Login
Ernährung und Gesundheit

Lebensmittelhersteller geizen mit Nährwertangaben

Externer Autor
am
23.09.2009

Berlin - Verbraucherschützer vermissen nach wie vor aussagekräftige Nährwertangaben auf den Verpackungen im deutschen Lebensmitteleinzelhandel.

Wie die Verbraucherzentrale Hamburg vergangene Woche nach einer bundesweiten Untersuchung von mehr als 3.500 Lebensmitteln von über 50 Herstellern mitteilte, fehlen gerade bei zucker- und fetthaltigen Lebensmitteln wie Milchprodukten, Wurst und Süßigkeiten die relevanten Nährwertangaben.

Besonders schlecht schnitten laut der Erhebung bekannte Produkte von Ferrero, Storck oder Haribo ab. So fanden die Verbraucherzentralen bei Ferrero nur ein einziges Produkt, das mit der Angabe zum Zuckergehalt versehen war. Ganz auf die Nährwertkennzeichnung verzichtete Ritter-Sport. Auffällig sei, so die Verbraucherzentrale Hamburg, dass gerade bei kalorienreichen Produkten oft die Nährwertangabe fehle.

Die Kalbsleberwurst werde ohne Kennzeichnung angeboten, der fettarme Schinken dagegen mit den Nährwerten ausgezeichnet. Bei Molkereiprodukten gebe es ähnliche Fälle, genauso bei Konfitüren in Bezug auf den Zuckergehalt. Discounter legten offensichtlich mehr Wert auf die Nährwertkennzeichnung als Supermärkte, betonte die Verbraucherzentrale Hamburg.

Aldi auf dem ersten Platz

Aldi errang laut der Auswertung der Erhebung durch die Verbraucherzentrale Hamburg "unangefochten den Spitzenplatz". Nur 6 Prozent der untersuchten Produktpackungen bei Aldi seien nicht mit den acht wichtigsten Nährwertangaben versehen. Unter diesen acht Angaben verstehen die Verbraucherschützer Informationen zum Energiegehalt, zu Eiweiß, Kohlenhydraten, Zucker, Fett, gesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen und Salz. Lidl folgt in der Bewertung der Verbraucherschützer auf dem zweiten Platz mit einem Anteil von knapp 30 Prozent an Produktpackungen, auf denen die relevanten Nährwertangaben fehlen. Am Ende stehen Edeka und Real.

Ampelkennzeichnung gefordert

Händler und Hersteller können laut Erkenntnissen der Verbraucherschützer offensichtlich Druck auf Händler und Hersteller ausüben. So gebe es einige Produkte von Haribo oder Storck, die nur bei Aldi mit den acht Nährwertangaben gekennzeichnet gewesen seien. Die beste Lösung für eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln ist nach Überzeugung der Verbraucherzentralen die Einführung der obligatorischen Ampelkennzeichnung. Damit könnten Verbraucher schnell und unkompliziert "Zuckerbomben und Fettfallen" erkennen.

Branche geht über rechtliche Verpflichtung hinaus

Auf Widerspruch stießen die Erkenntnisse der Verbraucherzentrale beim Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL). Die deutsche Lebensmittelwirtschaft deklariere ihre Produkte ordnungsgemäß und umfangreich. Angaben zu Nährwerten auf Lebensmitteln würden bereits heute zu mehr als 80 Prozent gemacht, obwohl dies bislang keine rechtliche Verpflichtung sei. Schließlich belege die eigene Auswertung der Verbraucherzentrale, dass 85 Prozent der Produkte eine Nährwertkennzeichnung trügen.

Neue Verordnung in Sicht

Die Aussage der Verbraucherzentrale, dass die Angaben seltener bei eher fett- und zuckerreichen Produkten zu finden seien, sei haltlos. In den vergangenen Jahren seien Hersteller zunehmend freiwillig dazu übergegangen, ihre Lebensmittel mit Angaben zu Nährwertgehalten zu versehen, unterstrich der BLL. Die Lebensmittelwirtschaft führe ihr Engagement für eine sachliche Nährwertkennzeichnung weiter und baue sie schrittweise aus. Auf europäischer Ebene werde derzeit die Lebensmittelinformationsverordnung entwickelt. (AgE)

Auch interessant