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Umwelt

Land Baden-Württemberg will verträgliche Lösung

von , am
17.02.2010

Stuttgart - Das Bienensterben im Jahr 2008 hat die Landesbehörden veranlasst, den Umgang mit gebeiztem Saatgut zu verschärfen. Die Bundesbehörden prüfen derzeit, ob Neonikotinoide als Beizmittel wieder zugelassen werden können.

Westlicher Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera virgifera) © AGES

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit lässt die Zulassung von so genannten Neonikotinoiden seit dem ruhen und hat umfangreiche, ergänzende Untersuchungen veranlasst. Sägeräte die zur Maisaussaat eingesetzt werden, waren bereits im Frühjahr 2009 so umzubauen, dass die bei der Saat entstehende Abluft auf oder in den Boden abgeleitet wird. Damit sollte ein bestmöglicher Bienenschutz erreicht werden. Die zuständigen Bundesbehörden prüfen derzeit, ob und unter welchen Voraussetzungen Neonikotinoide als Beizmittel wieder zugelassen werden können, denn Beizmittel haben wegen der geringen Aufwandmenge und gezielten Ausbringung Vorteile gegenüber anderer Pflanzenschutzmaßnahmen. Diese Wirkstoffgruppe wird bereits in Österreich und Frankreich flächendeckend in der Landwirtschaft eingesetzt. Die deutschen Behörden wollen vor einer Entscheidung zusätzlich zu Laborversuchen, Freilandversuche durchführen, um mögliche Risiken des Mitteleinsatzes für die Insekten ausschließen zu können. Dabei soll neben der Prüfung der neuen Sätechnik vor allem die Bedeutung des so genannten Guttationswassers für die Nahrungsaufnahme der Bienen geprüft werden.

Praxisrelevante Freilandversuche geplant

Derzeit fehlen Untersuchungen, ob Honigbienen unter Freilandbedingungen ihren Wasserbedarf überhaupt durch diese Guttationstropfen decken. Hierzu würden Laborversuche nicht ausreichen. Lediglich praxisrelevante Freilandversuche könnten hierbei Klarheit schaffen, teilte das Ministerium mit. Um jegliche Belange zu berücksichtigen, wollen Bund und Land eine ergebnisoffene Diskussion mit allen Beteiligten führen. So sind neben den Imkern auch die Saatguterzeuger, sowie die Experten des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg und der Landesanstalt für Bienenkunde einbezogen. Möglich wäre laut Ministerium ein Feldversuch südlich und nördlich des Kaiserstuhls. Auf einer Fläche von jeweils circa 150 Hektar könnte mit Neonikotinoiden gebeiztes Saatgut ausgebracht werden. In die Untersuchungsfelder würden Bienenstöcke eingebracht, die dann durch Bienenfachleute beobachtet und überwacht würden.

Transparentes Verfahren soll zu guter Lösung führen

In der nächsten Woche soll bei einem Expertengespräch darüber diskutiert werden, ob und wie entsprechende Versuche umgesetzt werden könnten. Eine Entscheidung sei bisher noch nicht getroffen worden. Man befinde sich noch in der Abstimmungsphase. Baden-Württemberg lege großen Wert darauf, dass klare und wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über den Einsatz von mit Neonikotinoiden gebeiztem Saatgut vorliegen, bevor die ruhende Zulassung für entsprechende Wirkstoffgruppen wieder freigegeben wird. Dies erfolge insbesondere zum Schutz der Honigbienen. Klar sei aber auch, dass durch das Auftreten des Maiswurzelbohrers und anderer Schädlinge, auf den Einsatz verträglicher Pflanzenschutzmittel nicht gänzlich verzichtet werden könne. (pd)

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