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Wirtschaft

Le Maire warnt vor deutscher Konkurrenz

Externer Autor
am
11.05.2010

Paris - Frankreichs Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire ist besorgt über die bedrohliche Konkurrenz Deutschlands in wichtigen Produktionsbereichen der französischen Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Deutschland sei im Begriff, Frankreichs Marktanteile in allen entscheidenden Sparten zu übernehmen, beklagte der Ressortchef in einem Gespräch mit dem Rundfunksender France Inter. Die französische Agrarwirtschaft dürfe keine Zeit mehr verlieren, sondern müsse "mit identischen Waffen wie ihre Nachbarn kämpfen", stellte Le Maire klar. Deutschland sei auf dem besten Weg, seine Position gegenüber früher erheblich auszubauen, was mittlerweile für die Bereiche Nutztierhaltung einschließlich Schweinemast und Milch sowie für Obst und Gemüse gelte.

Wachsende Importe aus dem EU-Nachbarland bereiten Sorge

Frankreichs Einfuhren von Frischmilch aus Deutschland seien seit Beginn dieses Jahres um 70 Prozent gestiegen. Damit könne man sich nicht einfach abfinden, stellte Le Maire klar. Das bedeute im Gegenzug für Frankreich, gemeinsam mit dem Berufsstand erhebliche Anstrengungen zu unternehmen, um in den einzelnen Branchen wieder konkurrenzfähig zu werden. Dafür reichen dem Minister zufolge jedoch weder das neue landwirtschaftliche Modernisierungsgesetz noch die Reform der Europäischen Agrarpolitik aus. Vielmehr müssten gemeinsam mit dem Berufsstand branchenspezifische Förderprogramme erstellt werden, um die Wettbewerbsschwäche gegenüber Deutschland auszuloten und gezielt Punkt für Punkt darauf zu reagieren, meinte der Minister in dem Rundfunkinterview.

Weitere Förderprogramme angeregt

Ebenso wie das bereits zugesagte Förderprogramm für die Milchbranche sollen Le Maire zufolge jeweils ein entsprechender Plan für die Fleischbranche und den Obst- und Gemüsesektor umgesetzt werden. Ein Anpassungsprogramm für die Milchbranche hatte der Minister erst kürzlich auf dem zweitägigen Jahreskongress des zuständigen Fachverbandes (FNPL) in Lille vorgestellt. Mit Hilfe des Förderprogramms will Le Maire die Milchbranche für den Quotenausstieg im Jahr 2015 rüsten. Dabei sollen insbesondere Synergieeffekte zwischen den Branchenmitgliedern der vor- und nachgelagerten Stufen verstärkt und die Quotenzuteilung an die jeweilige Strategie der regionalen Produktionszentren angepasst werden.

Schweinebranche bestätigt bedrohliche Marktposition Deutschlands

Die Befürchtungen des Ministers und der französischen Schweinemäster bestätigt ein Bericht der nationalen Vereinigung der Fleischindustrie und des Handels (SNIV/SNCP), wonach Deutschland 2009 seine Schweinefleischexporte gegenüber 2008 um acht Prozent auf 1,5 Millionen Tonnen ausgeweitet hat. Der Löwenanteil beziehungsweise 1,3 Millionen Tonnen wurde in die europäischen Nachbarländer geliefert. Im Einzelnen gingen davon laut SNIV/SNCP 283.000 Tonnen nach Italien, 185.000 Tonnen nach Polen und 150.000 Tonnen in die Niederlande.

Deutsche Schweinehalter erobern neue Exportmärkte 

Der Anteil der Lieferungen in Drittländer mit rund 220.000 Tonnen sei dagegen bescheiden und konzentriere sich im Wesentlichen auf Russland und Hongkong. Die "mächtige deutsche Schweinefleischindustrie" hat allerdings nach Einschätzung von SNIV/SNCP die Absicht, neue Absatzmärkte zu erobern, beispielsweise in Korea, das bereits mehreren deutschen Exportfirmen eine Importgenehmigung erteilt habe. Ein Dorn im Auge sind den Franzosen zudem Wettbewerbsvorteile der deutschen Konkurrenten durch niedrigere Lohn- und Versicherungskosten, einen günstigen Mehrwertsteuersatz und Subventionen für die Herstellung von Biogas. (AgE)

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