größte Grundeigentümer.
 
Kroatischen Schätzungen zufolge wird sich die Agrarstruktur durch den Beitritt gravierend verändern. Die Zahl der aktiven Landwirte könnte sich nahezu halbieren.

Nettoexporteur bei Getreide

Die Landwirtschaft trägt rund sieben Prozent zur Gesamtwirtschaftsleistung Kroatiens bei. Rund ein Viertel der Landesfläche wird landwirtschaftlich genutzt (1,326 Millionen Hektar), davon werden etwa 72 Prozent (%) intensiv im Acker-, Gemüse-, Obst-, Wein- und Tabakbau geführt. Die restliche Agrarfläche sind Wiesen und Weiden.
 
Getreide ist mit zirka 583.000 Hektar (ha) die bedeutendste Kultur, Kroatien ist in diesem Bereich Nettoexporteur. Auch Sojabohnen (54.000 ha), Zuckerrüben (23.500 ha) und Wein (32.485 ha) spielen eine wichtige Rolle.
 
Trotz des günstigen Klimas importiert das Land aber einen Großteil des Gemüses und ist auch bei Wein Nettoimporteur. Von den rund 58.000 ha Rebflächen werden aktuell nur etwas mehr als die Hälft genutzt.
In der Tierproduktion dominieren Rinder-, Schaf- und Schweinezucht. Etwa 48 % der Landesfläche sind mit Wald bedeckt.

Zollvergünstigung Richtung Balkanländer entfällt

Mit dem Beitritt fällt die Mitgliedschaft des Landes zum südosteuropäischen Freihandelsverein CEFTA und somit auch die Zollbegünstigungen. Über CEFTA hat Kroatien einen Großteil seiner Agrarerzeugnisse in die umliegenden Balkanländer exportiert.
 
Entscheidend wird für das Land neben den Förderungen, Einhaltung von Hygienestandards und Qualitätskriterien auch die Positionierung regionaler Produkte sein, wie etwa dem luftgetrockneten Schinken aus Dalmatien, slawonischer Salami oder Käse von der Insel Pag.
 
Österreich ist in Kroatien der bei Weitem größte ausländische Investor - noch vor den Niederlanden, Deutschland und Ungarn.
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