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Politik national

Landwirtschaft/Öffentlichkeit: Das sagt die Politik - und ein Landwirt

von , am
26.06.2015

Die Landwirtschaft ist in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt - die Diskussionen verlaufen nicht immer sachlich. Woran liegt das? Was ist Ok - und was nicht? Eine Debatte vom Deutschen Bauerntag.

Der Landwirt wird von allen Seiten gezogen und gezerrt - das demonstrieren BBV-Präsident Walter Heidl, Landesbäuerin Annelies Göller und die BBV-Delegierten.
Eine Mitschuld seiner Partei an Auswüchsen in der gegenwärtigen Tierschutzdebatte hat Grünen-Politiker Robert Habeck eingeräumt. Bei einer Podiumsdiskussion zum Abschluss des Deutschen Bauerntages am gestrigen Donnerstag in Erfurt distanzierte sich der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister entschieden von persönlichen Angriffen auf Landwirte und deren Familien sowie Verbandsvertreter. Eine Diskriminierung von Menschen sei "unter keinen Umständen akzeptabel".
 
Moderiert wurde die Diskussion vom Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins "agrarmanager", Uwe Steffin.

Connemann: Landwirte 'Prügelknaben der modernen Zeit'

Man müsse, so Habeck, dringend wegkommen von einer Individualisierung der Auseinandersetzung um die landwirtschaftliche Tierhaltung, "an der auch meine Partei einen Anteil hat". Stattdessen müsse die Diskussion versachlicht und auf eine ökonomische Ebene gehoben werden.
 
Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gitta Connemann, wies darauf hin, dass bestimmte Kräfte die Landwirtschaft als neues Feld der politischen Auseinandersetzung entdeckt hätten. Diese Auseinandersetzung werde häufig mit Schwarz-Weiß-Bildern und ungerechtfertigten Pauschalisierungen und Vereinfachungen geführt. Connemann sieht darin eine Ursache, dass die Landwirte zu "Pügelknaben der modernen Zeit" geworden seien.

Ute Vogt: Gute Produktion kostet mehr

Für den Parlamentarischen Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Max Straubinger, sind "moderne Ställe der beste Tierschutz". Allerdings, so der CSU-Politiker, "nicht alle in der Politik wissen das". Demgegenüber warnte SPD-Fraktionsvize Ute Vogt vor einem "Schwarze Peter-Spiel". Die Erzeuger müssten die Wünsche der Verbraucher nach regionalen und tiergerecht erzeugten Produkten ernst nehmen. Gleichzeitig müssten die Verbraucher akzeptieren, "Fleisch kostet mehr, wenn es gut produziert wird".
 
Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Dietmar Bartsch, bezeichnete die Landwirtschaft als einen "wesentlichen Teil der Gesellschaft". Sie verdiene entsprechende Wertschätzung. Eine Strukturdiskussion nach dem Motto "groß ist schlecht und klein ist gut", nannte Bartsch absurd. 

DIE ZEIT-Ressortleiter: Journalistisches Ziel 'nicht ganz gelungen'

Der Ressortleiter Wissen der Wochenzeitung DIE ZEIT, Andreas Sentker, zeigte Verständnis für die Kritik an der Artikelserie über antibiotikaresistente Keime, die zur Jahreswende in dem Blatt erschienen war. Das journalistische Ziel, auf ein künftiges Problem hinzuweisen sei hier "nicht ganz gelungen".

Schweinehalter Scharl fordert ernsthafte Auseinandersetzung mit Landwirten

Der bayerische Schweinehalter Johannes Scharl forderte Politik und Journalisten auf, sich ernsthaft mit den Landwirten auseinanderzusetzen und der Versuchung von nicht gerechtfertigten Schnellschüssen und Pauschalurteilen zu widerstehen. "Einfache Antworten gibt es nicht", so Scharl unter Hinweis auf die aktuelle Diskussion über ein Verbot des Schwänzekupierens bei Ferkeln.    
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