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Dorf und Familie

Landwirte in der Gesellschaft: Mittendrin oder am Rand?

ez/agrarheute
am
04.07.2011

München - Wie verankert fühlen sich Landwirte in der heutigen Gesellschaft? Was läuft gut, wo hakt es? Wir sind der Frage nachgegangen.

Die jüngste Umfrage auf agrarheute.com zeichnet ein wenig erfreuliches Bild. Lediglich acht Prozent der Teilnehmer empfinden ihr Ansehen in der Gesellschaft als positiv.
 
Dem gegenüber stehen 36 Prozent, die angeben, dass es der Gesellschaft am Verständnis für die Landwirtschaft mangelt. Eine Tatsache, die der Einschätzung unserer Umfrage-Teilnehmer zufolge nicht immer so war. Immerhin 28 Prozent gaben nämlich an, dass der Agrarbereich früher einen höheren Stellenwert hatte. Verantwortlich dafür sind nach Ansicht von 17 Prozent auch die Skandale der letzten Jahre - BSE, MKS, Vogelgrippe und EHEC haben ihre Spuren hinterlassen. Dass eine bessere Kommunikation nach außen daran etwas ändern würde, bezweifeln offensichtlich viele der Umfrage-Teilnehmer: Lediglich elf Prozent gaben an, dass die Landwirtschaft verstärkt den Dialog suchen sollte.

Verständnis für die nicht-landwirtschaftliche Bevölkerung

Auch in der landlive-Community haben wir nachgefragt. Wir wollten wissen, wie es Landwirten im Umgang mit der Bevölkerung geht, wie akzeptiert sie sich fühlen und wo die größten Konfliktpunkte liegen. Fragen, die - betrachtet man die lebhafte Debatte - offenbar auch die landlive-User umtreibt. 

Hin und her ging es beim Thema Gülle. Den Erfahrungen Ziegenpeters zufolge endet das Verständnis, sobald Kompromisse gemacht werden müssen: " Zum Beispiel wenns um die Ausbringung von Gülle und anderen Wirtschaftsdüngern kommt oder die Ernte ansteht, so dass viele Wege voll mit Gespannen sind. Sorry, wenn man auf dem Land leben will, MUSS man das aushalten und auch damit rechnen."
 
Ganz so einfach sahen es viele andere landlive-User nicht. Sie plädierten beispielsweise dafür, Gülle nicht unbedingt am Wochenende auszubringen. nurich meint: "Es gibt in vielen haushalten einen kalender ich denke das kaum jemand das WE vergisst wenn mal die gülle nicht generell freitag/samstag ans wohngebiet gefahren wird. Man sollte halt mal versuchen sich in die Situation der anderen zu versetzen, die ihre freizeit auch genießen wollen, wie wohl auch Bauern ihre freie zeit genießen wollen."

Zu wenig Wissen über die Landwirtschaft

Viele stellen fest, dass es der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung, vor allem in den Städten, an Wissen mangelt. Genau das beschreibt frisolde: "'Die meisten Leute wissen doch gar nicht was in der Landwirtschaft eigentlich passiert und wofür ihr so viel Geld vom Staat kriegt'. Diesen Satz habe ich wort-wörtlich heute früh im Wartezimmer zu hören bekommen, von einem Mittdreißiger. Ich mußte ihm Recht geben, wer bringt die Abläufe in der Landwirtschaft in die Gesellschaft? Als einzelner Landwirt kann ich nur mit wenigen Menschen über die Leistungen der Landwirtschaft kommunizieren und Interesse und Verständnis wecken."
 
Auch Arcus bemängelt fehlendes Wissen um den Agrarbereich: "Die Menschen denken noch sehr einfach über die Landwirtschaft. Gerade in Bezug auf die Technisierung und den Aufwand der LW für die Umwelt ist das Wissen sehr gering. Davon dass viele Stadtmenschen eine Kuh nicht mehr von einem Pferd unterscheiden können, brauchen wir nicht reden. Die Leute denke über Bauernhöfe genauso wie über Schuhfabriken. Über die Bedeutung für die Bevölkerung ist da wenig bekannt. Die normale Dorfbevölkerung steht (zumindest in meinen Regionen) hinter der Landwirtschaft. Das sieht man bei Hof- oder Dorffesten, oder einfach daran, dass die Leute abends am Feldrandstehen, dich beobachten und freundlich grüßen. Wenn man sie noch eine Runde mitnimmt, dann freuen sie sich auch noch. Dabei spielt es auch keine Rolle ob es der 20ha Betrieb ist, oder der 2000ha Betrieb... 'Entfremdet' ist es wirklich, wenn man in die Städte geht... selbst in kleinere."

Leistungen der Landwirtschaft besser darstellen
 
Doch was tun, wenn in der Öffentlichkeit zu wenig über die Landwirtschaft bekannt ist? Auch damit haben sich die landlive-User beschäftigt. frisolde schlägt beispielsweise vor, in kleinen, regelmäßigen Veröffentlichungen über Arbeit und Situation der Landwirte zu berichten. "Hin und wieder ein Bericht eines rhetorisch geschulten Landwirts zu den gerade anstehenden Arbeiten auf Feldern und Wiesen wecken sicherlich Verständnis bei manchem Verkehrsteilnehmer, lassen vom Güllegeruch irritierte Nase zusammen mit dem Landwirt auf Regen hoffen ..."
 
Mim findet, dass Landwirtschaft tatsachengetreuer dargestellt werden müsste und spricht sich deshalb für eine "Ent-Täuschung der Gesellschaft" aus. "'Bäuerliche Landwirtschaft' hat man im Urlaub erlebt (der Hof der so klein ist das er eben Ferienwohnungen als Standbein braucht), Kalender auf Amazon die Tiere (ohne Ohrmarken) auf der grünen Wiese zeigen, Messeplakate wo ein Ferkel (ohne Ohrmarken) auf der grünen Wiese läuft (was hat es da verloren?!) ... Selbst das Mouse-Pad der Futtermittelfirma zeigt Ferkel in Wiese/Stroh/ohne Kastenstand! Da kann man nur ent-täuscht sein, wenn man die 'Realität' in Kastenstand & Vollspalten sieht, nimmt die Realität dann einfach als 'schlimm' war und nicht als 'normal'."
 
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