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Ernährung und Gesundheit

Mitarbeiter will wegen erlittener Gesundheitsschäden klagen

Externer Autor
am
11.03.2010

Graz - Bei der Firma Prolactal GmbH dürften bald Klagen eingehen. Zwei Arbeitnehmer des vom Listerien-Skandal betroffenen Unternehmens Prolactal haben sich an die Steirische Arbeiterkammer (AK) gewandt.

Einer könne seine Anschuldigungen mit Beweisfotos untermauern, hieß es. Darauf sollen abgelaufene Säcke mit Enzymen für die Backwarenproduktion zu sehen seien, die in der Produktion noch verwendet wurden.

Der Leiter der AK-Abteilung Arbeitsrecht, Dr. Wolfgang Nagelschmied, erklärte gegenüber der Austria Presse Agentur (APA), dass sich bisher zwei erkrankte Mitarbeiter des Hartberger Werks, aus dem mit Listerien verkeimte Käsesorten in den Handel gelangt waren, bei ihm gemeldet haben. Einer der beiden leide seit seiner Tätigkeit für das Unternehmen unter Ausschlägen, Durchfall, Kehlkopfentzündung und Kopfschmerzen. Er wolle eigentlich nur wieder gesund werden, lasse sich aber auf ein Musterverfahren vor dem Arbeitsgericht mit Hilfe der AK ein, um vielleicht auch andere betroffene Mitarbeiter zu ermutigen, sich zu melden.

Abgelaufene Zutaten fotografisch dokumentiert

Laut Nagelschmied dürften die Werksmitarbeiter massiv unter Druck gesetzt und eingeschüchtert worden sein, keine rechtlichen Schritte gegen das Unternehmen zu setzen, da sonst im Gegenzug geklagt werde. Er halte die vorgebrachten Anschuldigungen für glaubhaft, zumal er Fotos des ehemaligen Mitarbeiters von den abgelaufenen Enzym-Säcken für die Backwarenproduktion - Prolactal erzeugt neben den Sauermilchkäse auch Sahnefonds, Kaltcremen, Topfenstabilisatoren und Sauermolkenpulver - gesehen habe.

Besonders verwerflich sei in seinen Augen das Prolactal vorgeworfene Verhalten: Hinweise der Mitarbeiter auf die seit bis zu sieben Jahren abgelaufenen Beigaben seien vom Unternehmen mit der Bemerkung quittiert worden, es werde "nichts weggeworfen" und man solle kleine Mengen dazu mischen. Der zweite ehemalige Mitarbeiter, der bei der AK vorstellig geworden ist, überlegt laut Nagelschmied noch, ob er Klage einreichen soll.

Firma weist Vorwürfe zurück

Prolactal wies am Donnerstag auf Anfrage der APA die Vorwürfe, Mitarbeiter unter Druck gesetzt, beziehungsweise mit gesundheitsschädlichen Chemikalien gearbeitet zu haben, "auf das Schärfste zurück". Das Unternehmen überlege sich nun "rechtliche Schritte" wegen dieser öffentlich bekanntgemachten Anschuldigungen. Schon bald nach bekannt werden des Zusammenhangs zwischen Käsegenuss und Erkrankung durch den Bericht des "dlz agrarmagazin (österreich)" auf agrarheute.com hatte sich ein andere Mitarbeiter bei der APA gemeldet und ebenfalls von katastrophalen Hygienezuständen berichtet - auch dass Mitarbeiter den Käse kosten mussten. Diese Beschuldigungen stritt Prolactal damals umgehend ab, die ständigen Listeria-Funde im Käse bestätigten sie aber.

Weitere Krankheitsfälle

Indes bestätigt das österreichische Staatslabor AGES, das drei weitere humane Listeriose-Fälle mit dem speziellen Käse der Firma Prolactal in Verbindung gebracht werden konnten. In zumindest einem Fall dürfte sich der Erkrankte erst nach dem Rückzug des Käses mit den Listerien infiziert haben. Damit gibt es in Österreich bisher 24 Erkrankungen samt fünf Todesfällen aufgrund des Genusses des Sauermilchkäses. Beim deutschen Robert-Koch-Institut in Berlin wurden zuletzt keine weiteren Fälle aus Deutschland bekannt. Aktueller Stand: acht Erkrankungen, wobei drei davon tödlich endeten. (apa/dlz/sp/pd)

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