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Politik national

Lindemann lehnt Greening-Vorschläge ab

von , am
02.05.2012

Hannover - EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos informierte sich in Niedersachsen über die Situation der Landwirte. Mit Landwirtschaftsminister Lindemann und Landvolk-Präsident Hilse diskutierte er seine Reformvorschläge.

EU-Kommissar Dacian Cioloş zu Gast auf Betrieben in Niedersachsen, © von der Brelie
Die erste Station führte den EU-Agrarkommissar in die Region Wunstorf bei Hannover auf den Milchviehbetrieb der Familie Widdel sowie den Veredelungsbetrieb der Familie Bothe. Der EU-Agrarkommissar überzeugte sich von der modernen und zugleich traditionsbewussten Landwirtschaft in einer Region mit zahlreichen Nutzungsansprüchen.

Agrarreform muss Familienbetriebe unterstützen

Nach den Agrarreformvorschlägen von EU-Kommissar Dacian Cioloş soll zukünftig jeder landwirtschaftliche Betrieb darüber hinaus sieben Prozent seiner Flächen als ökologische Vorrangflächen zur Verfügung stellen und sie damit quasi aus der landwirtschaftlichen Produktion nehmen.
 
Die Betriebsleiter machten die damit verbundenen Probleme wie zum Beispiel die notwendige Ersatzfutterbeschaffung und steigende Pachtpreise deutlich. Minister Lindemann unterstrich die Aussagen der Betriebsleiter und warnte vor deutlichen Einkommenseinbußen für niedersächsische Betriebe, wenn die Greening-Vorschläge der Kommission so umgesetzt würden. Lindemann: „Die Agrarreform muss Familienbetriebe unterstützen und sollte sie in ihrer Weiterentwicklung nicht behindern.“

Landesregierung fordert Anpassungen beim Greening

Vor diesem Hintergrund unterstützt Niedersachsens Landesregierung das Ziel der Kommission, in die GAP verstärkt Umweltziele aufzunehmen, fordert jedoch ein Anforderungsniveau mit Augenmaß. Aus niedersächsischer Sicht besteht beim Greening daher folgender Anpassungsbedarf:
  • 7 Prozent ökologische Vorrangfläche deutlich absenken auf zwei bis drei Prozent und Anerkennung umwelt- und klimafreundlicher Produktionsweisen, zum Beispiel Anbau umweltfreundlicher nachwachsender Rohstoffe.
  • Kleine Betriebe (bis 15 Hektar) von den Auflagen zu ökologischen Vorrangflächen und Anbaudiversifizierung befreien.
  • Bei der Anbaudiversifizierung Grünland als eine Fruchtart werten.
  • Ausnahme bei der Anbaudiversifizierung für Betriebe mit sehr hohem Grünlandanteil (über 50 Prozent).
  • Grünlandumbruch nicht einzelbetrieblich und parzellenscharf umsetzen, um betriebliche Entwicklungen weiterhin zu ermöglichen.
  •  Lösungen für Dauerkultur- und Spezialbetriebe (z.B. Kartoffelanbau) schaffen.
  • Trennung von Basis- und Greening-Zahlung auch bei den Sanktionen.

    Die Entlohnung weiterer Umweltleistungen soll den Agrarumweltmaßnahmen der 2. Säule vorbehalten bleiben. In diesem Rahmen können die Mitgliedstaaten standortspezifische und zielgerichtete Umweltmaßnahmen anbieten.

Hilse: Greening Vorschläge sind falsches Signal

Landvolk-Präsident Werner Hilse sieht in den Greening-Vorschlägen ein völlig falsches Signal. Die Landwirte wollten die Herausforderungen annehmen, die sich über eine wachsende Weltbevölkerung und die in Deutschland beschlossene Energiewende ergäben. Daneben fühlten sich die Landwirte einer nachhaltigen Erzeugung ebenso selbstverständlich verpflichtet wie dem Erhalt der Kulturlandschaft. ?Dies machen wir aber nicht an starren Prozentzahlen fest, sondern sehen den einzelnen Betriebsleiter in der Verantwortung?, verdeutlichte Hilse. 
 
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