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Ernährung und Gesundheit

Monsanto muss Landwirt Entschädigung zahlen

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Eva Eckinger, agrarheute
am
15.09.2015

Der US-Chemiekonzern muss einem französischen Landwirt wegen Vergiftung Entschädigung zahlen. Das Urteil könnte weitreichende Folgen haben.

Ein französischer Landwirt hat Monsanto auf Entschädigung verklagt - und den Prozess gewonnen, wie die taz berichtet. Das Gericht in Lyon hat zugunsten von Paul François entschieden.
 
Der Konzern muss ihn "vollumfänglich" für die schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen entschädigen. Dieser juristische Sieg könnte weitere Klagen gegen die Agrarchemie nach sich ziehen.

Landwirt fiel ins Koma

Der Landwirt hatte im April 2004 schwere Schäden erlitten, als er bei der Kontrolle eines Tanks versehentlich die giftigen Dämpfe des Lösungsmittels Monochlorbenzol einatmete. Er spuckte Blut und wurde ohnmächtig. Die wochenlangen Folgeschäden waren Sprachprobleme, starke Kopfschmerzen und Bewusstseinstrübungen. Als er im November schließlich zusammenbrach und kurzzeitig ins Koma fiel, wurden umfassendere Recherchen angestellt.

Mittel "Lasso" als Ursache

François kam zu dem Schluss, dass es sich um das Mittel "Lasso" handeln müsse. Darin seien große Mengen des giftigen Monochlorbenzols enthalten. Dieses wurde bereits ab 1985 in Kanada und später in Großbritannien sowie Belgien verboten.
 
In Frankreich jedoch war es bis 2007 erlaubt. Laut Gerichtsurteil habe der Konzern die Verbraucher auf der Packung nicht ausreichend über die bekannten Risiken informiert. Die EU entschied sich 2006 für ein Verbot. In Deutschland war "Lasso" bis Oktober 1992 zugelassen.

Monsanto „überrascht“

Wie der Anwalt des Getreideproduzent meint, könnte es sich hier um ein historisches Urteil handeln: "Zum ersten Mal wird ein Hersteller von Herbiziden wegen der Vergiftung eines Landwirts finanziell zu Entschädigungen verantwortlich erklärt."
 
Monsanto jedoch werde das Urteil "höchstwahrscheinlich" anfechten, so der Anwalt des Unternehmens. Der Konzern sei einem Bericht des Industriemagazins zufolge "sehr überrascht" über den Ausgang des Prozesses.
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