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Ernährung und Gesundheit

Lebensmittelindustrie mit lückenhafter Krisen- und Risikoabwehr

pd
am
01.10.2013

Beim Krisenmanagement und der Risikoabsicherung haben die Lebensmittelhersteller Nachholbedarf, wie eine Umfrage des Verbands der Deutschen Ernährungsindustrie ergab.

Für den größten Teil der Lebensmittelhersteller ist ein ausgearbeitetes Krisenmanagementsystem mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Dessen Pflege erfolgt jedoch oftmals nachlässig. 42 Prozent (%) der befragten Unternehmen führen weniger als einmal im Jahr oder überhaupt keine Krisenübung durch, so dass eine Überprüfung auf Effektivität und Effizienz des Systems kaum stattfindet. Risiko- und Frühwarnsysteme haben nur 40 Prozent der teilnehmenden Unternehmen eingerichtet, ebenso wenige führen Medien-Monitorings durch oder haben ein Stakeholdernetzwerk aufgebaut.
 
In einer Online-Umfrage haben die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und die AFC Risk & Crisis Consult Vertreter aus Unternehmen der Ernährungsindustrie über die Ausgestaltung ihrer Krisenmanagementsysteme, kommunikative Krisenfallbewältigung sowie über Maßnahmen zur Risikoabsicherung der Lieferkette befragt. Über 300 Teilnehmer haben sich an dieser Befragung beteiligt.
 

Aufgaben nicht klar geregelt

Einzelne Basis-Elemente, wie beispielsweise die aktuellen Kontaktdaten der Behörden haben 80 % der befragten Unternehmen vorliegen, gut drei Viertel verfügen über Ablaufpläne zum Vorgehen im Krisenfall sowie Adressdateien der Abnehmer und externer Dienstleister. Über ein Krisenhandbuch verfügen nur 70 % der Studienteilnehmer. Bei 32 % der Unternehmen ist die Aufgabenverteilung im Krisenstab nicht klar geregelt und bei 50 % fehlt es an einem Maßnahmenkatalog.
 

Lückenhafte Riskoanalyse

Auch wenn verschiedene Maßnahmen zur Risiko-Absicherung durchgeführt werden, bestehen auch hier gewaltige Lücken; so setzen beispielsweise 66 % der Unternehmen auf Risikoanalysen im Bereich der Beschaffung, aber nur 33 % beim Absatz und Transport. Ein Teil der Unternehmen will sich demnach mit Schwächen in der Risiko-Absicherung und ohne Kommunikationskonzept mit komplexen Fragestellungen auseinandergesetzt haben. Hinzu kommt, dass 41 % der Unternehmen kein einheitliches Auftreten nach außen leben, 44 % ihre Marken nicht konsequent führen und nur knapp die Hälfte ihre Werbeversprechen geprüft hat.
 

Fazit: Es besteht Nachholbedarf

Aus den Studienergebnissen lässt sich ableiten, dass dem Erfordernis eines Öffentlichkeitsmanagements zwar teilweise Rechnung getragen wird, jedoch insgesamt noch ein erheblicher Nachholbedarf besteht, fasst Peter Feller, Geschäftsführer der BVE, zusammen. Es zeichnet sich ab, dass die Unternehmen zumeist über generelle Konzepte verfügen, diese aber nicht ausreichend untermauert haben, um in einer Krise umgehend und adäquat zu agieren bzw. zu reagieren und damit Schäden zu vermeiden bzw. so gering wie möglich zu halten.
 
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