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Frauen in der Landwirtschaft

Als Landwirtin in Finnland

Taru-Antikainen-Finnland
am Freitag, 07.02.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die Rolle der Landwirtin ist international unterschiedlich. Wir haben Taru Antikainen (52) aus Finnland zu ihrer Situation befragt.

Auf was für einem Betrieb arbeiten Sie?

Wir bewirtschaften einen Schweinebetrieb mit 340 Sauen und 1.500 Mastplätzen. Wir mästen etwa 6.000 Tiere pro Jahr, von denen wir rund 4.000 direkt an einen anderen Landwirt verkaufen. Zudem bewirtschaften wir 320 ha Land und 96 ha Wald. Wir produzieren Weizen, Gerste, Rübsen, Ackerbohnen und Heu. Die Rübsen verwenden wir, um eine finnische Spezialität zu produzieren: Rübsen-Fleisch oder Omega-3-Fleisch. Dieses Fleisch ist besonders zart und hat einen weicheren Geschmack. Der Fettgehalt ist der gleiche wie bei Hähnchenfleisch. Insgesamt arbeiten fünf Arbeitskräfte Vollzeit und zwei Arbeitskräfte für jeweils ein halbes Jahr auf unserem Betrieb. Darüber hinaus beschäftigen wir auch Praktikanten.

Was sind Ihre Aufgaben auf dem Betrieb?

Ich kümmere mich um die Rentabilität und das Arbeitsmanagement. Ich mache die Buchhaltung, bezahle Rechnungen und Löhne, erstelle Arbeitspläne und dokumentiere sämtliche Daten rund um unsere Tierhaltung. Außerdem gehe ich einigen Aufgaben außerhalb des Betriebs nach. Ich bin die Vorsitzende der Schweineabteilung des Zentralen Verbands für landwirtschaftliche Produzenten und Waldbesitzer (MTK) und Vizepräsidentin der europäischen Schweinehalter, Mitglied der Arbeitsgruppe für Schweine von Copa-Cogeca und Vorstandsmitglied des süd-westlichen Verbands von landwirtschaftlichen Unternehmern und Waldbesitzern.

Welche Position nehmen Sie auf dem Betrieb ein?

Mir gehören 23 Prozent des Betriebs. Meine Partner sind mein Ehemann sowie seine zwei Brüder. Der Name des Unternehmens ist Krookantila Oy.

Fühlen Sie sich als Frau in der Agrarbranche akzeptiert?

Ich fühle mich sowohl in unserem Betrieb als auch im Finnischen Bauernverband voll akzeptiert. In Finnland ist Landwirt kein hoch angesehener Berufszweig, doch ich kann keinen Unterschied feststellen, ob man eine Frau oder ein Mann ist.

Spielt die Diskrepanz zwischen den Geschlechtern in Ihrem Land eine Rolle?

Nein, ich denke nicht. Finnland ist ein Vorbild bezüglich Geschlechtergleichheit. Wir Frauen haben hier seit langem schon die gleichen Möglichkeiten wie Männer. Wir sind hochqualifiziert und entscheiden frei.

Verdienen Sie das Gleiche wie Ihre männlichen Berufskollegen?

Meine Bezahlung ist die gleiche wie die der anderen Unternehmenspartner. Und unsere Gehälter hängen natürlich vom Profit ab, den wir erwirtschaften.

Können Sie mit Ihrem Gehalt den Bedürfnissen Ihrer Familie gerecht werden?

Ja, mein Gehalt trägt einen wichtigen Anteil dazu bei. Da ich auch außerhalb des Betriebs arbeite, beziehe ich auch dort zusätzliches Einkommen. Zwar nicht viel, aber immerhin. Unseren Kindern können wir teure Hobbys und spezielle Schulen finanzieren. Ich kann mich absolut nicht beschweren, wir haben alles, was wir brauchen.

Halten Sie die Ausbildung von Landwirtinnen in Ihrem Land für ausreichend?

Tatsächlich geht der Trend in Finnland in die Richtung, dass Frauen höher ausgebildet sind als Männer. Die meisten Studenten sind weiblich und die Möglichkeiten, die einem offenstehen, sind vielfältig. Zudem bieten viele Austauschprogramme die Möglichkeit, in der EU oder auch sonst überall auf der Welt zu studieren.

Sind Sie stolz darauf, in der Landwirtschaft zu arbeiten?

Auf unserem Betrieb sind wir sehr stolz auf unsere Arbeit. Wir produzieren antibiatikafreies Omega-3-Fleisch für den finnischen und den chinesischen Markt und verzichten in der Fütterung auf Soja. Ein Teil unseres Stroms produzieren wir mit Solarenergie selbst und wir heizen mit eigenen Holzpellets. Wir erzeugen also hochwertige und gesunde Nahrungsmittel auf umweltbewusste Art und Weise, warum sollte ich da nicht stolz sein.

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