Login
Umwelt

"Mariä Opferung hell und rein, bringt einen harten Winter ein"

von , am
21.11.2009

Leipzig - Mit "Mariä Opferung", auch als Gedenktag "Unserer Lieben Frau in Jerusalem" bezeichnet, steht zu Beginn der dritten Novemberdekade ein weiterer, wichtiger Lostag des Bauernjahres ins Haus.

"Wenn die Sonne um Mariä Opferung die Wolken verjagt, manch’ Bauer über Kälte im Januar klagt." Die "Opferung" bzw. "Darstellung Mariens" beging man im Orient als hohen Festtag. Durch die Kreuzzüge erlangte dieser auch in Rom Bekanntheit. Das Fest lässt sich auf Überlieferungen aus dem apogryphen Jakobusevangelium zurückführen. So wurde nach 20-jähriger Ehe dem jüdischen Priester Joachim und Anna von einem Engel die Geburt eines Kindes verkündet. Beide sollen ihre gemeinsame Tochter Maria - die spätere Mutter Jesu - dann im Tempel Gott geweiht haben. Der Gedenktagsbezeichnung "Unserer Lieben Frau in Jerusalem" liegt das Kirchweihfest einer alten Jerusalemer Marienkirche im Jahre 543 zugrunde.   

Sonniges und klares Wetter an Mariä Opferung verspricht einen kalten Januar

Der Landmann lässt wissen: "Lacht an Mariä Opferung (21. November) die Sonne klar vom Himmelszelt, Schnee aus dunklen Wolken am Eligiustage (01. Dezember) fällt" und "Mariä Opferung mit morgendlichem Reif auf den Wiesen lässt im Winter viel Eisblumen sprießen". Tatsächlich bringt es der Volksmund auf den Punkt, wenn er sagt: "Mariä Opferung hell und rein, bringt einen harten Winter ein" und "Mariä Opferung klar und hell, gibt’s im Winter Wolfsgebell". Darüber hinaus lehrt die Erfahrung: "Verschwinden die Wolken an Mariä Opfergang vom Himmelszelt, dann sich der Winter mit Eis und Kälte gefällt" und "Zeigt sich sonnig und klar an Mariä Opferung der Himmel, färbt Eligius (01. Dezember) den Acker weiß wie ein Schimmel".

Die Sprüche, das kann ihrem Wortlaut entnommen werden, lassen sich nur im Falle antizyklonal geprägter Witterung, das heißt, dass eine Hochdrucklage mit frostigen Nächten und tagsüber trocken-kalter Luft um Märiä Opferung vorherrschen muss, ins Kalkül ziehen. Überwiegt dagegen am Gedenktag "Unserer Lieben Frau in Jerusalem" und einige Tage danach sehr mildes Wetter, so sind während der darauf folgenden zwei Wochen keine stärkeren Fröste zu erwarten.

Das Fest "Mariä Opferung" erlebte wechselvolle Geschichte

In der katholischen Kirche erlebte das Fest "Mariä Opferung", auch "Mariä Tempelgang" genannt, eine wechselvolle Geschichte. So war es mal verpflichtend, mal wurde es als reine Legende abgetan und gestrichen. Weitere auf "Mariä Opferung" gemünzte Reime besagen: "Scheint die Sonne an Mariä Opfergang, dann wird der Winter kalt und lang" und "Wenn am Tage ‚Unserer Lieben Frauen in Jerusalem’ die Sonne scheint, sind vierzig Tage des Winters mit Schnee und Frost vereint". Eine alte Bauernregel lautet: "Ist Mariä Opferung das Wetter schön bestellt, so dass die Biene Ausflug hält, dann ist das nächste Jahr fürwahr ein böses, teures Hungerjahr".

Übrigens weilte Maria bis zur Vollendung ihres 12. Lebensjahres im Tempel und studierte dort mit anderen Tempeljungfrauen die Bibel. Josef, der damals der Überlieferung nach schon 80 Jahre alt war, soll von den Priestern als ihr Beschützer, anderen Berichten zufolge als ihr Verlobter, auserwählt worden sein.

Dr. Jurik Müller

Auch interessant