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Wirtschaft

Mercosur-Abkommen: Copa fürchtet 'katastrophale Folgen'

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aiz
am
07.04.2011

Brüssel - Vor dem EU-Parlament findet diese Woche eine Debatte zum Mercosur-Handelsabkommen statt. COPA warnt im Vorfeld eindringlich vor den Folgen dieses Bündnisses.

Die Brasilianer sollen dieses Jahr mit 111 Mio. t eine Rekordsojaernte einfahren. © landpixel
COPA-Präsident Padraig Walshe hob am Mittwoch die "katastrophalen Folgen" hervor, welche die aktuellen EU-Gespräche zur Handelsliberalisierung insbesondere mit lateinamerikanischen Staaten und Marokko auf die europäische Landwirtschaft haben könnten, wenn keine dringend notwendigen Maßnahmen ergriffen werden. Walshe betonte, dass von der Kommission eine Reihe von Gesprächen über bilaterale Handelsabkommen geführt werden, die das Potenzial haben, "die Einkommen der EU-Erzeuger, die ohnehin nur 50 Prozent der durchschnittlichen Einkünfte in der EU betragen, ernsthaft zu unterminieren".
 
So hätte etwa die Handelsliberalisierung gegenüber den lateinamerikanischen Mercosur-Ländern schwerwiegende Auswirkungen auf die Landwirtschaft der Union, insbesondere auf Fleischerzeuger. Ein Abkommen zur Handelsliberalisierung mit Marokko würde wiederum den europäischen Obst- und Gemüsesektor, insbesondere im Bereich Tomaten, gefährden, warnte Walshe. Das sei nicht hinnehmbar. Dieses Thema werde auch Ende dieser Woche von den Europaabgeordneten diskutiert.

Wettbewerbsvorteil durch Pestizide und Herbizide

"Darüber hinaus dürfen manche dieser Länder Pestizide und Herbizide verwenden, die in der EU seit Jahren verboten sind. Das verleiht diesen Staaten einen Wettbewerbsvorteil. Sie können auch Wachstumsförderer in der Fleischproduktion verwenden, genetisch veränderte Ackerkulturen nutzen und von den niedrigeren Arbeitskosten profitieren. Es ist lächerlich, dass von den Landwirten der EU erwartet wird, unter derart ungleichen Bedingungen in Konkurrenz zu ihnen zu treten", kritisierte der Copa-Präsident.

Greening der GAP verteuert Produktion weiter

"Die Pläne der Kommission zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sind das große Thema, dem die Landwirte und der Lebensmittelsektor der EU derzeit gegenüberstehen. Wir sind besorgt über Bestrebungen in Richtung eines weiteren Greenings der GAP, was die Produktion für die Landwirte weiter verteuern würde", unterstrich Walshe.
 
Maßnahmen zur Marktverwaltung müssten ebenfalls erhalten und verbessert werden, insbesondere angesichts der zunehmenden Markvolatilität.

Walshe: 'Grünes Wachstum' statt 'grüner Auflagen'

Die Lebensmittelproduktion in der EU habe dann eine gute Zukunft vor sich, wenn auch der richtige politische Rahmen gegeben sei. "Wir müssen den Herausforderungen einer steigenden Produktion gerecht werden, um der weltweit zunehmenden Nachfrage nach Lebensmitteln zu entsprechen. Daher darf die Erzeugung jetzt nicht reduziert werden. Was wir brauchen, ist "grünes" Wachstum statt "grüner" Auflagen. Die Forschung muss untersuchen, wie wir die Produktion steigern und gleichzeitig die Umwelt schützen können.
 
Eine zentrale, noch ausstehende Entscheidung betrifft auch die Höhe des EU-Haushalts nach 2013. Wir können keine ausreichende Lebensmittelerzeugung ohne ein angemessenes Budget erreichen ", gab der Präsident zu bedenken. 
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