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Umwelt

Müllkippe Meer birgt tödliches Plastik


von , am
31.01.2013

Allein in die Nordsee gelangen jährlich rund 15.000 Tonnen Plastikmüll. Über die Nahrungskette können mikroskopisch kleine Plastikteile auch beim Menschen landen.

Muell
Abfall, Wasser, Abwasser: Die IFAT setzt Zeichen für den Bereich Umwelttechnolgie. © fotolia
Plastik ist ein langlebiger Stoff und landet über kurz oder lang im Meer. Dort wird er zum massiven Problem. "Etwa 15.000 Tonnen Plastikmüll landen pro Jahr schätzungsweise allein in der Nordsee", sagt Meeresschutzreferent Kim Cornelius Detloff vom Naturschutzbund. "Der Großteil des Plastikmülls in der südlichen Nordsee stammt von Schiffen, obwohl die Verklappung von Plastik mittlerweile verboten sei. 70 Prozent des Plastikmülls sinken auf den Meeresgrund", sagt Detloff. Rund 600.000 Kubikmeter Müll vermuten Experten auf dem Boden der Nordsee. Das entspricht dem Volumen von 200 olympischen Schwimmbecken mit 50-Meter-Bahnen.
 
Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) sieht die Vermüllung der Meere mit Sorge. "Es kann nicht sein, dass Meeressäuger und Seevögel sich in Abfall verheddern, dass sie Plastikteile anstelle von Fisch im Magen haben, sich kleinste Kunststoffteile in der Nahrungskette anreichern - nur, weil die Meere zu Müllhalden werden", sagt er.
 

Plastik lässt Tiere verenden

Bis zu einer Million Seevögel und 100.000 Meeressäuger sterben laut Umweltschützern jährlich den Plastiktod. Die einzelnen Plastikteile werden durch die Einwirkungen von Salzwasser, UV-Strahlung und auch durch Reibung ständig kleiner. Klein genug, um von Muscheln, Krebsen oder Fischen gefressen zu werden. Bei einem Magen voller Plastik verhungern sie auf tragische Weise. Eine einzelne Plastiktüte beispielsweise kann für eine Meeresschildkröte das Todesurteil bedeuten. Fische sterben in alten Fischernetzen. Auf Helgoland läuft derzeit ein Forschungsprojekt Microplast. Mit einem Infrarot-Spektrometer wollen die Wissenschaftler untersuchen, wie viel Plastik etwa in einer Nordseekrabbe steckt.
 

Auswirkungen auf den Menschen

"Ein großes Problem ist, dass die Mikroplastik-Artikel lipophile (fettlösliche) Schadstoffe wie einen Schwamm aufsaugen", sagt der Toxikologe Edmund Maser vom Universitäts-Klinikum Schleswig-Holstein. Das betreffe neben Weichmachern beispielsweise das als krebserregend geltende PCB oder das Insektizid DDT. Fressen Meerestiere diese Partikel, weil sie diese fälschlicherweise für Plankton halten, nehmen sie die Schadstoffe auf. "Für den Menschen bedeutet es, dass er durch den Verzehr von solchen Meerestiere eben mehr dieser Schadstoffe aufnimmt. Viele dieser Schadstoffe beeinträchtigen auch das Hormonsystem. Es sei zur Zeit nicht einschätzbar, ob sich diese endokrinen Effekte auch auf den Menschen auswirken, aber die Gefahr bestehe, so Maser.
 
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