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Umwelt

Massensterben der Silberkarpfen bleibt mysteriös

von , am
08.05.2013

Ilmenau - Das Fischsterben geht weiter. Noch immer sammeln Helfer täglich Massen toter Silberkarpfen aus der Heyda-Talsperre bei Ilmenau in Thüringen. Woran die Tiere starben, ist weiterhin unklar.

Vermutlich begann das Massensterben bereits vor einigen Wochen. Die andauernde Eisschicht aufgrund des langen Winters verbarg die Katastrophe aber zunächst. Seit Mitte April haben Helfer nun bereits über 37 Tonnen Fischkadaver aus dem Wasser gefischt - und die Zahl steigt täglich dramatisch. In den letzten Tagen bargen Freiwillige innerhalb weniger Stunden circa zwölf Tonnen.

Beinahe ausschließlich Silberkarpfen betroffen

Der Großteil der toten Fische sind Silberkarpfen, die zu DDR-Zeiten in den See eingesetzt wurden, um aus ihnen Omega-3-Fettsäuren für ein Medikament gegen Herzinfarkte zu gewinnen. Mit circa 13.000 Exemplaren dieser eigentlich in Südostasien heimischen Art sei damals das Projekt gestartet worden. Nach der Wende jedoch hatte man zunächst keine Verwendung mehr für die Tiere und sie wurden beliebte Zielfische der örtlichen Angler.
 
Nicht nur in Ilmenau, auch in anderen deutschen Gewässern tummeln sich Silberkarpfen. Die Friedfische, die sich von diversen Algenarten ernähren, werden gerne zur Algenbekämpfung in Badeseen eingesetzt. Als Speisefische sind sie durch ihre dicke Fettschicht eher ungeeignet. Eine Gefahr für heimische Fischarten stellen sie nicht dar, da sie sich in unseren kalten Gewässern aufgrund der Temperatur nicht vermehren. Auch die Tiere in der Heyda-Talsperre sind daher ältere Exemplare um die 27 Jahre.

Zunehmend andere Arten gefährdet

Peter Spieß, der Vorsitzende des örtlichen Kreisangelfischereiverbands Ilmenau e.V. (KAFV-Ilmenau), geht von einem Silberkarpfen-Besatz um die 62 Tonnen im Gewässer aus. Doch auch andere, einheimische Speisefische sind allmählich gefährdet. Die verwesenden Kadaver verschmutzen zunehmend das Wasser. „Vor allem im Flachwasser haben wir am Samstag auch vermehrt tote Schuppenkarpfen aus dem Wasser gefischt.“, so Spieß.

Situation angespannt

Angler und Behörden machen sich große Sorgen. Die Lage am Stausee ist höchst angespannt. Nicht nur tägliche Einsätze von Freiwilligen sind nötig, um die bereits verwesenden Kadaver zu entfernen. Ein weiteres Problem stellt auch die Entsorgung dar, wie das Landratsamt am Montag nach einer Krisensitzung von Landrätin Petra Enders (Linke) mit Naturschützern, Anglerverbänden und der Thüringer Fernwasserversorgung mitteilte.

Schnelle Hilfe ist nötig

Die Anwohner der Talsperre im Ilmkreis sind beunruhigt und wissen nicht mehr, wie sie mit der Masse an toten Fischen fertig werden sollen. Das ehemals so beliebte Ausflugsziel wird nun dominiert von penetrantem Gestank und toten Silberkarpfen, die bäuchlings im Wasser treiben. „Wir packen das nicht mehr“, so Spieß. „Wir stehen am Rand einer Katastrophe, jetzt ist Eile geboten.“ Die umliegenden Gemeinden versuchen nun, den bisher alleine kämpfenden Anglern zu helfen, wie sie auf einer Krisensitzung versicherten. Auch eine Lösung bezüglich der Übernahme der Bergungskosten scheint gefunden. Wie ein Sprecher bestätigte, werde Landrätin Enders einen Antrag an den Kreistag stellen, um 25.000 Euro aus dem Kreishaushalt zu erhalten.

Spekulationen um Todesursache

Wie es zu diesem Massensterben kommen konnte, ist unklar. Experten haben eine Alge namens Prymnesium parvum im Verdacht, die in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zu solchen Katastrophen geführt hatte. Sowohl in Israel als auch England und Norwegen vernichtete sie enorme Fischbestände. Zuletzt traf es 2005 Gewässer in den USA. Mysteriös sei jedoch, dass es den anderen Fischen im Gewässer weitgehend gut gehe. Regenbogenforellen, Hechte, Zander oder Spiegelkarpfen sind offenbar nicht betroffen. Vor einigen Jahren gab es jedoch in einer Talsperre im Vogtland sowie in einem See in Brandenburg bereits ein ähnliches Massensterben von Silberkarpfen, wie Eckhard Bauerschmidt, Landratsamtssprecher des Ilmkreises, weiß. Doch auch dort konnte die Ursache niemals genau festgestellt werden.

Ursachenforschung bisher ergebnislos

Bisher fand man jedoch keine toxikologischen und bakteriologischen Auffälligkeiten, wie das Umweltministerium nach ersten Untersuchungen im Landesamt für Verbraucherschutz mitteilte. Die Silberkarpfen seien in einem guten bis sehr guten Ernährungszustand gewesen. Man konnte keinerlei Bakterien- oder Virenbefall feststellen, sagte Bauerschmidt. Tägliche Wasserproben ergaben bis heute keine abweichenden Ergebnisse in der Talsperre. Neue Erkenntnisse erhofft man sich am Mittwoch von Untersuchungen des Loeffler-Instituts. 
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