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Ernährung und Gesundheit

Aus dem Leben eines Leasing-Schweins

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Katharina Krenn , agrarheute
am
23.04.2014

Das Freiland-Schwein Karl-Heinz hat über den Winter gut zugelegt. Jetzt lässt es sich die Frühlingssonne auf den Bauch scheinen. Der Lohnmäster Dapont kann sich vor Leasing-Anfragen kaum retten.

Es ist fast Halbzeit: Mittlerweile ist das gefleckte Leasing-Schwein Karl-Heinz gute sechs Monate alt und müsste etwa an die 60 Kilogramm wiegen. Mastzeitende ist November: Da sollte Karl dann mindestens 120 Kilo auf die Waage bringen. Der milde Winter hat den Freiland-Mastschweinen gut getan. Sie haben überdurchschnittlich an Gewicht zugelegt, erzählt der Lohnmäster Anton Dapont. Das freut die Schweineleaser natürlich, denn somit bekommen sie mehr Fleisch für ihr Geld. Die Mastkosten zahlen sie laut Vertrag monatlich mit einem Festbetrag.
 
Diese Woche bekommen die Schweine das letzte Mal ihre Winterkost - gedämpfte Biokartoffeln. Mit dem ersten Grünlandschnitt steht wieder Gras auf dem Speiseplan.
 

Karl-Heinz regt zum Nachdenken an

Die Freilandschweine fühlen sich sichtlich wohl. Schöner kann es ein Schwein eigentlich nicht haben: Das ganze Jahr über im Schlamm suhlen und in der Erde wühlen. Die Besitzer können ihrem Leasing-Schwein jederzeit einen Besuch abstatten. Doch nicht jeder will seinen zukünftigen Schweinebraten persönlich kennenlernen. So scheuen einige Besitzer den Besuch ihres Leasingschweins. "Als ich ein Foto meines Ferkels gesehen habe, ist mir bewusst geworden, dass das Tier nur geboren wurde, um auf meinem Esstisch zu landen.", so eine Leaserin. Das ist zwar keine große Überraschung, aber für manchen in der Stadt lebenden Konsumenten eine doch neue, befremdliche Erfahrung, wenn man sein namenloses Fleisch nicht einfach aus der Theke holt. Andere Leaser erzählen, dass sie sich mit dem Besitz eines eigenen Schweins noch ernster mit dem Thema Fleischkonsum und Tierhaltung auseinandersetzen. Die einen kaufen jetzt noch bewusster ein, die anderen zweifeln daran, ob sie ihr geflecktes Tier mit Namen überhaupt noch essen können.

Warteliste für Leasingschweine

Die Nachfrage nach Leasing-Schweinen ist ungebrochen und die Warteliste auf dem Biohof wird immer länger. Der Öko-Landwirt und Schweinemäster Dapont hat deshalb aufgestockt. Mittlerweile sind es insgesamt 23 Turopolje-Schweine. Das klingt zwar nicht nach viel, aber Daponts Betriebskonzept fußt nicht nur auf dem Schweineleasing. Er verkauft auch immer mehr Zuchtferkel. Denn immer mehr Landwirte steigen in die Mast der genügsamen Weideschweine ein.
 
Demnächst eröffnet Dapont eine kleine Brotzeitstation, denn der Hof liegt direkt an der Route eines Fernwanderwegs. Unter einem schattigen Baum auf seinem denkmalgeschützen Bauernhof sollen Wanderer und Radfahrer bald Biobier aus der Region sowie Speck und Würste von seinen Weideschweinen kosten können.
 
Lesen Sie hierzu:

Tierleasing: Biofleisch aus der Lohnmast

 
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