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Ratschläge erfahrener Landwirte

Landwirte teilen ihre Weisheit: "Was ich mit 18 gerne gewusst hätte…"

Ein älteres Landwirtsehepaar auf einem Feld
am Samstag, 19.06.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die Weisheit des Alters teilen Landwirtinnen und Landwirte in einer britischen Reportage. Sie erzählen, was sie rückblickend mit 18 gerne gewusst hätten.

Das britische Magazin Farmers Weekly hat seine Leser im Rahmen der Reportage „Was ich mit 18 gerne gewusst hätte“ gebeten, ihre Erkenntnisse und Weisheiten über die Landwirtschaft mit anderen zu teilen. Die Landwirtinnen und Landwirte blicken nun, im Rentenalter, auf ein langes, erfülltes Leben zurück, in dem sie einiges gelernt haben.

Besonders gut gefallen haben den Redakteuren folgende Einsendungen.

Landwirt Chris Simpson aus Gloucestershire

Chris Simpson beendete 1963, im Alter von 18 Jahren, seine Ausbildung zum Landwirt. Für ihn war klar - Landwirtschaft sollte sein Leben werden. Er fand jedoch keine Arbeit, die halbwegs vernünftig bezahlt wurde. Also musste er sich umorientieren und wurde Justizvollzugsbeamter. Er verdiente gut und konnte Stück für Stück kleine Flächen pachten. Mit der Hilfe von zwei Landwirten baute er allmählich seinen eigenen Tierbestand auf. Auch seine Frau teilte die Leidenschaft für die Landwirtschaft und im Alter von 35 Jahren wurde den beiden dann endlich die Übernahme eines Betriebs angeboten. Ihr Traum war wahr geworden.

Die Weisheiten von Landwirt Simpson

Landwirt Simpson erzählt jedoch auch, was er mit 18 gerne gewusst hätte. Hier sind seine Weisheiten und Ratschläge:

  • Es gibt Landwirte da draußen, die gerne helfen - also einfach nachfragen!
  • Es macht durchaus Sinn, eine Weile außerhalb der Landwirtschaft zu arbeiten, um Kapital für den Start zu verdienen
  • Ein guter Bankberater ist unverzichtbar
  • Jede Chance ergreifen, die sich einem bietet
  • Man muss immer etwas Kapital auf der Seite haben, falls etwas Unerwartetes passiert
  • Eine gute Gesundheit, eine tolle Frau und liebe Kinder sind Gold wert
  • Jeden Morgen, bevor der Tag beginnt, sollte man einen kurzen Gesundheits- und Sicherheitscheck durchführen. Eine visuelle Überprüfung des Arbeitsbereichs und der Maschinen kann Unfälle vermeiden
  • Und vor allen Dingen: Wenn sich jemand für die Landwirtschaft interessiert, sollte man später im Leben auch anderen Hilfestellung anbieten. Schließlich hätte man es selbst - ohne Unterstützung und eine führende Hand - auch nicht geschafft.

Landwirt Ian Johnson aus Cambridgeshire

Auch Landwirt Ian Johnson erzählt von seinen Weisheiten des Lebens und erklärt: „Ich wünschte, ich hätte gewusst, wie gut es früher war! Solange der Traktor Wasser, Öl und Diesel hatte, lief er den ganzen Tag. Selbst wenn die Batterie leer war, konnte man ihn einfach anwerfen. Man arbeitete den ganzen Tag lang, ohne eine Disco-Lightshow aus Warnleuchten auf dem Armaturenbrett und fragwürdiger Musik aus verschiedenem Summen oder Piepen. Wenn man eine Panne hatte, war sie genau in der Zeit repariert, die man heute braucht, um den Laptop einzustecken, der einem dann wiederum sagt, was denn kaputt "sein könnte"."

Landwirtschaft früher: Keine Sorge um Milchpreise

"Man musste sich keine Gedanken darüber machen, an wen man die Milch verkaufen kann oder welchen Preis man dafür bekommen würde. Das Milk Marketing Board holte sie ab und die Landwirte bekamen alle den gleichen Preis. Die größte Sorge war, ob das Mädchen, mit dem man am letzten Wochenende auf dem Jungbauernfest gesprochen hatte, auch an diesem Wochenende wieder da sein würde. Man hatte keine nicht-landwirtschaftlichen Nachbarn, die mehr über Landwirtschaft wissen als man selbst. Wenn etwas gestohlen wurde, kam die Polizei und hatte Verständnis, anstatt dich wie einen Kriminellen zu behandeln."

Landwirt Johnson zieht ein etwas düsteres Fazit und gibt als seine Weisheit des Alters an: „Mein Großvater sagte mir immer, dass die Landwirtschaft noch nie so gut gewesen sei, und wie recht er hatte.“

Landwirtin Mavis Lewis aus Staffordshire

Landwirtin Mavis Lewis erzählt: „Ich wünschte, ich wäre organisierter gewesen und hätte die Dinge an den richtigen Platz gestellt. Ich wäre nicht ständig in der Werkstatt über Gerümpel gestolpert. Ich habe gelernt, Morgens die Dinge aufzuschreiben, die tagsüber anstehen und, wenn eine große Entscheidung zu fällen war, erst einmal darüber zu schlafen, damit der Kopf klar wird.“

Ganz wichtig sei es auch, immer ruhig zu bleiben. Ihr Vater habe damals Recht gehabt, dass es nur drei Dinge gebe, die man zum Überleben braucht: Ein Dach über dem Kopf, Nahrung und Kleidung, die einen warm hält. Lewis erklärt weiter und meint zu ihrer Weisheit des Alters: „Ich schaue heute auf mein Leben zurück und erkenne, dass selbst das, was ich für große Probleme hielt, sich stets gelöst hat. Wann immer es mir schlecht ging, ging ich mit den Hunden auf den Hügel, lächelte und war dankbar für die schöne Landschaft.“

 

Landwirt John Lightfoot aus Kent  

Für Landwirt John Lightfoot ist heute klar - diese Weisheit hat er gelernt: „Sieben Tage in der Woche zu arbeiten, ist wahrscheinlich keine so gute Idee.“ Er begann seine Karriere als Landwirt in den frühen 1980er Jahren, im Alter von 18 Jahren, und er wollte stets sein Bestes geben. Er nutzte die Sonntage, um das zu erledigen, was er die Woche über nicht geschafft hatte, wie Heu an Kunden zu liefern, die unter der Woche nicht erreichbar waren. Für ihn als Junglandwirt erschien das sinnvoll. Es dauerte viele Jahre, zu viele, wie er meint, bis er erkannte, dass Wochenendarbeit keine gute Sache ist.

Er erklärt: „Jetzt spiele ich Tennis und verbringe mehr Zeit mit Familie und Freunden. Natürlich muss ich mich an den Wochenenden immer noch um den Hof kümmern, aber nicht mehr jedes Wochenende. Mein Rat an mein 18-jähriges Ich und an neue Junglandwirte wäre also... habt das Selbstvertrauen, euch eine Auszeit zu gönnen und der Hof wird gedeihen, weil ihr glücklicher sein werdet!“

Mit Material von Farmers Weekly

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