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Experten-Interview

Mobbing von Bauernkindern: Wie geht man damit um?

Kind
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Katharina Krenn, agrarheute
am
29.03.2018

Kinder aus Landwirtsfamilien bekommen vermehrt den Gesellschaftskonflikt zu spüren. Doch wann beginnt Mobbing und was kann man dagegen tun? Eine Schulpsychologin gibt Antworten.

Noch vor ein paar Jahren nahm eine Landwirtin den Schulkameraden ihrer Söhne den Wind aus ihren Mobbingsegeln, indem sie die Klasse auf den Hof einlud und alles erklärte. Jetzt beim jüngsten Sohn funktionierte das nicht mehr, weil die Klasse sich weigerte, auf einen "Tiermörderhof" zu gehen. Es scheint kein Einzelfall zu sein. Mobbing von Bauernkindern scheint sich zu häufen.

In einem Interview gibt die Schulpsychologin Kristina Timm von der Schulberatungsstelle des Landkreises Borken hilfreiche Ratschläge.

Was versteht man unter Mobbing bei Kindern aus Landwirtsfamilien?

Die Zugehörigkeit der Eltern zu einer bestimmten Berufsgruppe kann ein Anlass zur Ausgrenzung sein. Es gab immer schon Vorurteile gegen bestimmte Berufsgruppen wie zum Beispiel Landwirte, Politiker, Lehrer und auch Psychologen. Da Kinder vom Bauernhof häufig aufgrund ihrer besonderen Wohnsituation weniger Außenkontakte haben, kann es sein, dass sie im Umgang mit anderen weniger geübt sind. Im Sozialraum Schule reagieren sie dann auf Mitschüler eventuell unsicherer, ängstlicher und ruhiger und werden aufgrund des wahrgenommenen geringeren Selbstbewusstseins eher zur Zielscheibe des Mobbings.

Bis wann ist es kindliche Rangelei und wann beginnt Mobbing?

Der Begriff Mobbing wird mittlerweile fast inflationär gebraucht und manchmal auch instrumentalisiert, um bei Schülern mögliche Fehlverhaltensweisen zu erklären. Verrohung des Umgangstons, verbale Beleidigungen, „Spaßkämpfe“, Körperverletzungen und Sachbeschädigungen kommen in sozialen Systemen regelmäßig vor.

Unter Mobbing wird jede Form gewalttätigen Handelns (verbal, nonverbal, körperlich, relational, Sachbeschädigung, Erpressung...) verstanden, das mindestens einmal pro Woche über mehrere Wochen oder Monate ausgeübt wird. Das Opfer wird absichtlich schikaniert und es existiert ein Kräfteungleichgewicht zwischen Opfer und Tätergruppe. Eine Konfliktlösung ist dem Opfer aus eigener Kraft nicht möglich. Der Täter/die Täterin möchte das Opfer aus der Gruppe vertreiben beziehungsweise isolieren.Eine Person alleine kann nicht mobben. Sie kann höchstens einen anderen ärgern oder schikanieren. Nur durch die Unterstützung von sogenannten Mitläufern und Duldern entwickelt sich eine stabile Mobbingdynamik.

Wie sollten Eltern reagieren, wenn ihr Kind gemobbt wird?

Fragen, Verständnis und Trost lassen die Kinder erst einmal erzählen. Das hilft dabei, das Erlebte zu verarbeiten. Dabei sollten die Eltern ihre eigenen Gefühle im Griff haben, um nicht allzu emotional zu reagieren. Eine Wutreaktion zum Beispiel könnte das Kind überfordern und dazu führen, dass es einen weiteren Vorfall nicht mehr erzählt.

Ich rate davon ab, dass die Eltern des Mobbingopfers die Eltern des Mobbingtäters kontaktieren. Diese werden ihr Kind erwartungsgemäß in Schutz nehmen und das aggressive Verhalten damit billigen. Eventuell gehen die Eltern des Täters dann gegen die „Opfereltern“ vor und der Täter lernt dann am Modell der Eltern, dass aggressives Durchsetzungsverhalten eine wirksame Strategie ist. In beiden Fällen ergeben sich für das Opfer weitere Nachteile. Eltern des Opfers sollten auch nicht das Gespräch zum Täter selbst suchen, da dieser Versuch als Schwäche des Opfers interpretiert werden wird. Das wertet den Täter oder die Täterin in der Rolle weiter auf.

Was können Eltern in Zusammenarbeit mit der Schule tun?

Eltern sollten sich, nach Absprache mit ihrem Kind, an die Schule wenden, weil sich dort der Mobbingfall abspielt. Dabei sind Vorwürfe zu vermeiden. Gemeinsam mit der Schule ist sachlich über Lösungen nachzudenken. Je nach der Schwere des Falls kommt darüber hinaus eine Strafanzeige gegen ein strafmündiges Kind (ab 14 Jahren) in Betracht. Wenn das Gespräch mit der Lehrkraft keinen Erfolg hat, können die Eltern sich an die Schulleitung wenden. Beratungslehrkräfte und Schulpsychologen können bei Mobbing unterstützen, wenn sie hinzugezogen werden.

Wenn Kontakt zur Schule aufgenommen wurde, sollten die Eltern ihr Kind schützen und es nicht zu jedem Gespräch mitnehmen. Die Gespräche und Fragen sind für das Opfer emotional meist schwierig und können Schuldgefühle verursachen oder verstärken.

Eltern können auch in der Prävention aktiv werden. Der Schule können zum Beispiel Besuche auf dem Bauernhof angeboten werden. Darüber hinaus spielen sie als Vorbilder der Kinder eine wichtige Rolle für ihre Konfliktfähigkeit. Kinder beobachten, wie ihre Eltern Probleme lösen und auch wie sie zum Beispiel zu ihrem erwählten Beruf oder Lebensstil stehen. Selbstbewusste und zuversichtliche Eltern vermitteln dies somit an ihre Kinder.

In der agrarheute Aprilausgabe lesen Sie einen ausführlichen Artikel zum Mobbing von Bauernkindern.

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