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Umwelt

"Lässt Alberich die Saaten schwitzen, die Unschuldigen Kindlein im Kalten sitzen"

von , am
14.11.2009

Leipzig - Drei Tage nach Sankt Martin wird, wie im Kalender ausgewiesen, das Namensfest des heiligen Alberich von Utrecht begangen.

Es fällt in die Zeit, in der sich nach einem Ausbleiben der normalerweise während der ersten Novembertage auftretenden, als "Allerheiligenruhe" bezeichneten Schönwetterperiode sich häufig zwischen dem 13. und 22. November ein Abschnitt freundlichen Wetters einzustellen pflegt, der den Namen "Martinssommer" trägt und schon von Shakespeare beschrieben worden ist.

Der Spruch "Wenn um Allerheiligen (01.11.) das Wasser gefriert, Martin (11.11.) noch einen Hauch Sommer spürt" nimmt auf diese Schönwetterphase Bezug. Die spätherbstliche Hochdruckwitterung beschert den Bergen oft viel Sonnenschein, während sich in den Tälern mitunter der Nebel nur zögernd auflöst. Nicht umsonst heißt es: "Lässt Alberich die Sonne auf den Gipfeln lachen, will dicken Nebel er im Tale machen".

Auf mildes Wetter folgen die Schneeberge

Ist es vom 12. bis 16.11. sehr mild, wird meist die letzte Dezemberdekade unterdurchschnittlich temperiert sein. Das unterstreichen auch die Sprüche "Nimmt der Martinssommer um Alberich seinen Lauf, türmen Johannes (27.12.) und Jesse (29.12.) Schneeberge auf", "Kann Alberich den Schirm zu Hause lassen, und macht die Sonne warm den Tag, wird Frost um Stephan (26.12.) das Land erfassen und Schnee, der die Gerste zu schützen vermag" sowie "Wenn Alberich den Martinssommer bringt, um Jesse (29.12.) der Frost an den Ofen zwingt" mit Nachdruck.

Der Martinssommer lockt nochmals in den Garten 

Der "Martinssommer" bietet nochmals die Gelegenheit nach dem Rechten im Garten zu sehen. So schrieb der am Fuße des Schwarzwaldes erschienene Lahrer Hinkende Bote um das Jahr 1835: "Man setzt Endivie in den Gartenkeller, schlägt Kohlrabi, Weißkraut etc. im Garten ein, und deckt es bei einfallender Kälte zu; bedeckt die Spargel- und Artischockenländer mit viel langem Dünger, fährt fort Gelbrüben zu säen, Erbsen zu setzen...". Das Geburtsjahr des aus dem königlichen Geschlecht der Merowinger stammenden Alberich, - der Name bedeutet "Herrscher über die Elfen" -, ist unbekannt.

Alberich machte sich als Benediktinermönch einen Namen

Er machte sich als Benediktinermönch und als Prior in Köln einen Namen. Als Nachfolger seines Onkels Gregor wurde er 780 der zweite Bischof von Utrecht. Tatkräftig und erfolgreich wirkte er als Missionar der Friesen. Er starb im Jahr 784. Im Hinblick auf Alberich lautet ein auf den Hochwinter orientierender Reim: "Bellt um Alberich der Fuchs, versinkt im Januarschnee der Luchs". Dr. Jurik Müller

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