Login
Umwelt

Mehr Wildschweine, mehr Schäden: Was tun?

von , am
29.05.2015

In Bayern sind im letzten Jagdjahr soviel Wildschweine erlegt worden wie nie zuvor. Hilfe versprechen Bejagungsschneisen.

In den letzten Jahrzehnten ist die Wildscheinpopulation europaweit deutlich gewachsen. In Bayern führen die seit Jahren steigenden Bestände mittlerweile zu großen Problemen, berichtet das Wildtierportal Bayern.
 
Ein Indikator für die Populationsdichte ist die so genannte Schwarzwildjagdstrecke (die Zahl der erlegten Schweine). So wurden dem Wildtierportal zufolge im  Jagdjahr 1980/81 in ganz Bayern nur 2.928 Wildschweine erlegt. Im Jagdjahr 2013/14 belief sich die Gesamtstrecke auf 68.679 Stück - ein bayerischer Rekord.

Bejagungsschneisen können helfen

Die Bejagung in den schadensträchtigen Sommermonaten gestaltet sich in der Feldflur zunehmend schwierig, insbesondere wenn regional große zusammenhängende Getreideanbauflächen vorhanden sind.
 
Getreidearten, allen voran Mais, dienen dem Schwarzwild nicht nur als Fraß, sondern auch als Einstand. Bejagungsschneisen helfen bei der Bejagung von Wildschweinen vor allem in Maisschlägen.
 
Eine Pflicht des Bewirtschafters zur obligatorischen Anlage von Bejagungsschneisen gibt es allerdings nicht. In der Kommunikation zwischen Landwirt und Jäger liegt daher ein wesentlicher Schlüssel. 

Bejagungsschneisen: Vorab Aufwand und Nutzen abwägen

Landwirte sollten allerdings die Effektivität gegen den Aufwand zur Anlage von Bejagungsschneisen abwägen. Folgende Faktoren spielen eine Rolle:
  • Deckungsbeitragsverluste je nach Art der Anlage; betriebliche Bedingungen im Einzelfall sind Grundlage für die Anbauentscheidung;
  • Arbeitsaufwand pro Hektar steigt mit abnehmender Schlaggröße und abnehmender Größe der Bejagungsschneisen
Außerdem gibt es in Bayern Regionen, in denen von Bejagungsschneisen keine wesentlichen Erleichterungen für die Schwarzwildbejagung/Wildschadensverhütung ausgehen. Das hängt mit der Anbau- beziehungsweise Flächenstruktur zusammen: Sind die Flächen sehr klein und werden Kulturen mit verschiedenen Erntezeitpunkten angebaut, sind die Schneisen möglicherweise überflüssig.
 
Die Anlage einer Bejagungsschneise lässt sich - je nach Einzelfall - möglicherweise im Greening anrechnen.

Schwarzwildschäden im Grünland: Das steigert die Schadenshäufigkeit

Weil sie hohe Kosten bei der Reparatur verursachen, sind Schwarzwildschäden im Grünland besonders ärgerlich.
 
Nach Angaben von Guido Dalüge, LVVG Aulendorf, können folgende Faktoren die Schadenshäufigkeit steigern:
  • Mahdreste auf der Fläche,
  • Bodenverletzung durch landwirtschaftliche Maschinen
  • Festmistausbringung
  • unsachgemäße Ausbringung von Schwemmmist
  • Kirrung auf Grünland
  • Kirrung und/ oder Buchenholzteerausbringung im Waldrandbereich.

Wildschweinschäden richtig einschätzen

Dann reicht neben dem Schleppen, was im Frühjahr auf jeden Fall erledigt werden muss, eine korrekte Nachsaat. Diese muss in einem solchen Fall allerdings höher als üblich ausfallen. © Volker Berg
Landwirte und Jäger sollten sich einvernehmlich um Schäden durch Wildschweine kümmern. Gutachten sind recht aufwendig. Hier das Beispiel eines "kleineren" Wildschadens. Der Schaden besteht aus vereinzelten, flachen Aufbrüchen. Bei der Berechnung der gesamten Schadensersatzsumme sollten hier folgenden Kosten berücksichtigt werden: Reparaturkosten Grünland, Rüst-/Anfahrtszeiten, Fahrzeit und Kosten Ertragsausfall. © Volker Berg
Kleinere Schäden bei Aufbrüchen, einzelne Stippen, sind noch relativ leicht von Hand zu beheben. Vor allem die Arbeitszeit ist kostenintensiv. Zum Reparieren lohnen so genannte Karste und das anschließende Festtreten der einzelnen Plaggen. © Volker Berg
Eine innerbetriebliche Ersatzbeschaffung möglich, da es sich um eine insgesamt relativ kleine Menge an Futter handelt, die der Betrieb durch eine etwas intensivere Nutzung anderer Futterflächen ausgleichen kann. Bei tieferen Aufbrüchen kann es nötig werden, Erde aufzufüllen. Dann wird der Schaden meist teurer. © Volker Berg
Bei gitterförmigem Aufbruch sind die Schäden auf Grünland noch relativ schnell in den Griff zu bekommen. © Volker Berg
Bei diesem größeren Schaden handelt es sich um einen großflächigen, tiefen, zusammenhängenden Schwarzwildaufbruch. Bei Totalausfall ist die Schadensfläche zunächst durch Abschreiten festzustellen. Auch ein Messrad oder GPS-Einsatz ist möglich. © Volker Berg
Hier folgt als Reparatur die Neueinsaat mit der Drillmaschine. Hier ist abzuwarten, wie sich die Neuansaat entwickelt. Im Falle von Trockenheit und bei schlechtem Aufgang ist bei erforderlicher erneuter Ansaat diese einschließlich der Bodenbearbeitung zusätzlich ersatzpflichtig. Darüber hinaus ist zu prüfen, ob im Folgejahr mit einem normalen Ertrag zu rechnen ist. Ist das nicht so, ist die Ertragsminderung festzustellen, die ebenfalls ersatzpflichtig ist. © Volker Berg
Schäden vorbeugen ist wichtig: Eine Ablenkungsfütterung mit kleineren Streifen Mais am Rande von Hecken oder Wäldern lohnt zur Vorbeugung gegen Schwarzwild. © Volker Berg
Die schwierige Zaunfrage: Einzäunungen mit üblichen Weidezäunen zeigen meist eine weniger gute Wirkung. © Volker Berg
Die hochpreisige Variante: Aufwändige Dauerzäune mit Knotengitter sind in aller Regel recht teuer. © Volker Berg
Zu bevorzugen sind Elektrozäune, die als Einzeldrähte oder Netze gespannt werden. Sie allerdings fordern hohen Zeitaufwand bei Pflege und Überwachung. © Volker Berg
Auch interessant