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Verwahrloste Pferde im Wöhrdener Loch

Nabu gibt Pferdehaltung im Speicherkoog Dithmarschen auf

Konikherde im Abendlicht
am Mittwoch, 18.03.2020 - 14:45 (Jetzt kommentieren)

Das Gerangel um die Verantwortung für die Koog-Koniks im Wöhrdener Loch hat ein Ende. Der Nabu Schleswig-Holstein gibt die Pferdehaltung auf. Die Schuld für den Zustand der Pferde schiebt noch immer einer auf den anderen.

Die Pferde, die der Naturschutzbund (Nabu) Schleswig-Holstein im Speicherkoog Dithmarschen (im Wöhrdener Loch) zur Landschaftspflege hielt, haben in den vergangenen Wochen für viel Aufmerksamkeit und Unmut gesorgt. Der Zustand der Tiere war so schlecht, dass mehrere von ihnen verendeten. Andere konnten kaum noch laufen. Ursache dafür waren zum einen ein eklatanter Futtermangel, zum anderen teils völlig verwachsene Hufe (agrarheute berichtete).

Künftig keine Pferde mehr im Koog

Nach mehreren Krisensitzungen und einer weitgehend ergebnislosen Diskussion um Veranwortlichkeiten will der Nabu nun die Pferdehaltung im Speicherkoog zum Ende des Jahres auslaufen lassen. Das verkündete Landesgeschäftsführer Ingo Ludwichowski.

Zuvor hatte man versucht, die völlig überbelegte Fläche (zuletzt standen im Wöhrdener Loch über 70 statt der 30 geplanten Pferde) zu entlasten, indem man einen Großteil der Pferde herausfing und nur ein Dutzend Stuten zurückließ. Außerdem sollten Fütter- und Kontrollmaßnahmen vereinfacht werden, unter anderem durch die Installation einer festen Fanganlage.

Gezerre um eine Fanganlage

Der Nabu Schleswig Holstein und das zuständige Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) konnten jedoch keine Einigkeit darüber erzielen, wer für eine solche Anlage zuständig sei.

Laut schleswig-holsteinischem Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) hätte der Nabu für eine funktionierende Fangeinrichtung sorgen müssen. Der allerdings wies das zurück; das LLRU habe ohne Absprache die (defekte) Anlage abgebaut und den Nabu hinsichtliche einer Neuinstallation immer wieder vertröstet.

Es bleiben Fragen offen

Nun hat das Hickhack also ein Ende, die Pferde werden aus dem Speicherkoog verschwinden. Der Nabu will den Vertrag mit dem Kreis Dithmarschen zum Jahresende kündigen.

Trotzdem bleiben Fragen offen: Warum zum Beispiel sind die Zustände nicht früher aufgefallen? Der Nabu erklärt, er habe die Kontrolle der Pferde an Tierhalter in der Region abgegeben. Das aber enthebt keinen Tiereigentümer von seinen Pflichten. Zudem beklagten die beauftragten Landwirte ein umständliches Genehmigungsverfahren bezüglich einer Zufütterung. Und warum konnte die Herde so unkontrolliert auf mehr als das Doppelte der Flächentragfähigkeit anwachsen? Das ist über Jahre geschehen, und hat nichts mit einem nassen Frühjahr oder einer seit einiger Zeit fehlenden Fanganlage zu tun. Und schließlich: Der Nabu wirbt mit dem Projekt um Spenden. Wo aber bleiben diese Gelder, wenn nicht einmal die Anschaffung einer funktionstüchtigen Fanganlage finanziert werden kann?

Trotz der anstehenden Beendigung der Pferdehaltung im Wöhrdener Loch dürfte die Geschichte für den Nabu noch nicht ausgestanden sein. Die zuständigen Behörden haben die Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz aufgenommen.

Mit Material von ndr.de
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