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Politik EU

Landwirtschaft überaltert: Ciolos präsentiert Gegenmaßnahmen

© Mühlhausen/landpixel
von , am
13.04.2012

Brüssel - Viele Landwirte hören auf, Betriebsführer werden immer älter. Dem will Agrarkommissar Ciolos entgegenwirken. Mit Investitionszuschüsse, besserem Zugang zu Krediten und höheren Direktzahlungen.

Für Nachwuchskräfte gibt es einen speziellen Bereich auf der Agritechnica: Campus & Career in den Pavillions 33 und 35. © landpixel
In den vergangenen zehn Jahren haben beinahe drei Millionen Bauern EU-weit ihren Betrieb aufgegeben. Zudem werden die Betriebsführer immer älter. Mit speziellen Anreizen für Junglandwirte möchte EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos dieser Entwicklung entgegenwirken, wie er gestern während einer Konferenz der Europäischen Junglandwirte (CEJA) in Brüssel betonte.

Deutschland plädiert für freiwillige Förderung

Finanzielle Unterstützungen wie Investitions-Zuschüsse und ein erleichterter Zugang zu Krediten für Landwirte unter 40 Jahren sollen Bestandteil der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2013 sein. Aber auch eine Anhebung der Direktzahlungen für Jungübernehmer um 25 Prozent in den ersten fünf Jahren ihrer Tätigkeit ist in den GAP-Reformvorschlägen vorgesehen.
 
Im Sonderausschuss Landwirtschaft hat sich kürzlich auch eine Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten für eine verbesserte Förderung von Junglandwirten ausgesprochen. Allerdings können sich
  • Schweden,
  • Polen,
  • Deutschland,
  • Frankreich und
  • Rumänien
nur freiwillige Lösungen vorstellen. Die dänische Ratspräsidentschaft will deshalb die EU-Agrarminister auf dem kommenden Rat am 26. April befragen, ob sie einheitliche Regelungen oder freiwillige Angebote bevorzugen.
 
Ciolos verteidigte seinen Vorschlag und gab zu bedenken, dass unterschiedliche Regelungen zur Benachteiligung von Junglandwirten in EU-Mitgliedstaaten führen, die die Förderung ablehnen. Die Verjüngung der Betriebsinhaber dürfe nach seiner Meinung nicht an den Grenzen der EU-Mitgliedstaaten halt machen.

Sub-Programm für Junglandwirte

Auf jeden Fall soll es neben den zwei Prozent aus der ersten Säule ergänzende Maßnahmen in der zweiten Säule (Ländliche Entwicklung) der GAP geben, die heute schon einige EU-Mitgliedstaaten ihren Junglandwirten anbieten. Ciolos schlug vor, dass die Mitgliedstaaten im Rahmen ihrer Programme für ländliche Entwicklung ein Sub-Programm für junge Landwirte schaffen. Damit könnten sie durch kofinanzierte Investitionen und Ausbildungen noch intensiver unterstützt werden.
 
Uneinigkeit um Fördergrenzen in Abhängigkeit von der Fläche
 
Weiterhin umstritten sind die Höchstgrenzen für die Fläche in Betrieben von förderfähigen Junglandwirten. Lediglich Österreich, die Niederlande und Irland halten es für sinnvoll, in EU-Mitgliedstaaten mit kleinen Betrieben die Förderung auf 25 Hektar zu beschränken. Andere forderten mehr Flexibilität ein.

Junglandwirt mit über 40?

Außerdem beklagten Rumänien, Bulgarien und Griechenland im Sonderausschuss, 40 Jahre seien als Altersgrenze für die Junglandwirte im Kommissionsvorschlag zu niedrig angesetzt. Zum Abschluss der Konferenz betonte Ciolos, dass er der Unterstützung von jungen Landwirten während der Ausarbeitung der GAP-Reformvorschläge besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Denn nur mit entsprechenden Perspektiven für die Bauern könne die Zukunft der europäischen Landwirtschaft gesichert werden. 
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