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Wirtschaft

Mineraldünger: Spotmarktpreise um ein Drittel gefallen

Externer Autor ,
am
02.01.2012

Berlin - Die Entwicklung an den internationalen Spotmärkten für Mineraldünger ähnelt immer mehr der Situation im Krisenjahr 2008.

© landpixel
Damals ist der Markt in Folge der Finanzkrise regelrecht kollabiert. Auch jetzt sind die Mineraldüngerpreise an den wichtigsten Handelsplätzen eingebrochen, während die Verkaufspreise für die Landwirte sich bislang wenig veränderten. Bislang versuchen die großen Hersteller vielmehr ihre Produktion zu drosseln um das Angebot besser an die wegbrechende Nachfrage anzupassen. Dies trifft nicht nur für Hersteller von Stickstoffdünger am Schwarzen Meer (Ukraine, Russland) und in Nordeuropa (Litauen) zu, sondern auch für die großen Kaliproduzenten. Trotz des Preissturzes und anwachsender Lagerbestände folgen die Preisangebote für Landwirte nur allmählich der Entwicklung an den Spotmärkten. Kein Wunder, dass sich die Landwirte in Westeuropa und Nordamerika mit dem Düngereinkauf weiterhin zurückhalten. Angesicht eines Preisrutsches bei den verschiedenen Düngerarten an den Sportmärkten von bis zu 35 % sollen bei den nächsten Preisverhandlungen deutliche Preisnachlässe für die Landwirte auf der Agenda stehen.

Harnstoff ein Drittel billiger

Regelgerecht abgestürzt sind in den letzten Wochen die Preise für Harnstoff. Nimmt man einmal den am US-Terminmarkt gehandelten Harnstoff als Indikator, brachen die Preise von Mitte November bis zum 22. Dezember um 25 % auf 362 US-Dollar je Tonne (USD/t) (276 Euro/t) ein. Am Schwarzen Meer (fob Yuzhnyy) lagen die Preisangebote für Harnstoff zu diesem Zeitpunkt bei 320 USD/t (244 Euro) und damit rund 180 USD/t beziehungsweise 35 % unter den Preisen von Oktober/November. Zu ähnlichen Kursen wie an den Schwarzmeerhäfen wurde der Harnstoff auch aus dem Mittleren Osten angeboten.
 
Günstig war Harnstoff am Weltmarkt zuletzt im September 2010. Ein Preisreport des USDA vom 22. Dezember für die Ackerbauregion Illinois, zeigt bei Harnstoff jetzt erstmals einen Rückgang der Einkaufspreise für Farmer, von 85 USD/ t beziehungsweise 15 %.

Stickstoffpreise 35 % gefallen

Stickstoff (Ammonium) wurde an den Schwarzmeerhäfen zuletzt zu rund 420 USD/t (320 Euro/t) angeboten und damit rund 230 USD/t (175 Euro) bzw. 35 % billiger als Mitte Oktober. Am US-Spotmarkt gaben die Preise innerhalb einer Woche um bis zu 85 USD/t nach. Die Importpreise an der Golfküste (Tampa) lagen zuletzt knapp über 500 USD/t. Mitte November hatte Harnstoff in den USA noch zwischen 710 und 720 USD/t (550 Euro) gekostet. Damit sind die Spotmarktpreise in nur 4 Wochen um 220 USD/t beziehungsweise 30 % gefallen. Auch die Preise für Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung (UAN/AHL) haben weiter nachgeben. Am US-Terminmarkt kostete UAN-Dünger (fob Nola) am 22. Dezember zur Auslieferung im März knapp 228 USD/t (174 Euro) und damit knapp 60 USD beziehungsweise 20 % weniger als Ende November. Zur Auslieferung im Januar 2012 war der AHL-Dünger die letzte Woche vor Weihnachten noch rund 60 USD/t teurer.

Phosphorpreise fallen ebenfalls

Diammoniumphosphat (DAP) kostet kurz vor Weihnachten an den US-Spotmärkten (fob Nola) zur Auslieferung im März 430 USD/t ( (328 Euro). Ende November lagen die vergleichbaren Preise noch bei 565 USD/ t (431 Euro) und damit 135 USD bzw. 25 % höher. Im Vergleich zu den Januarkontrakten der letzten Woche sind die DAP-Preise für den Märztermin nochmals um 50 bis 60 USD/t günstiger.

Kalimarkt mit Überkapazitäten

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Auch die Preise für Kalidünger können sich dem Abwärtstrend nicht entziehen. Für Preisdruck sorgen auch die deutlich wachsenden Lagerbestände. Ende November meldete der weltweit größte Hersteller, die kanadische Potash Group, die größten Bestände seit Juli 2010 und drosselte die Produktion. Allein im November wuchsen die kanadischen Bestände um rund 400.000 t an. Mitte Dezember senkten zudem die Analysten der UBS-Bank ihren Ausblick für die Entwicklung der Kalipreise deutlich. Besonders kräftig wurde die mittelfristige und langfristige Preiserwartung nach unten korrigiert. Ursache ist neben der derzeitigen Marktkorrektur auch das sehr überaus stark wachsende Angebot. Bis 2020 rechnet die UBS mit einer Ausweitung der globalen Produktionskapazitäten um jährlich 4 %, mit entsprechenden Folgen für die Preise.



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