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Dorf und Familie

Landtechnik hilft Demenzkranken: Ein Traktor fürs Seniorenheim

Externer Autor
am
19.03.2015

Das Interesse für Motoren und die Landwirtschaft verschwindet im Alter nicht einfach. In Schweden erhellt nun ein Oldtimer-Traktor den Alltag von Demenzkranken.

Andernorts werden Tiere wie Hunde oder Kaninchen zur Therapie eingesetzt. Die Pfleger in einem Heim in Herrljunga in der Provinz Västra Götaland, Schweden, denken etwas unkonventioneller.
 
Wie Siv Hagengrinder, Leiterin von Hagens Demensboende, der Zeitung Dalslänningen erzählt: "Ich selbst interessiere mich auch sehr für Traktoren. Wir sind ja hier auf dem Land und fast alle haben oder hatten Traktoren. Ich auch, einen Ferguson."

Traktoren als fester Lebensbestandteil

Das Interesse für Motoren und die Landwirtschaft verschwindet nicht einfach, wenn man älter wird. Traktoren und Landmaschinen im Allgemeinen sind sehr populär in diesem landwirtschaftlich geprägten Teil Schwedens. Viele der Bewohner haben ihr Leben auf Höfen verbracht. Und gerade Landmaschinen gehörten nun einmal fest dazu. Ist beim Umzug in ein Pflegeheim all das plötzlich weg, verschlimmert das die Situation der Menschen oft noch zunehmend.

Gute Erinnerungen wecken

Indem sie einen alten Traktor vor sich haben und an ihm herumschrauben können, kommen vielleicht die guten Erinnerungen der vergangenen Zeiten wieder zum Vorschein. "Alle werden auf eine gewisse Weise wieder aufleben. Ihre Erinnerungen werden wieder geweckt. Das ist genau so, als würden sie wieder aufwachen", meint Pflegerin Agneta Ring. Der Traktor soll die Lebensfreude zurückbringen.

David Brown Traktor

Der alte Traktor, ein David Brown 31 D von 1957, gebaut in England, ist ein regelrechtes Kleinod. Gefunden haben ihn Pfleger und Bewohner auf einer gemeinsamen Suche im Internet. Agneta Ring berichtet im schwedischen Radio: "Wir haben ihn in Bengtsfors an der norwegischen Grenze abgeholt".
 
Auch der Verkäufer Robin Johansson freut sich über die schöne Verwendung seines Traktors: "Es hätte wirklich nicht besser kommen können. Hier haben eben fast alle alten Menschen eine Verbindung zu Traktoren."

Gemeinsam Schrauben

Nun soll das Fahrzeug also von den Bewohnern sowie dem Pflegepersonal in gemeinschaftlicher Arbeit wieder hergerichtet und auf Vordermann gebracht werden. Der Rost muss ab und eine rote Farbe drauf. Das richtige Werkzeug und eine Tanksäule haben die Bewohner ebenfalls bereits besorgt.
 
Das Ganze möchte man in Zukunft weiter ausbauen. "Die Chefin hat davon gesprochen, dass wir uns vielleicht auch noch Hühner anschaffen, die draußen rumlaufen", sagt Agneta Ring. Und Siv meint: "Wenn es dann eines Tages richtig warm wird, gehen wir raus, schleifen ein bisschen daran herum [...], schnappen uns Werkzeug, ein Bier und grillen Würstchen".

Ein Traktor fürs Seniorenheim

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