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Wirtschaft

Mineraldünger: Harnstoffpreise legten zu

© krick/agrar-press
Externer Autor ,
am
12.07.2012

Das Angebot an Harnstoff ist mittlerweile knapper. Jetzt haben sich die Harnstoffpreise an den internationalen Spotmärkten nach der dreimonatigen Talfahrt Anfang Juli stabilisiert.

Harnstoff-Dünger kostet unter 290-Euro-Marke. © Mühlhausen/landpixel
An einigen wichtigen Handelsplätzen legten die Exportpreise für Harnstoff wieder deutlich zu. Dies trifft insbesondere auf die Exporthäfen am Schwarzen Meer (Yuzhny) zu, wo die Abgabepreise für Harnstoff (geprillt) zwischenzeitlich bis auf 365 US-Dollar pro Tonne absackten. Seit April waren die Preise damit um fast 40 Prozent gefallen. In der zweiten Juliwoche lag das Preisniveau am Schwarzen Meer bereits wieder bei 420 US-Dollar pro Tonne und damit rund zehn Prozent höher.

Hersteller drosseln erneut Produktion

Einen wichtigen Grund für die aktuelle Preisstabilisierung sehen Analysten in der erneuten Angebotsverknappung. Offenbar können viele Hersteller zu Preisen deutlich unter 400 US-Dollar pro Tonne nicht mehr kostendeckend produzieren. Wie bereits beim letzten Preisrutsch wurde deshalb auch diesmal eine ganze Reihe von Anlagen aus der Produktion genommen sowie Kapazitäten gedrosselt. Dies trifft nach Angaben des US-Analysten Profercy unter anderem für Produktionsanlagen in der Ukraine, in Rumänien und auch in Ägypten zu.

Indien kauft große Mengen

Die Gründe für den erneuten Preisanstieg liegen jedoch nicht nur in der Produktionskürzung und Angebotsverknappung. Vielmehr hat sich angesichts des sehr niedrigen Preisniveaus auch die Nachfrage aus Lateinamerika und Asien belebt und sorgt für wachsende Handelsmengen. So berichten Händler über einen neuen Tender Indiens in einer Größenordnung von rund eine Millon Tonnen. Die für diese Ausschreibung geltenden Konditionen werden bis zum 14. Juli ausgehandelt. Im Vorfeld dieses sehr großen Abschlusses erhalten natürlich auch die Weltmarktpreise kräftigen Auftrieb.

Steigende Getreidepreise – steigende Nachfrage?

Exportpreise für Harnstoff am Weltmarkt
Die zuletzt kräftig gestiegenen Getreide- und Ölsaatenpreise könnten die Nachfrage ebenfalls ankurbeln. Allerdings beschränken Hitze und Trockenheit in den USA insbesondere bei den Mais- und Sojaanbaugebieten die Nachfrage und die Einsatzmöglichkeiten. Wegen der Flächenausweitung und dem sehr zeitigen Beginn der Feldarbeiten im Frühjahr, ist Harnstoff in den USA derzeit allerdings knapp und die Preise steigen seit dem Monatswechsel wieder an.
 
Am US-Golf lagen die Importpreise zuletzt bei 440 US-Dollar/Tonne (USD/t) und damit 25 UDS/t höher als kurz vor dem Monatswechsel. Aus Südamerika erwarten Analysten vor allem wegen der prognostizierten Anbauexpansion bei Soja und auch bei Mais ebenfalls einen Nachfrageschub. In Südamerika beginnt die Aussaat von Mais und Soja je nach Region allerdings erst im September/Oktober. Die Aussaat von Winterweizen erfolgt in Brasilien im Mai und in Argentinien im Juni.

China mit niedrigen Preisen

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Dennoch werden die Harnstoffpreise auch bei steigender Nachfrage wohl nicht in den Himmel wachsen. Seit dem Monatswechsel bieten auch chinesische Hersteller wieder Harnstoff am Weltmarkt an. Die chinesischen Exportzölle wurden turnusmäßig von 110 auf nur noch 7 Prozent für den Zeitraum Juli bis Oktober gesenkt und dürften insbesondere bei weiter steigenden Preise für einen spürbareren Angebotszuwachs vom sonst sehr streng regulierten chinesischen Binnenmarkt sorgen. Anfang Juli lag der Angebotspreis an den chinesischen Exporthäfen bei rund 395 USD/t (fob) und damit niedriger als am Schwarzen Meer, im Mittleren Osten und in Ägypten, jedoch nicht so niedrig wie viele Analysten zunächst erwartet hatten.
 
 
 
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