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Politik international

Landwirtschaft der Schlüssel für die Entwicklung Afrikas

von , am
31.08.2011

Addis Abeba - Nur mit Hilfe einer verbesserten, angepassten Landwirtschaft lässt sich langfristig der Kampf gegen den immer wiederkehrenden Hunger in Afrika gewinnen.


"Wenn sich die Krisenregionen in Afrika wirtschaftlich erfolgreich und friedlich entwickeln sollen, ist die Landwirtschaft dafür der Schlüssel", sagte der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundeslandwirtschaftsministerin, Peter Bleser bei der Geberkonferenz der Afrikanischen Union (AU) in der letzten Woche in Addis Abeba.
 
Die AU hatte zu dieser Konferenz eingeladen, um ihre Mitgliedsstaaten zur solidarischen Unterstützung von Hilfsmaßnahmen am Horn von Afrika aufzurufen. Die Bundesregierung habe zur Bewältigung der humanitären Katastrophe laut Bleser frühzeitig und kontinuierlich Hilfen in Höhe von bisher mehr als 151 Millionen Euro bereitgestellt. Die Soforthilfen zur Überlebenssicherung müssten mittel- und langfristig mit Maßnahmen der landwirtschaftlichen und ländlichen Entwicklung verbunden werden, um auf künftige Dürren besser vorbereitet zu sein und den Menschen eine wirtschaftliche Perspektive zu geben, sagte Bleser vor den afrikanischen Regierungschefs. Landwirtschaftlich gebe es ein enormes Potential in Afrika, das noch weitgehend unausgeschöpft sei.

Landwirtschaft im Mittelpunkt

Bleser besuchte die Konferenz der AU im Rahmen einer Afrikareise, die ihn nach Südafrika und Äthiopien führte. Er wurde von den Abgeordneten des Deutschen Bundestages Johannes Singhammer (CSU) und Georg Schirmbeck (CDU), von der Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe Bärbel Dieckmann sowie einer deutschen Wirtschaftsdelegation begleitet. In Äthiopien führte er Gespräche mit Premierminister Meles Zenawi, der Kommissarin für Landwirtschaft der AU, Frau Rhodea Peace Tumusiime sowie Vizelandwirtschaftsminister Mitiku Kassa. Im Mittelpunkt der Reise stand die Eröffnung des durch das Bundeslandwirtschaftsministerium geförderten landwirtschaftlichen Weiterbildungsprojekts in Kulumsa.
 
In dem Land am Horn von Afrika arbeiten rund 85 Prozent der Menschen in der Landwirtschaft. Viele kleinbäuerlich mit Betriebsflächen von teils weniger als einem Hektar. 12,5 Millionen Hektar Ackerfläche werden bewirtschaftet - das Potenzial liegt bei 50 Millionen Hektar. Um mitzuhelfen, das brachliegende Land nutzbar zu machen, legte das deutsche Landwirtschaftsministerium im Rahmen der Afrikareise den Grundstein für ein Agrarausbildungszentrum. Rund zwei Millionen Euro werden vom Bund in das Projekt investiert.

Ausbildung im Blickpunkt

In Kulumsa, rund 200 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Addis Abeba sollen künftig äthiopische Fachkräfte in modernen landwirtschaftlichen Produktionsverfahren, der Maschinenanwendung und in der Unternehmensführung geschult werden. Technisches und fachliches Know-How stellen acht namhafte Unternehmen, darunter Bayer Crop Science und AGCO. Da im Moment nur eine Million Hektar der landwirtschaftlichen Nutzfläche teilmechanisiert sind, liegt auch hier Potenzial für die deutschen Unternehmen.

Mehr als 80 Prozent der äthiopischen Ausfuhren sind landwirtschaftliche Produkte. Deutschland ist der wichtigste Exportmarkt, den Löwenanteil der 108 Millionen Euro macht Kaffee aus. Der landwirtschaftliche Sektor weist in den letzten Jahren Wachstumsraten von acht Prozent auf, soll aber noch deutlich zulegen. Auch um Hungersnöten wie im Moment im Süden des Landes besser vorbeugen zu können.

Chancen für beide Seiten

Zum Ende des Besuchs empfing der äthiopische Regierungschef Meles Zenawi die deutsche Delegation und diskutierte über eine Stunde lang über die Zusammenarbeit der beiden Länder. Premierminister Zenawi unterstrich die Bedeutung der bestehenden wirtschaftlichen Kooperation mit Deutschland und hob insbesondere das Interesse am Ausbau der Zusammenarbeit im Bereich Aus- und Weiterbildung sowie im Bereich erneuerbare Energien hervor.
 
Äthiopien unternehme große Anstrengungen zur Wiederaufforstung, die zum Klimaschutz und zur Erneuerung von Biomasse für die energetische Nutzung beitragen soll. Er zeigte sich besonders interessiert an den deutschen Know-how im Bereich der nachhaltigen Forstwirtschaft. Die Kommissarin für Landwirtschaft der Afrikanischen Union lobte die große deutsche Unterstützung für das afrikanische landwirtschaftliche Entwicklungsprogramm (CAADP). Die deutsche Delegation wurde am Horn von Afrika mit offenen Armen empfangen. Der politische und wirtschaftliche Austausch birgt für beide Seiten Chancen und Möglichkeiten.
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