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Frauen in der Landwirtschaft

Als Landwirtin in Großbritannien

Sarah-Bell-Großbritannien
am Freitag, 21.02.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die Rolle der Landwirtin ist international unterschiedlich. Wir haben Sarah Bell (37) aus Großbritannien zu ihrer Situation befragt.

Auf was für einem Betrieb arbeiten Sie?

Meine Familie bewirtschaftet einen Betrieb mit 400 ha, Mastrindern und Schafen. Meine Eltern und mein Mann arbeiten beide Vollzeit im Betrieb, ich selbst gehe drei Tage pro Woche einem Job außerhalb der Farm nach, weil der Betrieb kein weiteres volles Einkommen abwirft. Ich bin selbstständige Beraterin und habe mich auf Wertschöpfungsketten in der Landwirtschaft spezialisiert, vor allem bezüglich Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Welches sind Ihre Hauptaufgaben auf den Betrieben?

Zusammen mit meinem Mann bin ich für den Ackerbau zuständig. Wir bauen Weizen, Gerste, Hafer, Ackerbohnen und Ackergras an. Außerdem kümmern wir uns um die Schafe. Außerdem kümmere ich mich darum, unseren Betrieb langfristig auf sichere Beine zu stellen. Der Landwirtschaft steht eine unsichere Zukunft bevor und wir planen, unseren Betrieb zu diversifizieren. Eine Idee ist zum Beispiel der Tourismus.

Fühlen Sie sich als Frau in der Agrarbranche akzeptiert?

Ja, ich fühle mich akzeptiert. Je älter ich werde, desto eher fühle ich mich akzeptiert. Ich denke, das hängt zum einen damit zusammen, dass das Selbstbewusstsein im Laufe der Jahre einfach zunimmt. Andererseits hängt es damit zusammen, dass ich mich bewusst als Landwirtin bezeichne.

Welche Rolle spielt die Diskrepanz zwischen den Geschlechtern in Ihrem Land?

In der praktischen Landwirtschaft gibt es nur sehr wenig Diskriminierung. Im vor- und nachgelagerten Bereich gibt es jedoch schon die ein oder andere Situation, wo bewusste und unbewusst diskriminiert wird. Nicht nur bezüglich des Geschlechts, sondern auch bezüglich der Herkunft oder der Sexualität. Ich finde, dass wir darüber viel mehr sprechen müssen und dass wir unsere eigenen Befangenheiten hinterfragen müssen.

Verdienen Sie das Gleiche wie Ihre männlichen Berufskollegen?

Naja, sagen wir so: Ein Grund, warum ich mein Unternehmen vor drei Jahren gegründet habe ist, dass ich das verdiene, was meine Leistung auch Wert ist. Sprich, ich habe meine Bezahlung selbst in der Hand und muss mir keine Gedanken mehr machen, ob ich wohl fair bezahlt werde.

Können Sie mit Ihrem Gehalt Ihre Familie ernähren?

Meine Selbstständigkeit als Beraterin macht uns unabhängiger von dem Einkommen, das wir mit dem Betrieb erwirtschaften. Vor dem Hintergrund der katastrophalen Aussaat im letzten Jahr ist das eine große Erleichterung.

Halten Sie die Ausbildung von Landwirtinnen in Ihrem Land für ausreichend?

Ich denke, die Ausbildung in der Landwirtschaft kann immer besser werden. Die größte Herausforderung aus weiblicher Sicht ist, die Zeit zu finden, in eigene Kompetenzen und Erfahrungen zu investieren. Außerdem sollte einer Frau, die einen Raum voll fremder Männer betritt, das Gefühl gegeben werden, willkommen zu sein. Das letzte, was man hören will sind Fragen darüber, was man hier mache oder ob man hier wohl hingehöre.

Sind Sie stolz darauf, in der Landwirtschaft zu arbeiten?

Ich bin sehr stolz darauf in einer Branche zu arbeiten, in der Frauen und Männer auf der ganzen Welt viel bewirken.

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