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Landwirtschaft und Gesellschaft

Ländliche Kriminalität: Ein düsteres Bild

Landwirt von hinten
am Mittwoch, 26.06.2019 - 05:05 (Jetzt kommentieren)

Landwirte in England fühlen sich mit der Kriminalität im ländlichen Raum allein gelassen. Das zeigt eine Studie der Harper Adams Universität aus Newport im Vereinigten Königreich.

Kreseda Smith, die Autorin des Berichts, sagt: "Die Untersuchung über die Kriminalität in landwirtschaftlichen Betrieben zeichnet ein ziemlich düsteres Bild. Aus den Gesprächen mit den Landwirten geht klar hervor, dass es so nicht weitergeht."

Rund ein Drittel der Straftaten auf den Höfen werden nämlich gar nicht erst gemeldet. Die Studie sollte nach Ansicht der Wissenschaftlerin ein Weckruf für alle sein, die eine Rolle bei der Bekämpfung der ländlichen Kriminalität spielen.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen werden von Smith auch als notwendig angesehen, um die Menschen weiterhin in der Landwirtschaft und im Agribusiness zu halten.

Polizei lässt Landwirte allein

Landwirtin

Rund 80 Prozent der Landwirte sind der Ansicht, dass die Polizei nicht genug unternimmt, um das Problem in den Griff zu bekommen, haben die Wissenschaftler herausgefunden. Das mangelnde Vertrauen in die Strafverfolgung zeigt sich auch darin, dass rund ein Drittel der Straftaten in landwirtschaftlichen Betrieben nicht der Polizei gemeldet werden.

Außerdem werden nur 40 Prozent der Schadensfälle an Versicherer weitergegeben. Auch die mangelnde Koordination bei der Meldung und Verfolgung von Straftaten durch die Polizei, von Region zu Region, ist offenbar ein Hindernis.

Dabei sind kleinere und abgelegene Farmen offenbar anfälliger für Kriminalität. Die Anwesenheit von Menschen auf den Betrieben scheint die Wahrscheinlichkeit von Kriminalität hingegen kaum zu beeinflussen.

Große Psychologische Auswirkungen

Trotz der offensichtlichen Gefahren wenden nicht alle Landwirte Abschreckungs- oder Schutzmaßnahmen an. Als Ursache für diese Zurückhaltung werden sowohl Kosten als auch der zeitliche Aufwand genannt. Dabei sind weibliche und auch jüngere Landwirte aktiver, wenn es um Sicherheitsvorkehrungen und auch um die Einholung von Ratschlägen von außerhalb der Landwirtschaft geht.

Die Studie beleuchtet außerdem die großen psychologischen Auswirkungen von Straftaten auf die Landwirte. Dazu gehört auch die Angst davor, überhaupt von Straftätern ins Visier genommen zu werden.

Diese Entwicklung untergräbt nicht nur das Vertrauen gegenüber anderen Menschen sondern auch gegenüber Freunden und führt bei vielen Landwirten zu schlaflosen Nächten. Einige Farmer werden wegen dieser Probleme sogar dazu gebracht, den Agrarsektor zu verlassen.

Landwirte: Bürger zweiter Klasse?

Landwirt

Viele Landwirte glauben außerdem, dass die Polizei sie als Bürger zweiter Klasse ansieht, sagen die Studienautoren. Das führt wiederum zu einem mangelnden Engagement für kriminalpräventive Ansätze und zu einer geringeren Anzahl von Meldungen an die Polizei. Die schlechte Kommunikation wird von den Studienautoren als Haupthindernis für eine erfolgreiche Aufklärung und Verhütung von Straftaten angesehen.

Weiter heißt es: „Die Polizei mag glauben, dass die Landwirte gegenüber Veränderungen resistent sind.“ Aber die meisten Landwirte sind sich bewusst, dass mehr getan werden muss, um Kriminalität zu verhindern. Dies führt jedoch in eine Sackgasse beim Verständnis und damit zu einem Hindernis für eine effektive Kommunikation.

Vertrauenspersonen als Vermittler

Die Autoren glauben außerdem, dass sich Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung als erfolgreiche Alternative zum „Business as usual“ im Umgang mit Straftaten in landwirtschaftlichen Betrieben erweisen könnten. Beispielsweise könnten vertrauenswürdige Personen, die auf einzelne Betriebe zugeschnittene Informationen zur wirksamen Kriminalprävention anbieten, größeren Erfolg haben als Betriebsfremde bzw. weitgehend Unbekannte.

Darüber hinaus sollten angemessenere und umfassendere Informationen der Polizei zur Kriminalprävention die Maßnahmen zum Schutz auf den Betrieben unterstützen. Die Hemmnisse zwischen den Landwirten, der Polizei und den Versicherern müssen nach Einschätzung der Studien-Autoren dringend überwunden werden. Voraussetzung dafür ist ein besseres Verständnis der Faktoren, die die Entscheidungsfindung und das Verhalten der Landwirte im Bereich der Kriminalprävention beeinflussen.

Studie: Farm-Kriminalität in England und Wales

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