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Wirtschaft

Moskau will Krim-Landwirte unterstützen

AgE
am
01.04.2014

Moskau/Kiew/Simferopol - Die Integration der Halbinsel Krim nach Russland schreitet voran: Moskau will den dortigen Landwirten unter anderem moderne Maschinen zur Verfügung stellen.

Moskau will den Landwirten auf der Krim unter die Arme greifen. Die dafür notwendigen Maßnahmen soll Landwirtschaftsminister Nikolai Fjodorow möglichst schnell erarbeiten und dem russischen Kabinett vorlegen. Bei einer Beratung zur Integration der annektierten Halbinsel in das russische Staats-, Wirtschafts- und Rechtssystem wies Ministerpräsident Dmitrij Medwedew darauf hin, dass vor allem eine Modernisierung des veralteten Maschinenparks der Agrarbetriebe wichtig sei.
 
Außerdem solle die Landwirtschaft auf der Krim in das russische System der Agrarförderung eingegliedert werden. Medwedew räumte ein, dass dieses zwar "nicht perfekt" sei, jedoch allemal besser als das bisherige Fördersystem der Ukraine.

Rechtliche Absicherung nötig

Unterdessen bemühen sich die Getreidehandelsgesellschaften, die in der Ukraine tätig sind und über Niederlassungen auf der Krim verfügen, um eine juristische Absicherung ihrer Geschäftsaktivitäten auf der Halbinsel. Dazu soll laut Mitteilung des Kiewer Landwirtschaftsministerium ein ukrainisches "Gesetz über die wirtschaftliche Tätigkeit auf zeitweilig okkupiertem Territorium" ausgearbeitet werden. Ressortchef Igor Schwajka sicherte den Getreidehändlern bei einem Gespräch am 25. März seine Unterstützung bei der Erstellung und Einbringung eines derartigen Gesetzentwurfs zu.

Reibungslosen Warenverkehr sicherstellen

Medwedew unterstrich die Notwendigkeit eines weiterhin reibungslosen Warenverkehrs über die Krim-Grenze hinweg; hier habe es zuletzt Probleme gegeben. Sowohl für die Handelsbeziehungen zur Ukraine als auch für die Exporte in Drittländer sei es wichtig, in diesem Bereich für klare Verhältnisse zu sorgen.
 
Ein Vertreter des russischen Industriellen- und Unternehmerverbandes (RSPP) wies darauf hin, dass derzeit die Lieferung von Fisch aus der Krim nach Russland von ukrainischen Grenzposten blockiert werde. Zusammen mit heimischen Handelshäusern arbeite sein Verband daran, eine reibungslose Einfuhr von Fisch zu organisieren.

200 Mähdrescher für Krim

Zudem plane die Föderale Agentur für Fischwirtschaft die Entsendung einer Expertengruppe auf die Krim, um dort den Aufbau einer neuen Regionalvertretung zu organisieren. Unterdessen kündigte der russische Landmaschinenhersteller Rostselmasch die Lieferung von Getreidemähdreschern auf die Krim an; die Rede war von maximal 200 Maschinen. Der Miteigentümer des Rostower Unternehmens, Konstantin Babkin, hob hervor, dass Rostselmasch grundsätzlich bereit sei, auch mehr Maschinen bereitzustellen, aber nicht vor Anfang der schon Mitte Juni anlaufenden Erntekampagne. Die Frage nach der Finanzierung der neuen Landtechnik ließ Babkin offen. Ihm sei lediglich der Wunsch der Krim-Regierung nach einem entsprechenden Warenkredit bekannt.

Strukturanpassungen erforderlich

Wie ein Vertreter des russischen Umweltministeriums vor Journalisten mitteilte, könnte die Landwirtschaft auf der Krim möglicherweise neu strukturiert werden, um ihre Abhängigkeit vom Wasserbezug aus der Ukraine zu verringern. Denkbar sei beispielsweise eine Einschränkung der wasserintensiven Reisproduktion zugunsten des traditionellen Weinbaus. Für die Halbinsel sei vor allem die Versorgung mit Dnepr-Wasser über den Nord-Krim-Kanal sehr wichtig; deshalb wolle Moskau Verhandlungen mit Kiew über die Bedingungen für die weitere Wassernutzung aufnehmen. Der Ressortsprecher zeigte sich überzeugt, dass selbst eine mögliche Sperrung des Kanals keinen gravierenden Wassermangel auf der fast 27.000 qkm großen und mehr als 2,3 Millionen Einwohner zählenden Krim zur Folge haben würde. Fast die Hälfte des auf gut zwei Kubikkilometer geschätzten Wasserbedarfs der Halbinsel werde durch die örtlichen Flüsse gedeckt, während sieben Prozent des benötigten Volumens auf Grundwasser und etwa fünf Prozent auf entsalztes Meerwasser entfielen. Fest stehe aber bereits, dass die Krim in das russische Föderationsprogramm für die Entwicklung der Wasserwirtschaft 2012 bis 2020 eingegliedert werde.
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