Login
Politik national

Landwirte sehen sich beim Tierschutz ungerecht behandelt

von , am
24.05.2011

Berlin - Die deutsche Landwirtschaft fühlt sich beim Thema Tierschutz derzeit ungerecht behandelt. Kritik an der Landwirtschaft habe es immer gegeben, aber nicht in der gegenwärtigen Qualität.

© Mühlhausen/landpixel
So äußerte sich der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), Franz-Josef Möllers, im „Aktuellen Interview“ der Maiausgabe der Deutschen Bauern Korrespondenz (dbk). Er sagte weiter: „Die Kritik ist häufig unsachlich und verletzt mich und meine Berufskollegen in unserer Ehre als Tierhalter.“ Jeder Landwirt sei auch Tierschützer. Zudem liege Tierschutz im ureigensten Interesse jeden Tierhalters, denn wenn es den Tieren gut gehe, würden sie auch gute Leistungen bringen, betont Möllers. Ganz offenkundig vollziehe sich in der Gesellschaft ein Wandel.
 
Dabei biete der Bewusstseinswandel vieler Bürger, stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden zu werden, auch Chancen. Nach Ansicht Möllers kann das für die Landwirtschaft nur heißen, die eigenen Leistungen und Forderungen besser zu kommunizieren und aktiver als bisher den Dialog mit der Gesellschaft zu suchen. Keinesfalls akzeptabel seien indes neue Auflagen in der Tierhaltung, die allein dazu dienten, populistischen Forderungen entgegenzukommen. „Auch deshalb benötigen wir dringend eine Kommunikation der Wertschöpfungskette Fleisch für unsere Interessen, aber auch über alle Stufen der Lebensmittelproduktion und -verarbeitung bis hin zum Lebensmitteleinzelhandel“, mahnt Möllers. Die vielen Vorzüge moderner Fleischerzeugung müssten der Öffentlichkeit besser erläutert werden als bisher.

DBV: Mainstream läuft gegen uns

Der DBV-Vizepräsident appelliert an den Berufsstand, möglichst umgehend die Diskussion zu suchen und zu führen. „Der öffentliche Mainstream läuft gegen uns. Es ist besser, wenn wir reden, als dass andere über uns reden“, so Möllers. Bezogen auf die gesellschaftlichen Ansprüche an eine zukunftsfähige Tierhaltung betont er, dass es in einem gemeinsamen EU-Binnenmarkt von überragender Bedeutung sei, dass vergleichbare Gesetzesstandards in der gesamten Gemeinschaft bestünden und auch Drittlandsimporte diese Bedingungen erfüllten. DBV-Pressesprecher Dr. Michael Lohse unterstreicht in einem Schwerpunktbeitrag ebenfalls, dass die Tierhalter angesichts der veröffentlichten beziehungsweise öffentlichen Stimmung zum Tierschutz in deutschen Ställen, zum Fleischkonsum, zu vermeintlicher Massentierhaltung und Industrialisierung die Öffentlichkeitsarbeit zur Tierhaltung in Deutschland umgehend verstärken müssten. Akzeptanz für die Tierhaltung werde nicht durch Schweigen oder Handeln im Nachhinein erreicht. Vielmehr sei in der Öffentlichkeitsarbeit jeder, der einen Stall habe, besonders gefordert, meint Lohse.
 
Während Wirtschaftspsychologe Carl Vierboom in der dbk den Tierschutz und seine Emotionen beschreibt, erläutert Prof. Jörg Hartung von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover den gezielten Forschungsbedarf, um die Lebensqualität der Nutztiere zu verbessern. Dies wird beim Verbraucher nach Meinung Hartungs schließlich zu einer breiten Akzeptanz gegenüber der Tierhaltung führen. Roger Fechler, Referatsleiter Tierische Erzeugnisse beim DBV, stellt die Auswirkungen des intensiv diskutierten Themas „Tierschutz“ auf gesetzgeberische Verfahren dar.
Auch interessant