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Pandemie

Meldepflicht für Corona-Fälle bei Tieren geplant

Mädchen mit junger Katze
am Montag, 15.06.2020 - 12:45 (1 Kommentar)

Das Coronavirus stammt aus der Tierwelt und wurde auf den Menschen übertragen. Aber auch Haustiere können sich infizieren. Nun sollen mit einer Meldepflicht alle Fälle lückenlos erfasst werden, um weitere Erkenntnisse zu Infektion, Übertragung und Ausbreitung zu sammeln.

Am morgigen Dienstag (16. Juni 2020) will Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gemeinsam mit dem Direktor des Friedrich-Loeffler-Institus für Tiergesundheit, Prof. Dr. Thomas C. Mettenleiter, in Berlin den Entwurf einer Verordnung vorstellen, nach der Covid-19-Infektionen (SARS-CoV-2) bei Haustieren meldepflichtig werden sollen.

Vom Tier zum Menschen zum Tier

Nach heutigem Kenntnisstand stammt das Covid-19-Virus, das die Corona-Pandemie ausgelöst hat, wahrscheinlich aus der asiatischen (Wild-)Tierwelt. Von Fledermäusen soll es auf Menschen übertragen worden sein.

Mittlerweile ist jedoch auch bekannt, dass sich nicht nur Menschen anstecken können. Es sind mehrere Fälle von infizierten Katzen und Hunden bekannt. Zudem konnten in Infektionsversuchen Frettchen und Goldhamster mit dem Erreger angesteckt werden. Die Ausprägung klinischer Symptome war dabei sehr unterschiedlich.

Schweine, Hühner und Enten ließen sich im Versuch bislang nicht infizieren.

Tiergesundheitsorganisation will Daten erfassen

Die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) stuft SARS-CoV-2-Infektionen bei Tieren inzwischen als „emerging disease“ (neu auftretende Krankheit) ein und hat deshalb die OIE-Mitglieder aufgerufen, die Organisation umgehend über Fälle bei Tieren zu informieren. Es geht dabei unter anderem um weiterführendes Wissen zu empfänglichen Tierarten, der dabei auftretenden Symptomatik und möglichen Interaktionen zwischen Mensch, Tier und Umwelt.

Um dieser Aufforderung der OIE nachzukommen, will Deutschland nach Informationen aus Länderkreisen, die agrarheute vorab vorliegen, eine Meldepflicht für SARS-CoV-2-Infektionen bei Haustieren einführen. So soll eine Übersicht über das Vorkommen und die Ausbreitung dieser neuen Tierseuche sowie weitergehende Erkenntnisse zur Epidemiologie gewonnen werden.

Von der Meldepflicht erfasst werden sollen positive Coronavirenbefunde aller vom Menschen gehaltenen Tiere (einschließlich Zootiere) sowie aller Wildklauentieren in Gehegehaltung zwecks Fleischgewinnung für den menschlichen Verzehr.

Verordnungsentwurf liegt beim Bundesrat

Meldepflichtig für Corona-Fälle bei Haustieren sind Veterinäruntersuchungsämter, Tiergesundheitsämter und andere öffentliche und private Untersuchungsstellen. Tierärzte, denen im Rahmen ihrer Tätigkeit ein positver Fall bekannt wird, sind verpflichtet, diesen der zuständigen Behörde zu melden.

Bund, Länder und Gemeinden sollen nicht mit zusätzlichen Kosten belastet werden. In der Landwirtschaft könnte allerdings ein "geringfügiger" Verwaltungsaufwand entstehen, lässt der Entwurf des Erlasses wissen. Eine Auswirkung auf die Verbraucherpreise sei nicht zu erwarten.

Die geplante Verordnung zur Meldepflicht von Corona-Fällen bei Haustieren liegt dem Bundesrat vor.

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