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Aufreger

Landwirt als Ausbeuter? Die Leser-Reaktionen zum Spiegel-Artikel

Spiegel-Artikel "Zum Wohl der Tiere"
Spiegel-Artikel "Zum Wohl der Tiere" © Julia Eder
von , am
11.01.2017

"[Landwirte] gehen mit ihrem Grund und Boden um, als wäre er ihr privates Ausbeutungsgebiet." So reagieren agrarheute-Leser auf diesen Satz.

Der Spiegel-Artikel "Zum Wohl der Tiere", der die Agrarindustrie kritisiert, wird derzeit von Landwirten diskutiert. Eine These des Artikels lautet:

"[Die Landwirte] gehen mit ihrem Grund und Boden um, als wäre er ihr privates Ausbeutungsgebiet - und nicht die Nahrungsgrundlage für alle Menschen sowie die kommenden Generationen."

Darauf gab es mehr als 50 Kommentare auf der agrarheute-Facebookseite. Wir fassen zusammen.

Unsinnigkeit der These: "Wir erhalten den Boden für kommende Generationen."

Eugen Sauter führt ironisch vor Augen, wie wenig haltbar die These der Spiegel-Autorin ist: "Alles klar, lieber "Spiegel". Weil landwirtschaftliche Betriebe ja nie von den Kindern weitergeführt werden, sondern nur kaputt gemacht werden, um den -kaputten- Boden dann mit Riesengewinnen zu verkaufen!"

Ellen Rberg sieht das genauso: "Selbst wenn sich Grund und Boden im Eigentum befindet, muss pfleglich damit umgegangen werden. Schäden der Bodenstruktur, die z.B. durch nicht zeit- bzw. sachgerechte Bodenbearbeitung entstehen können, sind noch nach mehreren Jahrzehnten nachweisbar. Damit die nächsten Generationen weiterhin gut mit unserem Ackerland arbeiten können, haben wir Landwirte die Pflicht die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten bzw. zu verbessern."

Aber Ellen räumt ein:  "Leider gibt es unter uns schwarze Schafe, wie überall... die kann man leider auch nicht wegreden."

Situation der Betriebe: "Die Landwirte selbst sind das Ausbeutungsgebiet."

Frans van Wilgen paraphrasiert die These der Spiegel-Autorin und findet vielmehr: "Die Politiker/Bürger gehen mit ihrem Landwirte um, als wäre sie ihr privates Ausbeutungsgebiet und nicht die Nahrungsgrundlage für alle Menschen sowie die kommenden Generationen ..."

Dem kann sich der Landwirtschaftlicher Betrieb Hof Cohrs nur anschließen und berichtet von der fachlichen Praxis: "Als würden wir auf unseren Flächen noch irgendetwas selbst bestimmen. Wir handeln fast ausschließlich nach Vorgaben der Politik. Diese führen unter anderem dazu, dass immer mehr Familienbetriebe mit fairer Tierhaltung aufgeben müssen, weil sie die Kosten nicht tragen können. Wir Landwirte arbeiten 365 Tage im Jahr von früh bis spät. Ja, das haben wir uns selbst ausgesucht und ja wir tun es auch gerne. Aber ohne uns Landwirte: Wie würde sich die Bevölkerung ernähren? Mit chemisch nachgebauten Lebensmitteln und Ernährungsergänzungsmitteln, um unseren Nährstoffbedarf zu decken?! Wir werden kritisiert für das Melken der Kühe und das Schlachten der Rinder. (...) - Fakt ist: Anstatt die Landwirtschaft ständig zu kritisieren und in Frage zu stellen, sollte man sich mal um die wirklichen Probleme unserer Gesellschaft annehmen!"

Medienkritik: "Hauptsache schockieren"

Peter Huber beleuchtet das Problem des Artikels auf höherer Ebene: "Der Spiegel und andere Medien gehen mit der Pressefreiheit um, als wäre es ihr privates Gut. Schreiben, was man will nur um Geld zu verdienen. Wer das, was dort steht, glaubt, ist selber Schuld. Tiere is no Business like Showbusiness."

Auch Oliver Staab kritisiert die Arbeitsweise der Publikumsmedien: "Sie lebt halt davon, dass sie mal ab und an (so etwas) an die Zeitung verkaufen kann und isst anschließend ein gutes Rumpsteak, und damit ist es doch auch wieder eine Weile gut. Who cares? Schade um die Druckerschwärze."

Jannis Culemann schließt sich dem Unverständnis an: "Irgendeine Tante kann sich so einen Schwachsinn ausdenken und damit ohne Skrupel einen ganzen Berufsstand durch den Dreck schleifen... Hauptsache der Leser ist schockiert! Verkauft sich gut."

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