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Frauen in der Landwirtschaft

Als Landwirtin in Botswana

Dimpho-Mokoka-Botsuana
am Freitag, 28.02.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die Rolle der Landwirtin ist international unterschiedlich. Wir haben Dimpho Mokoka (27) aus Botswana zu ihrer Situation befragt.

Auf was für einem Betrieb arbeiten Sie?

Ich leite zwei Betriebe. Auf dem einen züchte ich Dorperschafe sowie Simmentaler, Charolais und Brahman-Rinder. Momentan baue ich dort auch Mais und Augenbohnen auf 15 ha an. Auf der zweiten Farm züchte ich Boschveldhühner und Burenziegen. Insgesamt beschäftige ich vier Mitarbeiter. Generell versuche ich, die biologische Landwirtschaft zu kommerzialisieren, indem ich mit neuen Technologien aus der ganzen Welt arbeite.

Welches sind Ihre Hauptaufgaben auf den Betrieben?

Dazu möchte ich sagen, dass die Landwirtschaft nichts ist, was man nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang oder von Montag bis Freitag macht. Es ist eine Aufgabe, die ständig Aufmerksamkeit erfordert. Und die meiste Aufmerksamkeit muss ich organisatorischen Dingen widmen: Saatgut einkaufen, Absprachen mit Lohnunternehmern, Ohrmarken bestellen, Kalbinnen von Kühen trennen, Impfungen und sonstige Medikamente verwalten etc.

Fühlen Sie sich als Frau in der Agrarbranche akzeptiert?

Ich denke, ich wirtschafte genauso gut wie männliche Farmer. Damit das Produkt gekauft wird, muss die Qualität stimmen. Wer es produziert hat, spielt da im Endeffekt keine Rolle.

Welche Rolle spielt die Diskrepanz zwischen den Geschlechtern in Ihrem Land?

In Afrika ist es kulturell verankert, dass Wissen, Land und Macht zunächst Männern vorbehalten sind. Zum Glück gibt es in Botswana verschiedene Initiativen, die für Frauen Sprossen auf der sozioökonomischen Leiter schaffen, um uns mehr Verantwortung zu ermöglichen. Botswanas Vision 2036 mit dem Slogan “Wohlstand für alle” ist zum Beispiel eine gesetzliche Bewegung mit dem Ziel, die Republik ökonomisch, sozial und auch auf der administritativen Ebene weiterzuentwickeln.

Verdienen Sie das Gleiche wie Ihre männlichen Berufskollegen?

In der Landwirtschaft zählt die Qualität eines Produkts. Dabei spricht jedes Produkt für sich selbst: ist es qualitative hoch, bekommt man auch einen entsprechenden Preis. Meine Bezahlung ist daher von der Qualität abhängig, nicht vom Geschlecht.

Können Sie mit Ihrem Gehalt Ihre Familie ernähren?

Hauszuhalten ist für jeden einzelnen schwierig, doch wenn man es richtig angeht, reicht ein Monatsgehalt aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Halten Sie die Ausbildung von Landwirtinnen in Ihrem Land für ausreichend?

Da die Nachfrage nach Lebensmitteln hoch ist und es wenig Landwirtinnen gibt, müssen wir dafür sensibilisieren, wie wichtig es ist, dass auch Frauen im Agrarbereich arbeiten und ihren Erfolg feiern. Ermöglicht man ihnen besseren Zugang zu Information, Ausbildung und Technologie, können Frauen die Nahrungsmittelproduktion und den Konsum umgestalten, sodass Land und Ressourcen nachhaltig eingesetzt werden.

Sind Sie stolz darauf, in der Landwirtschaft zu arbeiten?

Die Betriebe geben mir viel. Ich genieße jedes bisschen davon, auch wenn die Arbeit körperlich sehr anstrengend ist. Die Entwicklung meiner Tiere zu sehen, vom Kalb über die erste Kalbung bis hin zum fünften Kalb, ist eine sehr aufregende Erfahrung. Zu wissen, dass ich die Art und Weise, wie sie aufwachsen, beeinflusse und züchterische Entscheidungen zu treffen ist nervenaufreibend, gleichzeitig macht es mich aber zufrieden. Denn so produziere ich bestmögliche Produkte.

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