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Wirtschaft

Millionenstrafe für Krabbenhändler

Externer Autor ,
am
06.12.2013

Wegen illegaler Preis- und Mengenabsprachen mussten sich drei führende Krabbenhändler vor der EU-Kommission verantworten. Es wurden Strafen in Millionenhöhe verhängt. Auch ein deutsches Unternehmen war beteiligt.

Allgemein stünden die Bestände in der Ostsee jedoch gut da, meint der DFV. © Eva Eckinger/agrarheute
Die drei führenden Händler für Nordseegarnelen aus Deutschland und den Niederlanden müssen insgesamt 26,7 Millionen Euro Strafe zahlen. Das Urteil erfolgte aufgrund jahrelanger Mengen- und Preisabsprachen.
 
Auswirkungen hatte das Vorgehen vor allem auf die Preise in Frankreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Auch den Verbrauchern wurde so geschadet: "Die Abstimmung der Garnelenpreise für Einzelhändler wirkte sich direkt auf die Endverbraucherpreise aus", so die EU-Kommission.

Hohe Strafen

Den Hauptanteil des Betrages, in diesem Fall 27,08 Millionen Euro, muss Heiploeg übernehmen. Neben dem größten Garnelenlieferanten Europas wurde auch Stührk Delikatessen aus Marne (Dithmarschen) zu 1,13 Millionen verurteilt. Beim Dritten im Bunde handelt es sich um Kok International Seafood. Für dieses Unternehmen wurde laut EU-Kommission eine Strafe von 502.000 Euro verhängt.
 
Die großen Unterschiede rühren daher, dass nicht alle Firmen immer beteiligt waren. Wie die "Undercurrent News" berichtet, war noch ein viertes Unternehmen, der niederländische Händler Klaas Puul, involviert. Dem zweitgrößten Lieferant für Nordseekrabben wird jedoch die Strafe erlassen, da er die Kartellabsprache den Brüsseler Wettbewerbshütern meldete.

Erstaunlich detailliert

Joaquin Almunia, EU-Wettbewerbskommissar, war überrascht von der Genauigkeit der Beteiligten. Es sei erstaunlich, "wie detailliert die Nordseegarnelen-Händler im Rahmen ihrer häufigen Kontakte vertrauliche Geschäftsinformationen erörterten." Die Zusammenarbeit sei bis ins kleinste Detail gegangen.
 
Gemeinsam legte man nicht nur die Höhe der Preise für den Fischer fest, sondern man traf ebenso Abmachungen, was die Hauptkunden zu bezahlen hatten. Auch Marktanteile bei Nordseekrabben seien ausgehandelt worden. Für Almunia ist das Vorgehen zudem beachtlich, da die Verurteilung einiger Händler durch die holländische Wettbewerbsbehörde eigentlich ein deutlicher Warnschuss hätte sein sollen.

Marktdominanz

Da die vier Konzerne Heiploeg, Kok International Seafood, Klaas und Stührk laut Brüsseler Behörde gemeinsam einen Marktanteil von 80 Prozent besitzen, war dieses Vorgehen überhaupt erst möglich. Von Juni 2000 bis Januar 2009 nutzten sie so diese Dominanz, um den Garnelenmarkt zu kontrollieren, wie die EU-Kommission mitteilte. Die Größe des Marktes für Garnelen wird auf mindestens 100 Millionen Euro pro Jahr beziffert.

Zahlungsprobleme

Die Firma Heiploeg denke darüber nach, Widerspruch einzulegen, wie die Fachzeitschrift "Fischmagazin" berichtet. Auch die Firma Stührk zeigte sich bestürzt über die Höhe der Sanktionen. Sie sei wesentlich höher, als man erwartet hatte, wie Geschäftsführer Ole Ritters dem Schleswig-Holstein Magazin mitteilte. Die Unternehmen haben nun drei Monate Zeit, um die Strafe zu begleichen. Laut "Fischmagazin" sei einer der Händler nicht im Stand, die Summe zu bezahlen.
 
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